Schon wieder ist eine gelandet. Pünktlich um 9.50 Uhr setzt die Maschine aus Düsseldorf auf dem Rollfeld auf. Keine 15 Minuten später wimmelt es am Flughafen wie im Taubenschlag. Menschen aus allen Ecken der Welt marschieren durch den Ausgang und ziehen noch leicht verschlafen ihre Rollkoffer hinter sich her. Mit einem besonders bunten Reisegepäck ist Marcello Leal im nebligen Nürnberg angekommen. "Ich komme seit 17 Jahren nach Nürnberg zur Toyfair", erzählt der Mann aus Miami und blickt sich in der Empfangshalle fragend um. "Ich warte auf meinen Geschäftspartner, der mich abholen will", sagt Mr. Leal und zückt sein Telefon. Der moderne Begleiter muss nicht langen nach einem geeigneten Netz suchen. Seit dem Jahreswechsel kann man 30 Minuten am Airport umsonst surfen.

Der Mann aus Miami freut sich auf die Messe. Hier komme die Spielzeugwelt zusammen. Händler und Produzenten treffen sich im Stakkato-Takt. "Crazy" sei der Meeting-Marathon. Und ziemlich anstrengend, erzählt der Geschäftsmann aus Florida, der mit Spielzeug-Autos sein Geld verdient. Krisensicher sei das "Business", meint er. Wenn es um die Wünsche der Kleinsten geht, sitzt der Geldbeutel bei den Eltern eben locker.

Hotellerie verzeichnet Umsatzplus von 20 Prozent
Ein paar Schritte weiter haben die Damen von der Autovermietung alle Hände voll zu tun. "Die Kunden sind sehr bunt. Es gibt viel zu gucken, wenn Spielwarenmesse ist", erzählt eine Mitarbeiterin von Sixt. Schnelle Autos wollten die meisten nicht mieten. Nur ein Navi, das sei Pflicht. "Sonst finden die Leute aus aller Welt ihr Hotel nicht." Wer Geld sparen wolle, sollte möglichst früh buchen. Das gilt freilich nicht nur für Mietwagen, sondern auch für Übernachtungsmöglichkeiten. Das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. Allein die Hotellerie verzeichnet während der Messetage ein Umsatzplus von rund 20 Prozent.

Wer Geld sparen will, kann auch mit der U-Bahn in zehn Minuten vom Flughafen in die Stadt fahren. Ein Geschäftsmann aus London steuert direkt auf Nicole Wirt zu. "How can I help you?", fragt die Mitarbeiterin der Messe Nürnberg freundlich und verkauft dem Mann schnell ein Ticket für die Metro. Kostenpunkt: 2,50 Euro.
Die meisten Gäste mögen es bequemer. Am Taxistand rollt der Rubel. Die Fahrer legen sich freilich auch mächtig ins Zeug. "This way Mister, please", sagt ein Chauffeur und begleitet seine kanadischen Gäste zum Wagen. Nicht nur Koffer werden um die Wette geschleppt. Auch gestrahlt und gelächelt wird auf Teufel komm raus. Messezeit ist Trinkgeldzeit. Was den Münchnern ihr Bierfest ist den Nürnbergern ihr Branchentreffen der Spielzeug-Industrie. Bis zu 150 Millionen Euro fließen während der Messe als Kaufkraft in die Metropolregion, schätzt Michael Fraas, der Nürnberger Wirtschaftsreferent.

Um teure Hotelpreise und Taxikosten muss sich Marcello Leal keine Sorgen machen. "Ich wohne seit Jahren in der gleichen kleinen Pension", sagt der Mann aus Miami und kramt in einem seiner bunten Koffer. "Das ist eine absolute Neuheit", sagt Leal und präsentiert stolz einen roten Rennwagen im Kinderzimmer-Format. "Den schenke ich gleich meinem Kompagnon zur Begrüßung", sagt Leal während besagter Geschäftspartner just in diesem Moment mit dem Handy am Ohr um die Ecke biegt. "Ich bin in Halle 7", sagt er zum Abschied und verschwindet mit seinen Koffern voller Kinderträume.



Info-Box: Wirtschaftsfaktor Spielwarenmesse
Die Spielwarenmesse ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nürnberg. Sie sorgt für Umsatz und Einkommen in vielen Dienstleistungsbranchen. Hotellerie, Gastronomie und Handel verzeichnen während der Messetage ein Umsatzplus von 20 Prozent. Insgesamt löst die Spielwarenmesse in der Metropolregion Nürnberg einen Kaufkraftzufluss von 100 bis 150 Millionen Euro aus. Die 65. Spielwarenmesse vom 29. Januar bis 3. Februar 2014 ist mit mehr als 2700 Ausstellerunternehmen und über 72.000 Fachbesuchern die Welt-Leitmesse für die Spielwarenbranche und ein bedeutender Wachstumsmotor für den Messeplatz Nürnberg.