Dem Abenteurer-Pärchen Tanja (44) und Denis (54) Katzer ist kein Weg zu weit und kein Kontinent zu gefährlich. Im November erzählt das ungewöhnliche Paar aus Nürnberg live im Admiralkino von ihren außergewöhnlichen Reisen, die sie zuletzt jahrelang zu Fuß durch Australien und in die Mongolei geführt haben.

Wie kommt man auf die Idee, Australien zu Fuß zu durchqueren?
Denis Katzer: Wir wollen immer mit landesüblichen Verkehrsmitteln reisen. Wir wollen zum Beispiel auf keinen Fall fliegen, weil man das Land so nicht wirklich kennenlernt. Um Australien allein zu Fuß zu durchqueren, ist der Kontinent doch ein bisschen groß. Deswegen sind wir auf die Idee mit den Kamelen als Pack- und Lastentiere gekommen. Der fünfte Kontinent ist die Heimat der größten, wilden Kamelherden. Das wusste ich vorher auch nicht, obwohl wir schon in wirklich vielen Wüsten gewesen sind.

7000 Kilometer und vier Jahre durch das Outback von Nord nach Süd und von Küste zu Küste: Gibt es Momente die sich besonders bei ihnen eingeprägt haben?
Auf der ersten Etappe von Süden nach Norden, von Perth nach Broome, hatten wir mit einem riesigen Buschfeuer zu kämpfen. Auf einer Länge von 1500 Kilometern hat das Outback gebrannt und uns den Weg versperrt. Da hat man wirklich Todesangst und fragt sich, wie man da wieder rauskommt. Nachts aus dem Zelt zu schauen und der ganze Horizont brennt - das ist schon gigantisch. Dann mussten wir noch vor einem Zyklon fliehen. Das war auch eine Superlative, die man nicht jeden Tag braucht.

Wie haben Sie es danach geschafft, dass ihre Frau Sie auch noch auf der zweiten Etappe von der Küste des Indischen zum Pazifischen Ozean begleitet hat?
Die Tanja muss ich nie überzeugen. Sie ist immer 50 Prozent der Reise. Das ist ja das Schöne. Auf der zweiten Etappe war die große Herausforderung, den Kontinent der Länge nach zu durchqueren. Auf dem Weg mussten wir die großen Wüsten durchwandern. Deswegen hatte wir ja auch die Kamele dabei. Immerhin hatten wir insgesamt über eine Tonne an Gepäck und Proviant geladen. Vor allen Dingen hatten wir reichlich Wasser dabei. Bis zu 400 Liter, um es von Wasserstelle zu Wasserstelle zu schaffen.

Doofe Frage: Wie überwindet man die Versuchung, auf die Höcker der Kamele zu steigen und einen Teil des Weges zu reiten?
Wir wollten den Boden immer mit unseren Füßen berühren. Das war unser philosophisches Ziel der Reise wenn Sie so wollen. Wir haben auf Kamelen auch schon ganze Wüsten durchritten. Zum Beispiel in Pakistan. Diesmal wollten wir es aber wirklich auf unseren eigenen Füßen schaffen. Wenn man über Monate und Jahre einfach nur läuft, dann verschmilzt man mit der Natur und spürt eine Einheit mit dem Planeten. Das war eine ungeheure Erfahrung für uns.

Schlangen, Krokodile und Moskitos: Sie waren zwar Einzelkämpfer bei der Bundeswehr. Aber wie hart muss man sein, um diesen wilden Kontinent zu durchwandern?
Man muss sauhart sein. Man muss leidensfähig und tolerant der Natur gegenüber sein. Auch Ausdauer braucht man. Und wirklich gute Nerven. Die Mücken und Fliegen stürzen sich je nach Wetter kamikazemäßig auf einen. Entweder man akzeptiert das oder man gerät wirklich in Panik. Das wäre in der Wüste tödlich. Zum Schluss haben wir die Fliegen im Tee einfach immer mitgetrunken. Natürlich hatten wir auch brenzlige Begegnungen mit Schlangen. Und das nicht zu selten. Ich schrecke heute noch vor krummen Ästen im Wald zurück, selbst wenn ich hier in Nürnberg unterwegs bin, weil man einfach in Australien immensen Respekt vor Schlangen bekommt. Ein Biss von der falschen Schlange im Outback - und das Leben kann vorbei sein.

Nach der größten Hitze sind Sie in die krasseste Kälte: Warum wollten Sie auf der nächsten Reise ausgerechnet in der mongolischen Taiga bei minus 50 Grad im Zelt überwintern?
Gute Frage. Wir hatten in Australien die größte Hitze überlebt. Teilweise lebensbedrohlich. Gut, dass wir uns vorher monatelang akklimatisiert hatten. Damit man eine Vorstellung von dieser Hitze bekommt: eine Stunde ohne Wasser und man kann plötzlich zusammenbrechen und fällt auf den 50 Grad heißen Boden und wird praktisch gekocht. Ich habe mir gedacht, jetzt haben wir das überlebt, jetzt müssen wir in die Kälte. Ich bewundere auch die Polarforscher wie Amundsen und Scott. Wir haben also dann die Rentier-Nomanden in der Mongolei besucht und versucht, mit ihnen im Tipi einen Winter zu überstehen. Ein Winter dauert dort mindestens sieben, manchmal acht Monate.

Mussten Sie ein Mongole werden, um das zu überstehen?
Ja, anders geht das wohl nicht. Die Kälte ist allerdings leichter zu ertragen als die Hitze, finde ich persönlich. Trotzdem ist sie brutal gefährlich. Ohne Handschuhe habe ich plötzlich minus 50 Grad auf der Haut. Wenn man zwinkert, kann das Auge plötzlich zufrieren. Aber ein Franke kann das genauso überleben, man muss nur die innere Einstellung der Mongolen übernehmen. Jeden Tag harte Arbeit leisten, um zu überleben. Das bedeutet auch pures Leben. Da weiß man am Abend, was man gemacht hat. Da ist jeder Tag ein pures Geschenk.

Planen Sie schon die nächste Reise, oder legen Sie im Winter erstmal die Füße hoch?
Wir planen schon die nächste Reise. Wir sind ja Langstrecken-Experten. Bei der nächsten Reise wollen wir mit E-Bikes reisen. Von Ulan Bator soll es 15.000 Kilometer entlang der chinesischen Mauer mit Rädern und Elefanten bis nach Myanmar gehen. Nicht an einem Stück. Immer in Etappen von jeweils eineinhalb Jahren. Aber insgesamt wird uns diese Reise, mit der wir zum nachhaltigen Reisen animieren wollen, sicher acht Jahre beschäftigen.



Infos zur Bild-Film-Show
Am 20. November (jeweils 19:30 Uhr) präsentiert das fränkischen Abenteurer-Ehepaar im Admiral-Filmpalast in Nürnberg ihre Bild-Film-Show: Australien-Expedition "7000 km zu Fuß durchs Outback" und am 27. November (ebenfalls jeweils 19:30 Uhr) "Mongolei Wilde Freiheit - 15 Monate am Anfang der Welt".

Weitere Infos finden Sie unter: www.denis-katzer.com
Telefonische Kartenreservierung: 0911 / 2360 360