MAN-Mitarbeiter demonstrieren am Donnerstag (24. September 2020) in Nürnberg: Der Fahrzeug- und Maschinenbauer MAN hat angekündigt, bis zu 9500 Arbeitsplätze abzubauen. Auch am Großstandort in Nürnberg bangen seitdem viele Mitarbeiter um ihre Jobs.

Das wollen sich viele Mitarbeiter nicht gefallen lassen. Für Donnerstag ist eine Protestaktion in Nürnberg geplant.

Update vom 22.09.2020: Nürnberger MAN-Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau

Die IG Metall Nürnberg hat die Beschäftigten des MAN-Standorts Nürnberg zu einem Protestmarsch gegen den geplanten Stellenabbau aufgerufen. Laut Onlineauftritt der Gewerkschaft werden die Beschäftigten am Donnerstag (24. September 2020) gegen 9 Uhr zu einer Kundgebung an der Frankenstraße, Ecke Markgrafenstraße ziehen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass MAN insgesamt 9500 Stellen im In- und Ausland canceln will. Auch der Standort Nürnberg soll laut IG Metall massiv betroffen sein.

Auf der Kundgebung werden der Gewerkschaft zufolge unter anderem Andreas Weidemann, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg, Markus Wansch, Betriebsratsvorsitzender der MAN Nürnberg und Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg zu den Beschäftigten sprechen.

Aufzug der IG Metall - Polizei erteilt Verkehrshinweise

Zur geplanten Protestversammlung hat die Polizei am Dienstag entsprechende Verkehrshinweise veröffentlicht. Zwischen 9 und 11 Uhr ist demnach folgende Wegstrecke für die Kundgebung vorgesehen:

  • Auftakt: Vogelweiherstraße 33
  • Aufzug über Ulmenstraße - Frankenstraße - Höhe Markgrafenstraße
  • circa dreißigminütige Zwischenkundgebung
  • Abschluss: Frankenstraße/Huldstraße

"Dabei kommt es zu temporären Verkehrssperrungen und daraus resultierenden Behinderungen für den Fahrverkehr", warnt das Polizeipräsidium Mittelfranken vorab. Fahrzeugführer werden gebeten, die Weisungen der Polizeieinsatzkräfte zu beachten und zu den genannten Zeiten den Bereich entlang der Fahrstrecke weiträumig zu umfahren.

Auch Siemens stellt einzelne Standorte auf den Prüfstand. In einem Nürnberger Werk stehen mehr als 370 Arbeitsplätze zur Diskussion. Hunderte Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Erstmeldung vom 11.09.2020: MAN will bis zu 9500 Stellen streichen - Großstandort in Nürnberg bangt um Jobs

Großer Stellenabbau bei MAN - auch in Nürnberg?Der Vorstand der VW-Tochter MAN hat Zahlen zum seit Längerem geplanten Stellenabbau vorgelegt - diese sind höher als gedacht. Insgesamt sollen bis zu 9500 Jobs wegfallen. Damit wäre jeder vierte Job in dem Unternehmen betroffen. Das berichten der Konzern und die Deutsche Presse-Agentur (dpa)

Am Standort Nürnberg hat die "MAN Truck & Bus Gruppe" ihr internationales Kompetenzzentrum für die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von Diesel- und Gasmotoren. Allein im dortigen Werk gibt es laut Webseite des Unternehmens 4146 Beschäftige. Weil kein MAN-Standort von der "umfassenden Neuausrichtung" ausgeschlossen werden könne, stehen nun möglicherweise auch die Mitarbeiter in Nürnberg vor einer ungewissen Zukunft.

"Kein Standort explizit ausgeschlossen": MAN-Werk in Nürnberg gefährdet?

Zuletzt wurde das MAN-Management neu formiert. Ziel ist laut Berichten eine Ergebnisverbesserung von rund 1,8 Milliarden Euro bis 2023. In Deutschland gibt es insgesamt rund 20.000 Stellen bei MAN. Wie stark diese betroffen sind, ist derzeit noch unklar. Vermutet wird hingegen, dass ganze Betriebe wegfallen könnten. Besonders Steyr (Österreich), Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) stehen laut dpa unter Beschuss. 

Allein im internationalen MAN-Kompetenzzentrum in der Nürnberger Vogelweiherstraße sind 4146 Mitarbeiter tätig. Dort dreht sich alles um die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von Diesel- und Gasmotoren. „Als internationales Motorenkompetenzzentrum von MAN Truck & Bus hat unser Werk Nürnberg eine hohe Verantwortung", betont Werkleiter Ingo Essel auf der Internetseite des fränkischen Großstandorts. Gemeinsam mit den Schwesterwerken werden in Nürnberg Motoren und Komponenten produziert. "Dabei sind wir stolz auf unsere lange Tradition und große Erfahrung in der Motorenproduktion", so Essel weiter. "Gleichzeitig blicken wir aber auch nach vorne und stellen uns den Herausforderungen der Zukunft."

Wie es um diese bestellt ist, ist indes ungewiss, Auf Anfrage von inFranken.de erklärte ein MAN-Sprecher am Freitag (11. September 2020), dass noch unklar sei, inwiefern der Standort in Nürnberg betroffen sein wird: "Es ist schwierig, diese Frage im Moment zu beantworten. Heute wurden die Pläne des Vorstands erst mal der Arbeitnehmerseite vorgelegt." Zunächst müsse man die Verhandlungen abwarten. Klar sei aber: "Es ist so, dass sie [die Zahlen] sich auf alle Standorte weltweit beziehen. Da wird kein Standort explizit ausgeschlossen. In welcher Form, das zeigen erst die Verhandlungen."

Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender wirft Vorstand Missmanagement vor

Gegenwind kommt vor allem von Gewerkschaft und Betriebsrat: "Es kann nicht sein, dass Stellenabbau und Standortschließungen die einzigen Lösungsansätze sind, die dem Vorstand einfallen", klagt der Betriebsratsvorsitzende Saki Timoniaris. Auch Jürgen Kernern, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei MAN Truck & Bus, äußert sich kritisch. Man werde es nicht hinnehmen, "dass die Beschäftigten für Corona und für jahrelanges Missmanagement des Vorstands bestraft werden". 

Bereits Anfang September kündigte ein Automobilzulieferer an, seinen Standort in Nürnberg zu schließen. Zum Jahr 2022 hört Continental in der Frankenmetropole auf. Was mit den Arbeitnehmern passiert, lesen Sie hier.