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Spiele-Rezension

Spiele-Test "Half-Pint Heroes": Poker-Prügelei im Pub - aber mit Ansage

Was kommt dabei heraus, wenn man die Abläufe von Stichansagespielen und Poker mixt und das Ganze mit einem Kneipen-Setting überzieht? Ihr ahnt es: „Half-Pint Heroes“. Ob das Kartenspiel mit der witzigen Aggro-Grafik die coolere Alternative zu Skat und Schafkopf sein kann, erfahrt ihr in unserem Test.
Spiele-Test Half-Pint Heroes: „Half-Pint Heroes“: Rezension des Kneipen-Kartenspiels
Half-Pint Heroes von Corax Games ist eine originelle Mischung aus Poker und Stichansagespielen. Foto: Stefan Lutter/inFranken.de
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  • „Half-Pint Heroes“: Rezension des Kneipen-Kartenspiels 
  • So spielt sich der Wizard-Poker-Hybrid mit der coolen Cartoongrafik
  • Infos, Bewertung und Fazit
  • Die Trinkspielregeln

Wer gerne mit Hooligans und Schlägertypen Karten spielt, ist bei „Half-Pint Heroes“ an der richtigen Adresse. Das ist selbstredend nur im übertragenen Sinne gemeint. Aber die Buben und Damen in diesem Kartenspiel sehen schon als ganzes Stück aggressiver aus als bei Skat. Und je nach Spielverlauf kann es in der Kneipe zu Keilereien und sogar zur Schießerei kommen. Wir haben getestet, wie gefährlich das Pub-Kartenspiel ist.

Wie spielt sich „Half-Pint Heroes“?

Erst einmal handelt es sich bei „Half-Pint Heroes“ um ein simples Stichansagespiel mit Pokerelementen. Konkret heißt das, dass die Karten der Auslage beim Stich dazu zählen. Was es zwar prinzipiell leichter macht, Stiche zu machen – das ist hier durchaus mit einzelnen Handkarten möglich, die man eigentlich als nutzlos eingestuft hat. Dafür ist es wesentlich schwieriger als bei anderen Stichspielen wie Wizard, sein Blatt richtig einzuschätzen – und vorherzusagen. 

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Denn zunächst müssen alle Spielenden gleichzeitig eine Ansage über die Stiche, die sie in dieser Runde machen werden, abgegeben. Dafür hat jede/r vier kleine Ansagekarten mit den Werten 0 bis 3 zur Auswahl. Dann wird reihum mindestens eine Karte ausgespielt. Ziel ist es dabei, zusammen mit den Auslagekarten möglichst hohe Pokerkombinationen zu bilden. Am schlechtesten ist eine Einzelkarte, die von einem Zwilling geschlagen wird, diesen wiederum übertreffen zwei Paare. So gibt es insgesamt elf Abstufungen bis hoch zum Royal Flush. 

Wichtig zu wissen: Es gibt Karten in fünf Spielfarben und mit Werten von 1 bis 13 (aber keine Joker oder Trümpfe). Gespielt wird über zehn Runden, wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt (außer, es kommt zu außergewöhnlichen Ereignissen, wie unter Besonderheiten beschrieben).

Besonderheiten machen den Unterschied 

Damit das Kneipen-Kartenspiel sich nicht doch zu sehr wie der kleine Bruder von Pokern spielt, haben sich die Macher einige originelle Besonderheiten ausgedacht: 

  • Variable Kartenzahl: Die Zahl der Handkarten und der Auslagekarten sind bei „Half-Pint Heroes“ in jeder Runde anders. Eine Karte wird neben dem Nachziehstapel aufgedeckt. Die Symbole in den unteren beiden Ecken geben vor, wie groß die offene Auslage sein wird und wie viele Karten jeder Spieler auf die Hand nimmt. 
  • Die Gegnerwette: Nach der eigenen Ansage platziert jede/r Spieler*in einen Wettchip bei einem/r Kontrahent*in. Damit wettet man darauf, dass diese/r Gegner/in seine Ansage in dieser Runde nicht erfüllen wird. Tritt das auch ein, gibt es Bonuspunkte für den Setzenden des Wettchips. 
  • Keilerei: Gelingt es jemandem, direkt hintereinander drei Stiche zu machen, kommt es zur Keilerei und die Runde endet sofort. Dieser Spielende hat diese Runde sofort gewonnen.
  • Schießerei: Siegt jemand sechs Runden in Folge (auch durch Keilerei), kommt es zur Schießerei. Er/sie gewinnt sofort das ganze Spiel, ohne dass Punkte ausgezählt werden.

