In Nürnberg kostet ein normaler Fahrschein für U- und Straßenbahnen neuerdings stolze 2,60 Euro. "Wir rücken digital immer näher zusammen, aber in der echten Welt sieht man sich immer weniger", beklagt sich der 31-jährige Design-Student Paul Blotzki aus Nürnberg. Schuld daran seien auch die hohen Ticketpreise, findet Blotzki. "Fast drei Euro für einen normalen Fahrschein - das nervt mich einfach." Deshalb habe er spontan eine Tauschbox für Fahrscheine entworfen und seine Idee "Karmaticket" getauft.

Das Geniale daran: Jeder kann beim Karmaticket kostenlos mitmachen. Wie ein Virus verbreitete sich seine Bastelanleitung für Tauschstationen für theoretisch gebrauchte, vermeintlich aber noch gültige Fahrscheine im Internet. Anstatt das Ticket in den Abfall zu werfen, soll man den Fahrschein an den Nächsten weitergeben. Immerhin sind die einfachen Billets im Großraum für 90 Minuten in einer Fahrtrichtung gültig.

Die VAG ist von der Sharing-Idee nicht begeistert

Um die Idee zu vollenden, müsste Paul Blotzki die frisch gebastelten Ticket-Boxen nun an vielen Haltestellen aufhängen. Darf er aber nicht. "Tausch-Boxen werden direkt entfernt, wenn sie entdeckt werden", kündigen die städtischen Verkehrsbetriebe in Nürnberg an. Schließlich sei eine Weitergabe eines Einzelfahrscheins nach dem Gebrauch nicht gestattet. Der Fahrkartenpreis von 2,60 Euro sei bei einem Einzelfahrschein nur für eine Fahrt und nur für eine Person ausgelegt.

Wenn solche Ticket-Sharing-Modelle in Mode kämen, warnt das Unternehmen weiter, dann entstünde den ohnehin defizitären Verkehrsbetrieben ein zusätzlicher finanzieller Schaden. "Wenn die Kosten zu 100 Prozent durch die Fahrgeldeinnahmen finanziert werden sollten, ergäbe sich für den Einzelfahrschein rein rechnerisch ein Preis von 4,78 Euro", rechnet eine Unternehmenssprecherin vor.

Der Erfinder des Karmatickets will freilich niemandem schaden. Im Gegenteil: Ein Umdenken würde Paul Blotzki viel lieber bewirken. Seine Tausch-Boxen könnten beispielsweise mehr Menschen dazu bringen, häufiger die Tram oder die Metro zu nehmen, hofft Blotzki. Denn besonders für Strecken in der Innenstadt rund um die Altstadt seien die Ticketpreise in Nürnberg zu hoch und damit unattraktiv. Der Student hofft darauf, dass die Verkehrsbetriebe ihre Tarifstruktur überdenken und differenzieren.