Deutschland
Spiele-Rezension

Spiele-Test "Road Trip Europa": Auf Europareise mit Taktikfüchsen

Länder besuchen, die lokale Küche kennenlernen, Kulturhighlights und spektakuläre Natur zu entdecken, so sollte ein „Road Trip durch Europa“ ablaufen. Ob das kleine Spiel die Wünsche erfüllen kann, die sein Name weckt? Wir haben die Karten verteilt und uns auf die Reise begeben
Spiele-Test "Road Trip Europa": Rezension des Draft-and-write-Spiels
Bei Road Trip Europa geht es auf eine Reise durch Europa - also durch die Länder, die auf den sieben Karten der jeweiligen Partie abgebildet sind. Foto: Stefan Lutter/inFranken.de
+7 Bilder
  • „Road Trip Europa“: Rezension des Draft-and-write-Spiels
  • So spielt sich die Reise durch Europa
  • Infos, Bewertung und Fazit

Ein Wertungsblock, der auf der linken Seite Europa zeigt und auf dessen rechter Seite die Punkte einzutragen sind. 28 Karten, von denen jede ein Land in Europa darstellt. Dazu noch vier Bleistifte. Das ist der auf den ersten Blick magere Inhalt der Box von "Road Trip Europa". Doch keine Angst, mit dem Material von „Road Trip Europa“ kommt ein kurzweiliges Spiel auf den Tisch, bei dem auch Taktiker auf ihre Kosten kommen. 

So spielt sich „Road Trip Europa“

Zu Beginn jeder Runde bekommen alle Spieler sieben Karten. Hiervon dürfen sie sich eine aussuchen und vor sich ablegen. Die restlichen Karten geben sie an den nächsten Spieler weiter, welcher sich ebenfalls eine aussucht und ablegt ("draften"). Die Karten gehen so lange reihum, bis jede*r Spieler*in sieben Karten vor sich liegen hat. Nur die erste Karte ist verdeckt, die anderen liegen offen auf dem Tisch. Nun beginnt die Reise durch Europa, also durch die Länder, die auf den sieben Karten abgebildet sind. 

Road Trip Europa: Das Kartenspiel bei Amazon ansehen

Punkte gibt es bei „Road Trip Europa“ für

  1. besuchte Länder,
  2. vollständig besuchte Regionen,
  3. Kultur und Natur,
  4. lokale Küche,
  5. Verkehrsmittel,
  6. zurückgelegte Strecke,
  7. Vielfalt an besuchten Regionen.

Besser kein Bleistift

Man markiert mit dem beiliegenden Bleistift auf der Landkarte des Wertungsblocks seine Ergebnisse. Wer hat, sollte jedoch einen auffälligeren Stift verwenden, da die Bleistiftstriche oft schwer lesbar sind.
Die verdeckt liegende erste Karte kann bei der Endwertung ziemlich überraschend für die Mitspielenden sein und die erwarteten Punkte ganz schön durcheinander wirbeln. Der Genuss der lokalen Küche und die verwendeten Verkehrsmittel bringen Erfahrungspunkte. Man sammelt beide mit den Reisekarten, die Verkehrsmittel zählen nur im Doppel. Für die Punkte aus der Kategorie Kultur benötigt man die Mitspielenden. Dazu benötigt man ein entsprechendes Symbol auf den eigenen Karten und noch viel mehr Symbole auf anderen Karten der Teilnehmenden. 

Anschließend zählt jeder Mitspielende seine in dieser Runde erreichten Punkte für die oben genannten Kategorien und trägt sie in seinem Wertungsblatt ein. Insgesamt werden vier Runden gespielt. Danach wird zusammengezählt, gewonnen hat der Spieler, welcher in der Summer aller Kategorien die höchste Punktzahl erreicht.