Nicht speziell, aber wichtig für das Verständnis. Es gibt keinen Bedienzwang bei „Half-Pint Heroes“ und keine Minuspunkte für falsche Ansagen. 

Gelungene Cartoongrafik

Wenn bei Spielen eigene Blöcke für die Wertung beiliegen, deutet das meist auf ein nicht ganz so einfaches Verfahren hin. Das ist bei „Half-Pint Heroes“ nicht anders. Vereinfacht gesagt gibt es Punkte für jeden gewonnenen Stich, für erfüllte Ansagen, für eine erfolgreiche Gegnerwette und Keilereien. 

Auf der Habenseite des Spiels steht vor allem das sensationell gestaltete Spielmaterial. Erwähnt werden müssen die Wettchips in schwerer Pokerqualität, aber auch Stichschätzkarten, die für jeden Spieler eine andere Fantasie-Biermarke wie Ursus Ale, Lovecraft Lager oder Corax Dark (hier hat sich der Verlag verewigt) bereithält. Die wahren Stars sind aber die Spielkarten mit den „Half-Pint Heroes“: Jede Karte hat ein anderes Cartoon-Motiv und hält Easter Eggs bereit. Wer genau hinschaut, entdeckt Fußballvereine, bekannte Brettspiele („Die Schläger von Catan“) oder Musikstars zwischen Hools und Kneipenschlägern. Auch die Rückseiten sind mit (aufgedrucktem) Flaschenabdruck und Kuli-Bierstrichen schön kneipenauthentisch. Illustrator Maura Kalusky hat sich hier so richtig austoben können. Da ist es fast schon schade, dass man während des Spiels kaum Gelegenheit hat, die Karten genauer zu betrachten. Ebenfalls top: Für jeden Spielenden liegt eine Übersichtskarte mit der Rangfolge der Pokerkombinationen bei.

Einziger kleiner Karten-Makel: In unseren Runden kam es öfters zur Verwirrung hinsichtlich der beiden Symbole für die Anzahl der Auslage- bzw. Handkarten. Die Markierungen hätten für unseren Geschmack noch ein wenig unterscheidbarer ausfällen können. 

Ungewohntes Prinzip - und anspruchsvoller als andere Ansagespiele 

Doch bei aller Begeisterung für die Optik: Über allem steht die Spielbarkeit – und mit der hatten wir zu Beginn von „Half-Pint Heroes“ so unsere Probleme. Und das, obwohl wir sowohl Poker-affine als auch Stichspiel-gestählte Tester hatten. Wer mit der Poker-Rangordnung vertraut ist, hatte mit der immer unterschiedlichen Auslage und Handkartenzahl zu kämpfen. Wizard-Fans waren zumeist damit beschäftigt Full House und Straßen auseinanderzuhalten und taten sich schwer dabei, die eigene Kartenhand richtig einzuschätzen.

Bei uns dauerte es länger als gewohnt, bis unsere komplette Runde das Spielprinzip erfasst hatte. Läuft „Half-Pint Heroes“ dann flüssig, macht es immer mehr Spaß, sich Stichtaktiken auszudenken. Oder zu begreifen, wann es richtig ist, sich auf einzelne Stiche oder die Erfüllung der Ansage zu konzentrieren.

Während sich die Kneipenduelle für die meisten von uns so zum spaßigen Kartenspiel für Zocker entwickelte, gab es aber auch Testende, die auch nach längerer Zeit nicht viel mit dem Ablauf anfangen konnten. Für sie spielt sich „Half-Pint Heroes“ im Widerspruch zur Thematik einfach zu denklastig und nicht locker genug. Und auch objektiv gesehen ist „Half-Pint“ schon etwas anspruchsvoller als Wizard und Konsorten.    

