YouGov-Marktforscherin Carolin Petrow ordnet das ein: «Der Anteil der Lebensmittelausgaben am verfügbaren Einkommen liegt in Deutschland bei lediglich rund 10 bis 13 Prozent und damit auf einem für entwickelte Volkswirtschaften typischen, eher niedrigen Niveau.» Trotz hoher Kaufkraft sei das Ausgabenniveau hierzulande moderat. In Ländern wie Polen und in Südostasien sei die Belastung der Haushalte größer. Dort fließe ein deutlich größerer Anteil des Einkommens in Lebensmittel.
Wie werden sich die Ausgaben weiter entwickeln?
Experten erwarten, dass die Lebensmittelpreise wegen des Iran-Kriegs weiter steigen könnten. Kai Hudetz vom IFH Köln sagt: «Es ist davon auszugehen, dass steigende Energie‑, Dünger‑ und Transportkosten mit Verzögerung auch auf die Lebensmittelpreise durchschlagen. Besonders betroffen sind Produktgruppen, bei denen Energie- und Logistikkosten einen hohen Anteil an der Wertschöpfung haben.» Dazu zählten unter anderem Brot und Backwaren, Getränke, Fertiggerichte, Süßwaren sowie Tiefkühlprodukte.
Auch der Bauernverband und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen. Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten eine Inflationsrate von 2,8 Prozent in diesem Jahr und 2,9 Prozent 2027.
Wie häufig wird eingekauft?
Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland kauft mehrmals pro Woche oder täglich Lebensmittel ein, 7 Prozent tun dies jeden Tag. 36 Prozent gehen einmal pro Woche, 5 Prozent zwei- bis dreimal im Monat einkaufen. In Ländern wie Italien, Spanien oder der Schweiz sind die Gewohnheiten relativ ähnlich, in anderen teilweise ganz anders. In Frankreich und den USA wird insgesamt seltener eingekauft, während das in Polen laut YouGov 17 Prozent der Menschen täglich machen.
Wo wird am liebsten eingekauft?
Laut einer im Januar durchgeführten YouGov-Umfrage bevorzugen 32 Prozent der Menschen in Deutschland Supermärkte wie Rewe und Edeka, 29 Prozent Discounter wie Aldi und Lidl. 38 Prozent haben keine feste Präferenz. Supermärkte punkten der Befragung zufolge vor allem mit Erreichbarkeit, Frischeprodukten und Eigenmarken, Discounter mit Preisen, Erreichbarkeit und Sonderangeboten. Die Umfrage ist den Angaben nach repräsentativ.
Wird mehr auf die Preise geguckt?
Ja, die gestiegenen Preise wirken sich auf das Einkaufsverhalten aus. 47 Prozent achten laut YouGov-Befragung «viel mehr» auf Preise und Sonderangebote als noch vor ein paar Jahren, 33 Prozent «etwas mehr». Lediglich 18 Prozent erklären, dass es sich nicht verändert habe.
YouGov-Marktforscherin Süptitz sagt: «Für 67 Prozent der Verbraucher sind die Preiserhöhungen schwer nachvollziehbar und sorgen für deutliche Verärgerung.» Nur 25 Prozent der Menschen hätten Verständnis für die Preiserhöhungen. Dieser Anteil sei seit 2023 deutlich gesunken.
Lebensmittel sind laut Statistischem Bundesamt heute im Schnitt knapp 38 Prozent teurer als 2020. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stieg die Inflation auf fast neun Prozent. Energie und zahlreiche Produkte verteuerten sich rasant. Verbraucher spüren das heute noch. Rindfleisch, Kaffee, Schokolade, Orangensaft, Obstkonserven und andere Artikel kosten deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren.
Wie viele nutzen Lieferdienste und gehen auf Wochenmärkte?
Anbieter wie Picnic oder Rewe liefern Lebensmittel nach Hause. In Deutschland nutzen 7 Prozent das mindestens einmal pro Woche, 9 Prozent ein- oder zweimal pro Monat, 11 Prozent seltener, 71 Prozent nie.
Auch Wochen-, Bauern- und Straßenmärkte erfreuen sich bei einigen Verbrauchern in Deutschland nach wie vor großer Beliebtheit. 8 Prozent suchen sie einmal pro Woche auf, 6 Prozent zwei- bis dreimal im Monat, 11 Prozent einmal. 43 Prozent gehen seltener auf Märkte, 30 Prozent nie.
In Frankreich, Italien und Spanien ist der Anteil der regelmäßigen Marktbesucher laut YouGov teilweise deutlich größer. Ein Viertel der Menschen macht dies mehrmals im Monat. In Großbritannien, Dänemark oder in den USA haben die Märkte eine geringere Bedeutung.