Das Spiel hat mehr Tiefgang als das wenig umfangreiche Material vermuten lässt, durch die sieben Kategorien gibt es sehr viele Einzelheiten/Optionen auf die man achten muss. Um eine höchst mögliche Anzahl an Punkten zu erreichen, bedarf es schon anfangs bei der Auswahl der Karten alle Kategorien gleichzeitig zu bedenken. Zugleich müssen die Spielpläne der Gegner*innen im Auge zu behalten, um diesen Karten wegzuschnappen, welche sie möglicherweise dringend zur Erreichung einer Kategorie bräuchten. Dies macht das Spiel immer wieder spannend -  auch für es nicht über einen ganzen Abend trägt.

Taktisch geprägte Europareise

Dazu ist es gut, sich zu merken, welche Karten man durch das Draften bereits gesehen hat, da diese in dieser Runde potenziell für das eigene Deck zur Verfügung stehen könnten. Um eine wirklich gewinnorientierte Taktik zu verfolgen, bedarf es anfangs enorm viel Anstrengung und Gehirnkapazität. Mit etwas Routine wird es einfacher, den Überblick zu behalten – beim ersten Spielen wird der/die nicht geübte Spieler*in jedoch durch die Einzelheiten erschlagen. Da so viele Kategorien zu beachten sind, sollten die Mitspielenden mindestens zehn Jahre alt sein. Für die vom Verlag angegebenen acht Jahre ist einfach zu viel Taktik notwendig, um erfolgreich zu sein.

Bei „Road Trip Europa“ benötigt man keinerlei Geografie-Kenntnisse, kann jedoch einiges über die Länder erfahren, wenn man genug Muße hat. Die Karten sind schön illustriert, und auf jeder ist eine Sehenswürdigkeit des jeweiligen Landes abgebildet. Oft ist man aber so sehr mit Spieltaktiken beschäftigt, dass man nicht wirklich darauf achtet, welches Land man gerade auf der Hand hat. Vielmehr blickt man meist nur auf den willkürlich gewählten Buchstaben, mit welchem es abgekürzt ist.

Das Draft-and-Write-Spiel „Road Trip Europa“ ist unserer Meinung nach einerseits geeignet für Hardcore-Taktiker, die durch gewitzte Spielzüge den letzten Punkt herauskitzeln wollen. Anderseits ist es ebenso kurzweilig für Spielende, die nur aus reinem Spaß die Länder Europas entdecken und sich währenddessen wenig Gedanken über die Endwertung machen.  Die Punkteabrechnung ist auf den Wertungskarten übersichtlich dargestellt. Die kleine Schachtel ist gut geeignet zum Mitnehmen: Alles Nötige ist enthalten und kein großer Spielaufbau notwendig. 

  • Infos zu „Road Trip Europa“ im Überblick: 
    • Spieleranzahl: 2 bis 4 
    • Altersempfehlung: ab 10 (Verlagsangabe ab 8)
    • Dauer: 30 Minuten
    • Verlag: Game Factory
    • Autor: Scott Almes
  • Pro: 
    • Karten schön illustriert 
    • Punktezählung ist auf den Wertungskarten gut dargestellt
    • hohe Interaktivität zwischen den Spielern
    • gut geeignet zum Mitnehmen
  • Contra:
    • Viele Wertungsmöglichkeiten machen bremsen den Einstieg
    • Bleistifte nicht ideal für Markierungen
    • Auf längere Sicht eintönig
  • Redaktionswertung: 7 von 10 Punkten

Fazit: „Road Trip Europa“ kommt mit wenig Material daher, ist jedoch ein überraschend interessantes Spiel, das sich auch mit zwei Personen gut spielt. Spannender ist es jedoch mit drei bis vier Mitspielenden, die gerne etwas taktisch unterwegs sind.

Angebot ausverkauft? Jetzt bei idealo.de den besten Preis für Gesellschaftsspiele finden

Mehr zum Thema:

Transparenzhinweis: Für das Testen des Spiels hat uns der Verlag ein Rezensionsexemplar ohne weitere Auflagen zur Verfügung gestellt.

 Artikel enthält Affiliate Links