Neben Schmutz und Feuchtigkeit stellten die Forscher auch höhere Konzentrationen bestimmter Schadstoffe fest. Dazu gehörten Kadmium und Blei, zwei Metalle, die gesundheitlich problematisch sein können. Nach Angaben der Studienautoren können solche Verunreinigungen die Qualität des Recyclingmaterials beeinträchtigen. Werden die Stoffe vor der Herstellung neuer Produkte nicht ausreichend entfernt, können zudem gesundheitliche Risiken entstehen. Die Untersuchung belegt allerdings nicht, dass von jedem untersuchten Kunststoffprodukt unmittelbar eine konkrete Gesundheitsgefahr ausgeht.
Schadstoffe gelangen über andere Gegenstände in den Wertstoffstrom
Die Belastungen können unterschiedliche Ursachen haben. Nach Einschätzung des Forschungsteams stammen die Metalle möglicherweise aus Zusatzstoffen in Produkten, aus der Umwelt oder aus anderen Recyclingmaterialien. Auch Gegenstände, die keine Verpackungen sind, können in den Kunststoffstrom gelangen und dort unerwünschte Stoffe eintragen.
Die Forscher verweisen in diesem Zusammenhang auf mögliche Einträge aus Alltagsgegenständen. So könnten beispielsweise Schuhsohlen Blei aus älteren bleihaltigen Farben und aus Staub anreichern. Werden solche Gegenstände gemeinsam mit Verpackungen entsorgt und anschließend aussortiert, können ihre Bestandteile in den Recyclingstrom gelangen. Die Studie zeigt damit, dass nicht allein die Erkennung und Trennung verschiedener Kunststoffarten entscheidend ist, sondern auch die Frage, welche weiteren Materialien sich im Abfall befinden.
Die Verunreinigungen sind für die Wiederverwertung relevant, weil die Qualität von Recyclingkunststoff von mehreren Faktoren abhängt, wie auch der WWF schreibt. Neben der Art des Polymers spielen Feuchtigkeit, Schmutz und Rückstände eine Rolle. Höhere Belastungen können zusätzliche Waschschritte notwendig machen und sowohl mechanische als auch chemische Recyclingverfahren erschweren. Die Forscher warnen deshalb davor, die Leistungsfähigkeit eines Sammelsystems ausschließlich anhand der gewonnenen Kunststoffmenge zu beurteilen.
Weltweit wird bislang nur ein kleiner Teil recycelt
Die Ergebnisse stehen vor dem Hintergrund eines weiterhin großen globalen Kunststoffaufkommens. Nach den in der Studie angeführten Daten wurden 2024 weltweit mehr als 413,8 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Zugleich werden im globalen Durchschnitt nur etwa neun Prozent des Kunststoffs recycelt. Die Tagesschau meldet, dass Deutschland gut recycelt – doch es gehe besser. Zum ersten Mal sei es laut dem Umweltbundesamt (UBA) gelungen, mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen zu recyceln. Die Sammlung und Sortierung gelten als zentrale Hindernisse auf dem Weg zu einer stärkeren Kreislaufwirtschaft.
Deutschland, Belgien und die Niederlande verfügen über etablierte Systeme zur getrennten Sammlung von Verpackungsabfällen. In diesen Ländern liegen die Sammelquoten laut Studie bei mehr als 70 Prozent, die Recyclingquoten bei über 50 Prozent. Dennoch gelangen auch hier unerwünschte Materialien in die Wertstoffströme. Nach Angaben der Studienautoren machen solche Fehlwürfe in den getrennt gesammelten Verpackungsabfällen zwischen sieben und 30 Prozent aus.
Hinzu kommt, dass Sammel- und Recyclingquote nicht dasselbe bedeuten. Nicht jedes gesammelte Material lässt sich tatsächlich wiederverwerten. Verluste entstehen während der Sortierung und der weiteren Verarbeitung. Auch deshalb bleibt die richtige Entsorgung im Haushalt wichtig: Je weniger ungeeignete Materialien in den Wertstoffstrom gelangen, desto geringer ist das Risiko zusätzlicher Verschmutzungen. Eine technische Sortierung kann dabei helfen, Fehlwürfe zu reduzieren, sie kann die sorgfältige Trennung an der Quelle aber nicht vollständig ersetzen.
Nachsortierung kann helfen – sollte Mülltrennung aber ergänzen
Angesichts der begrenzten Recyclingmengen gewinnt die technische Nachsortierung von Restmüll an Bedeutung. Sie kann Kunststoffverpackungen zurückgewinnen, die andernfalls möglicherweise nicht recycelt würden. Die Studie zeigt jedoch, dass mit den zusätzlichen Mengen auch mehr Verunreinigungen in den Recyclingprozess gelangen können. Entscheidend ist daher, nicht nur die Ausbeute, sondern auch die Qualität des gewonnenen Materials zu berücksichtigen.
Die Forscher sprechen sich dafür aus, die Nachsortierung als Ergänzung zur getrennten Sammlung zu betrachten. Weitere Ansatzpunkte sind leistungsfähigere Recyclinganlagen, eine stärkere Verantwortung der Hersteller und Vorgaben für den Einsatz von Recyclingmaterial. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Mülltrennung in den Haushalten können dazu beitragen, die Menge ungeeigneter Materialien in den Wertstoffströmen zu verringern.
Die Ergebnisse beruhen auf Proben aus einer einzelnen industriellen Sortieranlage in den Niederlanden. Sie liefern einen direkten Vergleich der dort untersuchten Kunststoffströme, lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf sämtliche Anlagen und Sammelsysteme übertragen.
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