Entlastungsprämie von 1000 Euro: Diese Unternehmen zahlen sie - "sinnvoller Impuls"

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Die geplante Entlastungsprämie von 1000 Euro sorgt für Diskussionen in Wirtschaft und Politik. Während einige Unternehmen sie auszahlen wollen, sehen andere Herausforderungen durch Bürokratie und Kosten.

Die von der schwarz-roten Koalition geplante sogenannte Entlastungsprämie bringt bedeutende Herausforderungen mit sich. Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben sich darauf geeinigt, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern im laufenden Jahr eine steuerfreie 1000-Euro-Prämie gewähren können. In der Regel wird eine solche Prämie bei Tarifverhandlungen festgelegt, hieß es beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Eine wesentliche Frage ist deshalb: Was passiert mit Branchen, die gerade erst Tarifverhandlungen abgeschlossen haben? Für viele Beschäftigte stehen 2026 keine Tarifverhandlungen mehr an. Konjunkturexperte Sebastian Dullien erwartet zwar, dass die Option in allen weiteren Tarifverhandlungen dieses Jahres auf dem Tisch liegt. Dennoch sieht der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung die Gefahr, dass viele Menschen leer ausgehen.

Entlastungsprämie von 1000 Euro: Welche Unternehmen zahlen sie - und welche nicht?

Das Drogerieunternehmen Rossmann will seinen Mitarbeitern zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Soforthilfe von 500 Euro auszahlen, wie das Handelsblatt berichtet. Verkaufshilfen sollen laut Firmeninhaber Raoul Roßmann 250 Euro erhalten. "Die Erfahrung hat uns recht gegeben: Dieses Instrument wirkt", so Roßmann. Auch andere Unternehmen haben bereits angekündigt, die Entlastungsprämie zu zahlen.

So etwa der Fahrrad-Leasing-Anbieter Deutsches Dienstrad. "Die 1000 Euro sind kurzfristig ein sinnvoller Impuls", so die Co-Geschäftsführerin Christina Puello gegenüber dem Handelsblatt. Der Autobauer BMW gab bekannt, dass das Unternehmen gerade die angekündigten gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich der Prämie prüfe. 

Zahlreiche Unternehmen kritisieren die Entlastungsprämie allerdings auch. Man habe viel zu kurzfristig davon erfahren und habe dadurch einen hohen Bürokratieaufwand. Marie-Christine Ostermann, geschäftsführende Gesellschafterin des Lebensmittelgroßhändlers Rullko und Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, sagte, die Prämie gehe „zulasten Dritter, nämlich der Unternehmen". Für Unternehmen selbst gebe es derzeit keine Unterstützungen. 

Heftige Kritik: Unternehmer fordern langfristigen Wirtschaftsplan für Deutschland

Forderungen nach einem strategischen Plan für die kommenden Jahrzehnte für den Wirtschaftsstandort Deutschland wurden laut. Die Politik müsste langfristig planen und handeln – und sich nicht in kurzfristigen Maßnahmen verstricken.

Und: Wenn die Bundesregierung wolle, dass die Prämie wirkt und keinen Unmut schafft, so sollte sie die Möglichkeit schaffen, dass Unternehmen diese auch noch später auszahlen können. Grundsätzlich hält Konjunkturexperte Sebastian Dullien  die geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie jedoch für attraktiv. Diese ermögliche zugleich mehr Netto für die Beschäftigten und weniger Kosten für die Unternehmen.

Der DGB fordert daher: "Zudem wäre eine Verlängerung des Bezugszeitraums sinnvoll, um angesichts verschiedener Laufzeiten von Tarifverträgen möglichst vielen Beschäftigten Zugang zu ermöglichen." Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnt an, für eine solche Prämie brauche es ein ausreichend großes Zeitfenster, um Vereinbarungen im Rahmen von Tarifverträgen treffen zu können.

"Unrealistisch, davon auszugehen, dass alle Unternehmen die Prämie zahlen können"

BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter warnte jedoch: "Es ist unrealistisch, davon auszugehen, dass alle Unternehmen die Prämie zahlen können. Die Wirtschaftslage ist zu angespannt." Der Wirtschaftsweise Achim Truger sagte dem Magazin "Surplus": "Ob und wie stark die Energiepreisprämie genutzt wird, ist unklar, da kommt es sehr auf die Durchsetzungskraft der Gewerkschaften an."

Unternehmen leiden schon unter der Flaute. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, stellte infrage, ob viele Betriebe sich die Prämie angesichts der schwachen Wirtschaftslage überhaupt leisten können – zumal kurzfristige Entlastungsschritte für Betriebe und Unternehmen fehlten.

Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte: "Ich würde sagen, es wird ein paar Unternehmen bestimmt geben, die das auch machen, die halt wirtschaftlich gerade so gut dastehen, dass sie sich das leisten können. Und dann wird es sehr, sehr viele andere Unternehmen geben, die das nicht können, wahrscheinlich eher die kleineren."

nw/mit dpa

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