Wo haben die Menschen in Bayern am meisten von ihrem Einkommen? Ein fränkischer Landkreis taucht überraschend ganz vorne im Ranking auf.
Wo viel verdient wird, ist es oft auch teuer - das sorgt in einem aktuellen Ranking der regionalen Kaufkraft für eine erstaunliche Mischung in der bayerischen Spitzengruppe.
Wer ganz genau wissen will, wo sich die Menschen in Bayern am meisten leisten können, darf sich nicht nur die Einkommen anschauen. Wichtig ist auch die Frage: Was kann ich mir an meinem Wohnort von meinem Geld kaufen? Die Unterschiede sind groß. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat das auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern berechnet und präsentiert eine bunt gemischte Spitzengruppe.
Spitzenplätze über ganz Franken verteilt
Platz eins im Freistaat geht an den Landkreis Starnberg. Dort liegen die Lebenshaltungskosten zwar 14 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Aber in Starnberg gibt es auch das bundesweit höchste verfügbare Einkommen pro Kopf. Soweit so klischeehaft.
Doch auf Platz zwei folgt dann die dicke Überraschung: der Landkreis Rhön-Grabfeld in Unterfranken. Das Durchschnittseinkommen ist dort hoch, wenn auch bei weitem nicht so hoch wie in Starnberg. Die Lebenshaltungskosten, zu denen beispielsweise auch die Kosten für Lebensmittel zählen, liegen aber sieben Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Rang drei geht mit dem Landkreis Miesbach - samt Tegernsee - an einen Kandidaten der Kategorie "teuer, aber hohe Einkommen". Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken) auf dem vierten Platz hat relativ durchschnittliche Kosten, aber hohe Einkommen. Auf den Rängen fünf und sechs folgt dann mit den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth wieder die Kombination gutes Einkommen plus niedrige Kosten.
Bayern dominiert die bundesweiten Top Ten
Auch im bundesweiten Vergleich schneiden die fränkischen Landkreise damit stark ab. In den Top Ten sind sie mehrfach vertreten, unter den 50 niedrigsten nur ein einziges Mal: Augsburg Stadt. Dort treffen niedrige Einkommen auf überdurchschnittliche Kosten. Die Gesamtspanne ist groß. Während das verfügbare preisbereinigte Einkommen pro Kopf in Starnberg laut IW bei 39.224 Euro liegt, sind es in Augsburg nur 24.429 Euro.
Heilbronn (Baden-Württemberg), 39.424 Euro pro Kopf
Landkreis Starnberg (Bayern), 39.224 Euro
Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern), 38.479 Euro
Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz), 37.441 Euro
Landkreis Miesbach (Bayern), 37.078 Euro
Landkreis Erlangen-Höchstadt (Bayern), 36.804 Euro
Landkreis Wunsiedel (Bayern), 36.385 Euro
Hochtaunuskreis (Hessen), 36.080 Euro
Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz), 35.814 Euro
Landkreis Olpe (NRW), 34.437 Euro
Insgesamt zeigt sich ein klares Land-Stadt-Gefälle: Die meisten kreisfreien Städte finden sich in der Regel in der unteren Hälfte des Rankings. Hier macht sich unter anderem bemerkbar, dass der wichtigste Treiber für Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten der Bereich Wohnen ist. Eigentum ist teuer, die Mietkosten hoch.
Noch am besten unter den Städten schneidet das relativ kleine Schwabach (Mittelfranken) auf Rang 12 ab. Bayerns Landeshauptstadt München landet trotz sehr hoher Einkommen nur auf dem bayernweiten Platz 35, weil die Kosten um 24 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen. Nürnberg ist bayernweit Vorletzter.
Starnberg verliert den bundesweiten Spitzenplatz
Beim vorigen Ranking hatte mit Starnberg auch ein bayerischer Landkreis die bundesweite Spitzenposition eingenommen. Diesmal reicht es nur für Platz zwei hinter Heilbronn in Baden-Württemberg. Dort sorgen neue, revidierte Einkommenszahlen für einen starken Sprung wegen sehr hoher Gewinnentnahmen aus Gewerbebetrieben.
Zumindest auf Bundesländerebene liegt Bayern aber ganz vorne. Hier trifft das höchste nominale Einkommen auf die dritthöchsten Preise. Das reicht für einen klaren Vorsprung zum zweitplatzierten Schleswig-Holstein. Der letzte Platz geht an Berlin.
Basis der Auswertung ist eine aufwendige Datensammlung des IW Köln zu den regionalen Preisen in kreisfreien Städten, Kreisen sowie Stadt- und Landkreisen in Deutschland, die die Forscher mit Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes verknüpft haben. Beide beruhen auf Daten des Jahres 2023, weil vor allem für die Einkommen keine aktuelleren validen Zahlen vorliegen. Mit einer früheren Auswertung des IW Köln zum selben Thema sind die Daten nur eingeschränkt vergleichbar.