Die Menschen mögen das Vertraute, stehen auf die Tradition. Egal ob es windet, stürmt oder schneit: Wenn das Frühlingsfest ruft, können die Nürnberger offensichtlich nicht widerstehen und pilgern zum Dutzendteich. Auch Annika und Merle haben ihre Großeltern überreden können, trotz der frostigen Temperaturen dem bunten Treiben rund um das Kolosseum einen Besuch abzustatten. "Wir wollen mit dem Kettenkarussell fahren und Schokobananen kaufen", erzählt die zehnjährige Annika während die kleinere Schwester zwischen bunten Buden und duftenden Ständen den "Osterhasen" entdeckt hat.

Lässig wie "Bugs Bunny" stolziert das Tier über den Festplatz. Nur eine Möhre hat er nicht dabei. In den Händen trägt der Hase einen schweren Weidenkorb. In bester Weihnachtsmann-Manier verteilt der Osterhase leckere Süßigkeiten an die Kleinen. Nur im Kostüm hat sich der Hasen-Darsteller gewaltig geirrt. Ganz in rosa hoppelt das Tier wie ein Playboy-Häschen über den Platz. "Wenigstens hat es der Hase in seinem Kostüm schön warm", findet Merle und zieht sich die eigene Mütze noch ein bisschen weiter über die Ohren.

Über den Köpfen der Besucher zieht derweil das Riesenrad seine Kreise durch den Frühlingshimmel. Angst vor der Kälte in der luftigen Höhe müssen sich die Fahrgäste nicht machen. Die Fenster der Gondeln sind verglast, damit der eisige Wind den Gästen nicht um die Ohren pfeifen kann. Immerhin ist das "größte transportable Riesenrad" fast 60 Meter hoch. Selbst bei trüber Fernsicht genießen die 300 Fahrgäste die langsame Rotation in dem runden Stahlungetüm, das nachts von 50.000 Lämpchen und 1200 Neonröhren beleuchtet wird. Nur Karussell fahren ist noch schöner als eine Fahrt mit dem Riesenrad, finden die, die sich wie Annika und Merle trauen, im Wellenflug hoch über dem Festplatz zu kreisen. "Nochmal!", ruft die achtjährige Merle nach dem rasanten Flug durch die Lüfte.


Deftiges am Spieß

Wer wieder festen Boden unter den Füßen spürt, der muss sich stärken für die nächsten Aufgaben. Schließlich warten allein 21 Fahrgeschäfte, 17 Kinderkarussells, zwölf Schießbuden und sechs Geisterbahnen auf die wagemutigen Besucher. Zum Glück können sich die rund zwei Millionen Menschen, die auch heuer wieder zum Frühlingsfest erwartet werden, auf dem Festplatz an praktisch jeder Ecke stärken.

Durchaus vitaminreich ist die Nahrung am Stand für kandierte Früchte. Gesund lässt es sich also leben unter dem Riesenrad. Wer allerdings Diät halten und auf seine Figur achten will, der ist beim Volksfest wohl an der falschen Adresse. Allein 19 Eis- und Zuckerwägen wollen die schwachen Seelen mit Kalorienbomben in Versuchung führen? In den Festzelten schaut es nicht viel besser aus. Bei "Hax'n Liebermann" ist der Name natürlich Programm. "Bei der kalten Witterung sind bei uns die Suppen allerdings noch besser gegangen", berichtet die Festzeltwirtin Annette Stahlmann. Auch in der "Hahnen-Braterei" dreht sich deftiges am Spieß. "Wir sind bekannt für unsere guten Hendl. Die Leuten freuen sich einfach nach dem langen Winter auf ein Fest. Und nach der Fastenzeit mal wieder auf etwas G'scheites auf dem Teller", sagt Elisabeth Lößel.

Freilich, gesteht die Wirtin vom "Gigerlas-Zelt", würden einige Gäste aufgrund der kühlen Witterung noch nicht zum Festplatz kommen. "Im Moment ist zum Beispiel gar nichts los", sagt die Wirtin und zeigt auf die leeren Bänke zur besten Bratenzeit. Allerdings ist auch an diesem Sonntagmittag ein kurzer Schneesturm über den Festplatz gefegt. Der hat wohl auch die letzten Frühlingsgefühle der Nürnberger verscheucht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Immerhin ist schon bald besseres Wetter angekündigt. Und siehe da, die Sonne kommt raus und lässt sich doch noch an Ostern blicken.