Ein ehemaliger Bischof im Bistum Würzburg gibt seinen Ehrentitel zurück, nachdem Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen einen Priester bekannt wurden. Die Aufarbeitung der Ereignisse und das Verhalten der Kirchenleitung stehen im Mittelpunkt.
Im Zuge der Aufarbeitung von Vorwürfen sexualisierter Gewalt gegen einen verstorbenen Priester im Bistum Würzburg hat der emeritierte Bischof Friedhelm Hofmann Konsequenzen gezogen. "Ich gebe den Titel des Ehrendomherrn an der Kathedrale von Würzburg zurück", sagte Hofmann nach Angaben des Bischöflichen Ordinariats.
Der amtierende Bischof Franz Jung sagte, nun stehe noch die Einschätzung des römischen Dikasteriums für die Bischöfe zum Vorgehen Hofmanns in den Jahren zwischen 2010 und 2017 an. Der Fall drehte sich um einen Pfarrer der unterfränkischen Gemeinde Höchberg im Landkreis Würzburg, der dort nach Angaben des Ordinariats seit 1982 Pfarrer war und 2010 dann die neu gegründete Pfarreiengemeinschaft Mariä Geburt und Sankt Norbert - Höchberg übernahm. Der Mann war bereits ab 1982 als Pfarrer tätig gewesen, 2010 übernahm er die neu gegründete Pfarreiengemeinschaft.
"Nicht korrekt gelaufen"
Bis 2011 war er zudem als Dekan tätig. Dem Ordinariat zufolge hatte die Bistumsleitung spätestens seit 2010 von zwei Betroffenen sexuellen Missbrauchs gewusst, die Pfarrgemeinde aber nicht informiert. Jung sagte, dass mehrere Dinge infolge der Meldung nicht korrekt abgelaufen seien. Es habe unter anderem keine kirchliche Voruntersuchung gegeben und keine schriftliche und somit nachweisbare Meldung nach Rom.
Man habe den Geistlichen auch nicht aus dem Dienst und dem Pfarrhaus entfernt und die Gemeinde sei nicht informiert worden. Nach dem Tod des Priesters war laut Ordinariat eine strafrechtliche Prüfung nicht mehr möglich. 2022 habe das Bistum den Fall der Staatsanwaltschaft zur Überprüfung auf strafbares Fehlverhalten von Verantwortungsträgern übermittelt.
Da kein ausreichender Anfangsverdacht festgestellt wurde, habe die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren aber eingestellt. "Ich erkenne an, dass mein Handeln im Jahr 2010 in Bezug auf Ihren damaligen Pfarrer falsch war", sagte Hofmann dazu in einem Schreiben, das in den Gottesdiensten an diesem Wochenende in Höchberg vorgelesen wurde.
Emeritierter Bischof bittet um Entschuldigung
"Dafür bitte ich aufrichtig um Entschuldigung. Ich stelle nochmal fest, dass ich für mein Fehlverhalten die persönliche Verantwortung übernehme." In der nun abgeschlossenen ersten Phase der Aufarbeitung ging es laut Jung darum, das Handeln der damaligen Diözesanleitung ab 2010 zu rekonstruieren.
Nun sei es wichtig, dass die Gemeinde gut in Phase zwei eintrete, in der es um die Bearbeitung von Emotionen gehe. Der Pfarrgemeinderat in Höchberg will sich nach Angaben des Ordinariats am 18. März mit der Stellungnahme Hofmanns beschäftigen und den Einstieg in die zweite Phase der Aufarbeitung vorbereiten.