Wie Anleger den passenden ETF finden
Die Auswahl wirkt auf viele Einsteiger zunächst unübersichtlich. Tausende ETFs sind inzwischen am Markt verfügbar. Kianusch Casace vom Analysehaus justETF rät deshalb ebenfalls zu einfachen Lösungen. „Bei ETFs gilt nicht automatisch: Mehr ETFs = bessere Streuung“, erklärt er. „Die einfache Lösung ist für die meisten vielmehr ein einziger, weltweit diversifizierter Aktien-ETF“, sagt Casace.
Wichtige Kriterien seien vor allem eine breite Streuung, geringe laufende Kosten und ein möglichst verständlicher Index, erklärt Casace. Anleger sollten nachvollziehen können, worin der ETF überhaupt investiert. Weltweit bekannte Indizes wie MSCI World, FTSE All World oder auch der MSCI ACWI IMI gelten deshalb vielen Experten als vergleichsweise leicht verständliche Grundlage für Einsteiger.
Dabei steht der MSCI World für Industrieländer, der FTSE All-World für Industrie- und Schwellenländer und der MSCI ACWI IMI ergänzt zusätzlich kleinere Unternehmen (Small Caps) für eine besonders breite weltweite Streuung.
Auch die Größe eines Fonds spiele eine Rolle. Sehr kleine ETFs könnten langfristig eher wieder vom Markt verschwinden oder mit anderen Produkten zusammengelegt werden.
Warum viele Anleger mit einem Sparplan starten
Gerade Einsteiger entscheiden sich häufig für einen ETF-Sparplan statt für eine große Einmalanlage. Dabei wird automatisch jeden Monat ein fester Betrag investiert.
„Man muss nicht auf den perfekten Moment warten“, sagt Sulilatu. „Wichtiger ist, überhaupt anzufangen und langfristig dranzubleiben.“ Kleine regelmäßige Beträge seien dabei oft wichtiger als komplizierte Strategien.
Welche Fehler viele Anfänger machen
Nach Einschätzung vieler Experten entstehen die größten Probleme oft nicht durch einzelne ETFs, sondern durch unnötige Komplexität.
Casace warnt davor, zu viele Spezialprodukte oder Trendthemen zu kombinieren. Viele Anleger glaubten, möglichst viele ETFs bedeuteten automatisch bessere Diversifikation – tatsächlich entstünden dadurch häufig Überschneidungen und unnötige Komplexität. Casace formuliert es deshalb bewusst einfach: „Weniger ist mehr.“
Auch Stiftung Warentest empfiehlt gerade Einsteigern einfache Strukturen statt komplizierter ETF-Kombinationen. Entscheidend sei nicht die Anzahl der Produkte, sondern eine sinnvolle breite Streuung.
Warum passives Investieren oft langweilig sein darf
Nach dem Start werde vor allem eines wichtig: Geduld. Anleger müssten nicht ständig ihr Depot kontrollieren oder laufend neue ETFs kaufen.
„Passives Investieren mit ETFs ist oft langweilig — aber genau das soll es auch sein“, sagt Sulilatu. „Das ist nämlich der große Vorteil, der einen vor Fehlern schützt.“ Einmal im Jahr zu prüfen, ob Sparrate und persönliche Situation noch passen, reiche oft bereits aus.
So läuft ETF-Sparen heute praktisch ab
Mehrere Anbieter, die auf Anfrage dieser Redaktion geantwortet haben, beobachten seit Jahren eine stark steigende Nachfrage nach ETF-Sparplänen. Besonders gefragt seien einfache und langfristige Lösungen für den Vermögensaufbau.
Beim Neobroker Trade Republic dauert die Depoteröffnung nach Unternehmensangaben „in der Regel weniger als fünf Minuten“. Das Unternehmen beobachtet dabei „über alle Altersgruppen hinweg einen klaren Trend zum langfristigen Vermögensaufbau“. Besonders häufig genutzt würden ETF-Sparpläne, mit denen Kunden „bereits ab einem Euro regelmäßig und automatisiert anlegen können“.
Auch Scalable Capital spricht von einem deutlich vereinfachten Einstieg. „Ein Depot zu eröffnen und mit der Geldanlage zu beginnen, ist heute dank vollständig digitalisierter und transparenter Eröffnungsprozesse so einfach wie nie zuvor“, erklärt das Unternehmen. Mit „Millionen aktiven Sparplänen“ nutze inzwischen „jeder zweite Kunde diesen Weg zum Vermögensaufbau“.
Die Consorsbank beobachtet ebenfalls, dass gerade jüngere Anleger häufig zunächst mit ETF-Sparplänen starten. Neueinsteiger sollten „erstmal kleiner anfangen – zum Beispiel mit einem regelmäßigen Sparplan“, heißt es von der Direktbank. „Das nimmt einem auch die Entscheidung, wann der richtige Zeitpunkt für ein Investment ist.“
Anbieter verzichten teils auf Ordergebühren
Viele Anbieter verzichten inzwischen auf klassische Ordergebühren bei Sparplänen oder bieten bestimmte ETFs kostenlos an. Gleichzeitig unterscheiden sich die Modelle etwa bei Depotgebühren, Handelskosten oder der Auswahl der verfügbaren ETFs teilweise deutlich. Gerade langfristig können auch kleinere Kostenunterschiede einen spürbaren Einfluss auf die Rendite haben.
Klassische Banken und Sparkassen sehen ihre Stärke dagegen häufig stärker in der persönlichen Beratung. Gerade Fragen zu Risiko, Anlagehorizont oder langfristiger Finanzplanung spielten für viele Kunden weiterhin eine wichtige Rolle.
Auch steuerliche Fragen sollten Einsteiger frühzeitig beachten. Wer Kapitalerträge erzielt, kann bei Banken und Brokern einen sogenannten Freistellungsauftrag einrichten. Dadurch bleiben Kapitalerträge bis zum gesetzlichen Sparerpauschbetrag steuerfrei.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Er ersetzt keine individuelle Beratung unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Vermögensverhältnisse, Anlageziele und Risikotoleranz.
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