Auf einem Plakat mit einem Konterfei des jungen Christsozialen heißt es in kryptischer Jugendsprache "Chabos wissen, wer der Babo ist". Es handelt sich dabei um eine Textzeile aus einem Lied des Rappers "Haftbefehl". "Babo" heißt in der Jugendsprache so viel wie "Boss", "Chabos" sind Brüder oder Freunde, die sich um den Boss scharen. Giersdorf kandidiert für die CSU für den Stadtrat von Roth.

Facebook-Nutzer reagierten auf das von Giersdorf gepostete Wahlplakat mit Häme. In einem Beitrag heißt es: "Mit dem Werbeslogan solltest Du vielleicht die Branche wechseln, aber bitte NICHT in die Politik". Einer meinte "Einfach nur peinlich.....!!". Dennoch klickten 2180 Facebook-Nutzer den "Gefällt mir"-Button an - möglicherweise in der Hoffnung auf ein handsigniertes Plakat von Giersdorf. Denn unter allen, die den Button anklickten, versprach der Stadtratskandidat die Teilnahme an der Verlosung zweier handsignierter Wahlposter.

Giersdorf bedankte sich derweil auf seiner Facebook-Seite für die "positive und konstruktive Kritik". Zugleich versuchte er klarzustellen: "Der Sinn des Spruchs war es, augenzwinkernd junge Wähler auf Kommunalpolitik aufmerksam zu machen - das habe ich wohl geschafft." Im gleichen Post geht er auf den Spott weiter ein: "Vielleicht bin ich schon bald das neue Gesicht auf der Kinderschokolade."

Auch der Rapper "Haftbefehl" reagierte noch am Montag auf die politische Vereinnahmung seines Liedtextes. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er. "Du kleiner Fabian K. Giersdorf - hast eine super Promo bekommen! Willst Du nicht mal paar Tauis (Tausender) abdrücken als Dank? ich geh dann mal ins Studio..."
Auch droht er mit rechtlichen Konsequenzen: "Herr Giersdorf - die Tage erhalten Sie Post von uns..."

Giersdorf kam allerdings nicht als erster auf die Idee, mit dem Spruch von "Haftbefehl" zu werben. Herbert Woerlein aus Stadtbergen bei Augsburg hatte bereits im September 2013 im Landtagswahlkampf "Chabos wissen, wer der Woerlein ist" auf seine Plakate drucken lassen. dpa/jgö