Fehlende Wechselbereitschaft: Von den insgesamt 11 Mrd. Euro "Treuestrafe" im letzten Jahr entfallen nur 4 Mrd. Euro auf Kunden in der Grundversorgung. Das zeigt, dass die fehlende Wechselbereitschaft nicht nur bei Kunden in der Grundversorgung hohe Kosten verursacht.
Haushalte können sparen: Im Schnitt könnte jeder Haushalt 304 Euro bis 492 Euro mit einem Anbieterwechsel sparen, so das zentrale Ergebnis der RWTH-Forscher.
Warum will Octopus Energie mehr Transparenz?
Wie die Studie außerdem feststellt, erhöhen überregionale Anbieter ihre Arbeitspreise prozentual am stärksten, während neue marktteilnehmende Anbieter am wenigsten an der Preisspirale drehen. Der Strommarkt ist also eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft": Er teilt sich in treue Kunden und die Schnäppchen-Wechsler. Treue zum Stromversorger wird mit bis zu 492 Euro Mehrkosten pro Jahr bestraft.
Immer noch erschwert wird der Wechsel für den Stromkunden, weil es deutliche Transparenzdefizite im Markt gibt. Während sich Neukundentarife eng an den Entwicklungen an den Energiemärkten orientieren, steigen Bestandskundentarife häufig weitgehend unabhängig davon. Preisanpassungen werden oft global und pauschal mit steigenden Kosten für "Beschaffung und Vertrieb" begründet – ohne die tatsächliche Marktentwicklung konkret zu benennen.
Während Länder wie Großbritannien oder Australien bereits gegen die Loyalitätsstrafen vorgehen, herrscht hierzulande bislang nur Schulterzucken. Und das ausgerechnet in einem der Länder mit den höchsten Strompreisen weltweit. "Wenn ein Markt Loyalität systematisch in diesem Ausmaß bestraft und gerade vulnerable Gruppen überdurchschnittlich belastet, darf der Staat nicht tatenlos bleiben", meint Bastian Gierull, Chef von Octopus Energy Germany.
Ist die Skepsis, Ergebnis der Liberalisierung des Strommarktes?
Dass die Verbraucher sehr vorsichtig beim Wechsel des Stromlieferanten sind, liegt an der Energiekrise, die nicht vorbei ist. Die offizielle Liste der Bundesnetzagentur in Bonn, nennt diejenigen Stromlieferenten, die ihre Verteilung wegen Insolvenz einstellten mussten. Sie umfasst immerhin rund 25 Versorger und zwar quer durch Deutschland.
Bis kurz vor der Jahrtausendwende war der Energiemarkt in Deutschland durch starre Gesetze und die Monopolstellung von Energieriesen geprägt. Die erfolgreiche Liberalisierung des Telekommunikationssektors war das Vorbild für den Energiemarkt. Nach der Öffnung kamen viele neue Energie-Akteure ins Spiel. Stromkunden haben seitdem die "Qual der Wahl". Die "Lebensdauer" einiger Energie-Versorger war allerdings nur von kurzer Dauer. Im bundesweiten Durchschnitt können Verbraucherinnen und Verbraucher heute in ihrem jeweiligen Liefergebiet zwischen rund 100 verschiedenen Anbietern wählen. Trotzdem schüren Insolvenzen die Skepsis der Kunden
Jüngstes Beispiel: Erst im Oktober 2026 musste der Ökostromanbieter Grüüün aus Rugendorf (Bayern) seine Stromlieferung einstellen, wie inFranken.de, Teil der Mediengruppe Medien-Digital Bayern, berichtete. Rund 200.000 Kunden müssen sich nun einen neuen Versorger suchen. Grüüün war 2024 gestartet und hatte mit langfristigen Preisgarantien bis zu 10 Jahren geworben. Nur Netzentgelte, Steuern und Gebühren hätten sich ändern können, versicherte das Unternehmen, das ein Ableger der Münch-Energie-Gruppe ist.
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