Mögliche strafrechtliche Folgen
Die Justizbehörden sind bereits tätig. Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Es gehe um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Gegenstand der Ermittlungen sei zunächst "die vollständige Aufklärung des Sachverhalts". Nähere Angaben machte die Behörde nicht, stellte aber klar: "Es gilt die Unschuldsvermutung."
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle ordnet den Vorfall als "eindeutig antisemitische Äußerung eines Hotels im Landkreis Cham" ein. Diese habe man an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. "Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln", so Spaenle.
Eine Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert. "Die menschenverachtende Aussage 'keine Juden erlaubt' lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. "Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde."
Hotel fliegt von Plattform
Bei Booking.com war das Hotel nicht mehr zu finden. "Wir dulden keinerlei Diskriminierung", hieß es dazu von dem Unternehmen. "Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen - so wie wir es auch in diesem Fall getan haben." Ob das Hotel irgendwann auf die weit verbreitete Plattform zurück darf, dazu gab es keine Angaben. Hotel-Juniorchef Vogl räumt ein: "Das ist ein Riesen-Problem."
Das Landratsamt Cham und die Marktgemeinde Lam haben nach eigenen Angaben den Hotelbetreiber bis auf weiteres auf touristischen Webseiten gesperrt und aus dem touristischen Marketing genommen. "Antisemitismus hat im Landkreis Cham keinen Platz", hieß es. "Ein solcher Einzelfall darf nicht das Bild unserer zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen."
Juniorchef Vogl kritisierte indes die Art und Weise, wie das Ganze in den sozialen Medien ausgeschlachtet werde. Die Folge: Beleidigungen und sogar Morddrohungen auf verschiedensten Kanälen.
Internationale "Empörung und Trauer"
In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, "um uns persönlich kennenzulernen, und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren". Beim Hotel hofft man: "Vielleicht entsteht eine Freundschaft, wie auch immer". Was der Gast dazu sagt? Unklar. Er wolle sich nicht äußern und bitte darum, seine Privatsphäre zu respektieren, sagte er der dpa in Tel Aviv.
Der Imageschaden dürfte indes gewaltig sein. Weltweit hörten Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager diese Nachricht des antisemitischen Hasses "mit Empörung und Trauer", hieß es vom Internationalen Auschwitz Komitee. Dessen Präsidentin Eva Umlauf verwies auf ein von ihr verfasstes Buch über Beobachtungen im Deutschland von heute. "Es trägt den Titel: 'Genau so fängt es an'. Es ist dennoch entsetzlich, wenn meine Eindrücke jetzt auf erneute und so bizarre Weise bestätigt werden."
Und Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees erinnert an eine Begegnung in Argentinien. "'Haben sie dort überhaupt irgendetwas gelernt?', fragte mich eine über 90-Jährige, die als jüdisches Kind aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt wurde und so überlebt hat."