Wichtig dabei zu wissen: Die Anbieter müssen weder eine Einmalauszahlung von 30 Prozent zum Rentenbeginn noch die Entnahme für eine selbst genutzte Immobilie anbieten. Diese Optionen sind laut dem Experten der Verbraucherzentrale eine sogenannte "Kann-Option". Wer darauf angewiesen ist, sollte den Vertrag daher genau prüfen. Wer ein flexibles Produkt sucht, findet andere Lösungen.
Riester-Altvertrag vorhanden? Nicht vorschnell wechseln
Die alte Riester-Förderung kann in Einzelfällen noch immer sehr attraktiv sein. Alexander Roos nennt dafür ein konkretes Beispiel: „Dies betrifft vor allem Menschen mit geringen Einkommen oder Familien mit Kindern." Wer mit einem sehr geringen Eigenbeitrag hohe Zulagen erhält, sollte den Vorteil seiner Meinung nach nicht aufgeben.
Auch die Konditionen alter Verträge können überzeugen. Laut Roos können etwa der Höchstrechnungszins und der Rentenfaktor interessant sein. Ein neuer Vertrag ist in solchen nicht zwingend nötig.
Gleichzeitig gilt: Altverträge lassen sich auf die neue Förderung umstellen. Wer aber kurz vor der Rente steht, sollte den Wechsel besonders sorgfältig prüfen.
Anlagehorizont und Risikobereitschaft beachten
Anlagehorizont und Risikobereitschaft spielen laut Alexander Roos ebenfalls eine Rolle. "Wenn sich Menschen für das sogenannte "Standarddepot" entscheiden, wird hier die Aktienquote vor Beginn der Rente automatisch reduziert. Gerade bei langfristigen Sparzeiten (10 Jahre +) sollte man dennoch als Inflationsausgleich zumindest einen Teil seines Kapitals im Aktienmarkt anlegen", erklärt er. "Natürlich kann das neue Altersvorsorgedepot deutlich individueller an die Wünsche der Menschen angepasst werden. Die Aktienquote kann je nach persönlicher Risikobereitschaft auch selbst gewählt werden."
Kosten und Vertragsbedingungen: Darauf sollten Sie achten
"Die Kosten sind entscheidend für den Erfolg der Geldanlage", betont der Experte der Verbraucherzentrale Bayern. Hier gebe es auch Unterschiede zwischen den möglichen Varianten des Altersvorsorgedepots - etwa das Standarddepot mit Kostendeckel oder ein „freies“ Altersvorsorgedepot ohne.
"Der Kostendeckel gilt nur für die Sparphase, entscheidend wird auch sein, ob in der Rentenphase zusätzliche Kosten erhoben werden. Hier sind die neuen Vertragsbedingungen ebenfalls genau zu prüfen", erklärt Roos. Garantieprodukte sehen er und seine Kollegen von der Verbraucherzentrale "ebenfalls sehr kritisch, da keine Kostenbegrenzung".
Und: Auch während der Sparphase können sich Kosten ändern, Verbraucherinnen und Verbraucher haben dann aber laut Roos Wechselmöglichkeiten.
Wann das Altersvorsorgedepot aus steuerlichen Gründen möglicherweise nicht passt
Allgemein ist die Frage, ob andere Alternativen für bestimmte Lebenssituationen besser geeignet sind, laut Roos schwierig zu beantworten. Das betrifft beispielsweise die Steuer: "Man kann hinterfragen, ob durch die nachgelagerte Besteuerung in manchen Fällen die nicht geförderte Anlage sinnvoller ist", erklärt er.
Der Hintergrund: Während der Ansparphase bleiben Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Altersvorsorgedepot steuerfrei. "Erträge aus Einzahlungen bis 6.840 Euro pro Jahr unterliegen nicht der Abgeltungssteuer – die Besteuerung erfolgt erst in der Rentenphase, häufig zu einem günstigeren Steuersatz",erklärt etwa die Sparda-Bank Nürnberg.
Wer aber im Alter weitere Einkünfte erzielt - zum Beispiel aus einer vermieteten Immobilie, einem kleinen Gewerbe oder einer hohen Betriebsrente - für den kann es günstiger sein, ohne Förderung zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan vorzusorgen. Denn der Gewinn daraus wird nach aktuellem Stand lediglich mit 25 Prozent Abgeltungssteuer versteuert.Was man zum Einstieg in einen solchen privaten Sparplan wissen sollte, haben wir hier zusammengefasst.
Wichtig: Es besteht keine Eile, sich für ein Altersvorsorgedepot zu entscheiden
"Sich frühzeitig für ein Produkt zu entscheiden ist nicht erforderlich", betont Roos. Mann kann ihm zufolge noch bis Mitte/Ende 2027 abwarten, welche Produkte zukünftig abschließbar sind und Vergleiche der Vertragsbedingungen - zum Beispiel von Stiftung Warentest - prüfen.
Der Experte der Verbraucherzentrale hat aber einen Rat: "Jedes Angebot durch den Finanzvertrieb sollte kritisch geprüft werden. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich unabhängig informieren und beraten lassen", sagt er. Seine Hoffnung: Dass durch das Standarddepot eines öffentlichen Trägers im Laufe des Jahres 2027 eine Art "Benchmark" für private Angebote entsteht, "die auch in Zukunft einen einfachen Wechsel ohne Vertriebsinteressen ermöglicht."
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