Infos und Fazit

Hinzu kommt, dass eine Partie schon einmal ein Stündchen dauern kann. Andererseits hat das Spiel in der richtigen Runde auch das Potenzial zur abendfüllenden Skat-Alternative. Die von Verlag angegebenen 30 Minuten sind jedenfalls eher als Minimum zu sehen und hängen stark von der Zahl der Spielenden ab. Apropos: Zu zweit gelten Sonderregeln, die zwar brauchbar sind. Am besten sich „Half-Pint Heroes“ aber definitiv zu viert oder fünft. Spielen noch mehr Personen mit, wird es unübersichtlicher. Entsprechend schwierig – und fast schon beliebig – werden dann die Vorhersagen.

Mit „Half-Pint Heroes: Happy Hour“* hat Corax Games übrigens auch schon eine Erweiterung veröffentlicht. Hier bekommt ihr einen Satz ablösbarer Aufkleber, die man auf die Karten kleben und diese für die komplette Spieldauer verändern kann.

  • Infos zu „Half-Pint Heroes“ im Überblick:
    • Spieleranzahl: 2 bis 7 Spieler 
    • Altersempfehlung: ab 9
    • Dauer: 30 Minuten
    • Verlag: Corax Games
    • Autoren: Roland Goslar, Johannes Goslar, Søren Schaffstein
  • Pro: 
    • Grandiose Grafik
    • Tolles Spielmaterial
    • Taugt für abendfüllendes Zocken
    • Originelle Poker-/Wizard-Mischung
  • Contra:
    • Braucht Eingewöhnungszeit
    • Schwieriger als gewöhnliche Stichspiele
    • Voller Spielreiz nur zu viert oder fünft
  • Redaktionswertung: 8 von 10 Punkten

Fazit: Auch wenn der Einstieg etwas mühsam sein kann - in der richtigen Runde ist der Poker-Stichansagespiel-Hybrid ein echter Knaller. Und: Wir lieben die Optik so sehr, dass wir für sie einen Extrapunkt vergeben.

Die Trinkspielregeln

Ebenso augenzwinkernd wie die Thematik von "Half-Pint Heroes" sollten die Trinkspielspielregeln verstanden werden, die Corax Games auf seiner Homepage (hier geht es zum PDF) veröffentlicht hat.

In der Beschreibung heißt es: "Half-Pint Heroes ist ein Kneipenspiel, deswegen gibt es natürlich auch Trinkspielregeln, die, je nach Trinkfestigkeit, auch ergänzt oder angepasst werden können." Im Detail gelten dann folgenden Regeln - die von oben nach unten immer härter werden und deshalb nicht für jedermann empfehlenswert sind: 

  • Bei Keilerei trinken alle.
  • Wenn alle Spielenden ihre Ansage erfüllen, trinken alle.
  • Erfüllt kein einziger Spielender die Ansage, trinken alle.
  • Wenn ein/e Spieler*in seine/ihre Ansage nicht erfüllt und ein/e Gegner*in hat gegen ihn/sie gewettet, trinkt der/die ansagende Spieler*in.
  • Sobald ein Spielender dreimal nacheinander die Ansage nicht erfüllt, trinkt er/sie.
  • Schafft es ein Spielender mindestens zum dritten Mal hintereinander (oder jedes zusammenhängende Mal später) die Ansage erfüllen, trinken alle anderen.
  • Immer wenn ein Peron seine Gegnerwette nicht gewinnt, trinkt sie.
  • Treten mehrere Fälle gleichzeitig beim selben Spielenden in derselben Runde auf, muss er trotzdem nur einmal trinken.
    • Davon ausgenommen ist die folgende Situation: Wenn die Gesamtsumme aller angesagten Stiche der Anzahl der Karten auf der Hand entspricht, trinken alle.
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Transparenzhinweis: Für das Testen des Spiels hat uns der Verlag ein Rezensionsexemplar ohne weitere Auflagen zur Verfügung gestellt.

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