Das ganze Schlamassel hat Joachim Herrmann am eigenen Leib erfahren. "Ich bin jahrelang auf Messen herum gestanden. Irgendwann habe ich dicke Füße bekommen und in keine Schuhe mehr reingepasst", erzählt der pensionierte Entwickler von Büromaschinen. Die Ärzte empfahlen Stützstrümpfe gegen Thrombose. "Diese Dinger sind eine einzige Katastrophe. Man schwitzt die ganze Zeit wie in der Sauna und überall krabbelt und kribbelt es auf der Haut", erinnert sich Herrmann an das verhasste medizinische Kleidungsstück zurück.

Gegen die täglichen Qualen wollte der rüstige Rentner etwas tun. "Ich habe mich mit Ärzten unterhalten und nachgeforscht, was man machen kann." Schließlich hatte er die zündende Idee: "Jeweils ein Luftpolster für die Ferse und den Innenknöchel. Bei jedem Schritt auf das Fersenpolster wird das Innenknöchelpolster mit Luft gefüllt." Mit dieser Konstruktion könne das Blut wieder wesentlich besser vom Fuß in das Herz transportiert werden. Diese Aufgabe hat normalerweise die Wadenmuskulatur. Die sogenannte Wadenmuskelpumpe transportiert das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurück.

Die neuartige Socke von Joachim Herrmann übernimmt diese Aufgabe beim Gehen, Sitzen und Stehen. Wie beim Stützstrumpf - nur besser und angenehmer, verspricht er.

Nach der Idee müssen Erfinder die nächste Phase überstehen: die technische Umsetzung. Auch diese Klippe umschiffte er gekonnt. "Ein neues Produkt können Sie heute nicht mehr allein auf den Markt bringen." Bei der Frage der Partnerwahl entschied sich Herrmann offenbar wiederum weise. "Ich habe als Gesellschafter einen Medizinprofessor und einen Fabrikanten ins Boot geholt." Damit schaffte er gleich zwei dicke Kühe vom Eis: Bei der Produktion konnte der Fabrikant helfen. Für die medizinische Qualität und Glaubwürdigkeit der neuen Socke bürgte der Professor mit seinem guten Namen. "Mittlerweile habe ich auch einen Vertriebsprofi für Großkunden im Team."

Drei Jahre von Idee zum Patent
Freilich konnte Herrmann das alles nicht über Nacht leisten. Von der zündenden Idee bis zur Urkunde vom Patentamt gingen drei Jahre ins Land. In dieser Zeit können schlimme Fehler passieren.

"Es gibt so viele Erfindungen, die zwar wunderbar sind, aber es am Ende trotzdem nicht auf den Markt schaffen." Im vergangenen Sommer bereitete Herrmann die Serienproduktion vor. "Sie können nicht nur ein paar Socken produzieren. Das muss von Anfang an in großer Serie geschehen", sagt Herrmann und präsentiert stolz eine Aktivsocke. 5000 Paare habe seine Firma Tecnost Invest aus Nürnberg mittlerweile produziert. Die Werbung läuft auf Hochtouren.

Die Entwicklung geht weiter
Auch wenn er schon viel geleistet hat - in die Hängematte kann und will sich Herrmann noch nicht legen. "Ausruhen kann ich mich später. Jetzt gibt es mehr zu tun denn je", sagt er und strahlt. Die Entwicklung dürfe nicht stehen bleiben. Die Grundidee wolle er in andere Produkte übertragen. Eine Sandalette für den Sommer kommt im Frühjahr heraus.

Auch eine besonders schöne Socke für die modebewusste Dame will Herrmann auf den Markt bringen. "Frauen wollen schließlich nicht ausgelacht werden, nur weil sie Stützstrümpfe tragen müssen." Nebenbei muss er seine Erfindung in der ganzen Republik bekannt machen.

Den Fachhandel konnte Herrmann schon überzeugen. In Apotheken könne man seine Socke schon kaufen. Auch im Internet ist der 75-Jährige aktiv. "Das haben wir zum Glück an Profis abgeben können. Alles kann ich auch schließlich nicht mehr selber machen", sagt Herrmann und eilt in großen Schritten mit seiner "Weltneuheit" davon.



Startup-Unternehmen aus Erlangen verkauft innovative Gesundheitsprodukte

Ein Startup-Unternehmen aus Erlangen fördert und verkauft innovative Gesundheitsprodukte über das Internet. Im Interview erklären die beiden Geschäftsführer von "health.On Ventures", Daniel Grätz (36) und Hannes Wakonig (38), wie ihre Geschäftsidee in der Praxis funktioniert und warum die Hugenottenstadt im Herzen des Medical Valley dafür genau der richtige Ort ist.

Medizinprodukte und Internet: Wie wollen Sie das Netz gesünder machen?
Grätz: Wir verkaufen nicht nur Produkte, wir wollen auch mit Informationen rund um unsere Medizinprodukte für Vertrauen bei unseren Kunden werben. WAKONIG: Je genauer der Kunde das Produkt kennt, desto besser kann das Produkt dem Kunden am Ende auch helfen. Außerdem bieten wir nur ausgewählte Produkte an, die uns wirklich überzeugen und mit denen wir auch unsere Kunden überzeugen können.

Sie haben eine Online-Plattform für High-Tech-Stützstrümpfe aufgebaut: Shoppen im Internet mittlerweile auch immer mehr Omas und Opas?
Grätz: Wenn ich mir unsere Kundenstruktur anschaue: Ein ganz klares Ja. Es kaufen im Internet aber auch die Kinder und Enkelkinder gezielt für Oma und Opa ein. Die älteren User werden aber auch immer internetaffiner. Wakonig: Außerdem sind Großeltern heute anders als Omas und Opas vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Senioren von heute sind in jeder Hinsicht jung und kennen sich auch im Internet aus. Sie haben nur noch nicht das gleiche Vertrauen ins Netz wie die junge Generation. Beispielsweise sind sie nicht so schnell dazu bereit, im Internet auch ein Produkt zu kaufen. Aber dafür interessieren sich unsere älteren Kunden wirklich für die Inhalte und die bereitgestellten Informationen. Ich denke in Zukunft, wird Online-Payment auch für Senioren immer interessanter.

Mit ihrem Unternehmen wollen Sie neue Innovationen im Gesundheitsbereich schneller auf den Markt bringen? Wie wollen Sie das bewerkstelligen und wo finden Sie die neuesten Produkte?
Grätz: Wir profitieren hier in Erlangen stark vom Medical-Valley-Cluster. Bestes Beispiel ist unsere Aktivsocke: Hier ist der Kontakt über unser enges Netzwerk in Erlangen zustande gekommen. Hier trifft man einfach die Gründerszene in der Medizinbranche.

Internet und Gewinn: Können Sie mit ihrer Idee eigentlich schon Geld verdienen?
Grätz: Ja, man kann in der Branche durchaus Geld verdienen. Das Schöne ist, dass sie auch sinnstiftend ist, weil wir mit unseren Produkten die gesundheitlichen Probleme unserer Kunden lösen können.

In und um Erlangen reden alle vom Medical-Valley: Inwieweit tragen Sie mit ihrem Unternehmen zum Gelingen dieser Vision bei?
Wakonig: Der Clou beim Medical-Valley ist, dass ganz viele kleine Unternehmen dabei sind, neue Produkte zu entwickeln. Die Stärke unseres Unternehmens liegt darin, dass wir für diese Produkte den Vertrieb übernehmen können. Und der derzeit interessanteste Vertriebskanal auch für neue Produkte in der Medizinbranche ist nun mal E-Commerce und das Internet.
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