• Klimacamp Nürnberg vor dem Rathaus vor gut einem Jahr errichtet
  • Aktivist*innen haben zwölf zentrale Forderungen
  • CSU-Fraktion fordert Camp-Auflösung: "Dauercamping auf dem Sebalder Platz beenden"
  • Klima-Aktivist*innen kontern: "Noch lange nicht alles erreicht, was wir vorhaben"

Am 3. September 2020 schlugen Klimaaktivist*innen ihr Camp am Sebalder Platz in Nürnberg auf. Das Ziel: Bleiben, bis die Politik handelt. "Wir haben zwölf zentrale Forderungen, von denen die Stadt Nürnberg bisher keine erfüllt hat", resümiert Benita vom Klimacamp gegenüber inFranken.de. Es sei bisher aber zumindest insofern erfolgreich, dass die Teilnehmer*innen mit vielen Bürger*innen ins Gespräch kommen und ihnen ihre Ziele näher bringen konnten.

Nürnberg: CSU will Klimacamp-Stopp - "Dauercamping auf dem Sebalder Platz beenden"

Generell vertritt das Klimacamp die gleichen Forderungen wie die Fridays-for-Future-Bewegung. Auf seiner Website zählt das Klimacamp die Forderungen auf, die an die Stadt Nürnberg gestellt wurden. Diese sind im Einzelnen:

  1. Sofortiger Ausbaustopp des Frankenschnellwegs
  2. 365-Euro-Ticket für alle ab sofort
  3. Autofreie Innenstadt bis Ende 2020
  4. Durchgehendes Radwegenetz bis 2026
  5. Begegnungsplätze statt Parkplätze
  6. Keine klimaschädlichen Wertanlagen
  7. Nürnberg soll "Zero-Waste-Stadt" werden
  8. Repräsentative Bürger*innenversammlungen mit Vorschlagsrecht
  9. N-Ergie: 100% erneuerbare Energien bis 2025
  10. Verpflichtende Ausstattung mit PV oder Begrünung bei Neubauten
  11. Kommunale Einrichtungen und Eigenbetriebe klimaneutral bis 2030
  12. Nachhaltige Ernährung in städtischen Einrichtungen

Die Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion fordert nun das Ende des Klimacamps. "Dauercamping auf dem Sebalder Platz beenden", heißt es in einem Facebook-Post. Ein Jahr Dauerdemonstration sei ein "mehr als ausreichender Zeitraum", um die Botschaften erfolgreich auszusenden. Noch mehrere Jahre ausharren zu wollen, sei weder zielführend noch den Bürgerinnen und Bürgern zuzumuten, heißt es in einer Pressemitteilung. "Der Sebalder Platz gehört allen Nürnbergerinnen und Nürnbergern und sie sollen ihn auch wieder nutzen und genießen können, genauso wie Tourismus und Gastronomie", erklärt Fraktionschef Andreas Krieglstein. "Es ist in Ordnung, wenn zentrale Plätze oder Straßen für Kundgebungen genutzt werden, aber es gibt Grenzen in der Zumutbarkeit."

Klimacamp Nürnberg: "Es ist noch lange nicht alles erreicht, was wir vorhaben"

"Das finden wir schade, weil noch lange nicht alles erreicht ist, was wir vorhaben", äußert sich Emil vom Klimacamp zur Forderung der CSU-Stadtratsfraktion. "Wir fragen uns, was man auf einem gepflasterten Steinboden machen will - außer drüberzulaufen. Und außerdem soll der Platz ja auch für den Christkindlesmarkt mit genutzt werden. Das finden wir nicht so cool, weil wir ein Recht auf Versammlung haben", ergänzt er.

"Der Standpunkt der CSU, dass jemand den Platz besetzt und allen Bürgerinnen und Bürgern vorenthält, ist eigentlich eine falsche Zuschreibung", findet Benita. "Das Klimacamp ist eine politische Versammlung, die für alle Menschen offen ist. Es kommen auch täglich Menschen hier ein. Es gibt keine Beschränkung, man kann hier mitmachen, man kann hier Zeit verbringen. Der Weihnachtsmarkt ist eine kommerzielle Veranstaltung, die Leute wie ärmere Menschen ausschließt, weil dort ein Konsumzwang herrscht", erklärt sie.

Ebenfalls interessant: Die Produktion einiger Lebensmittel hat einen besonders hohen CO2-Ausstoß. Um positiv auf den Klimawandel einzuwirken, ist es deshalb hilfreich, auch beim Essen auf Nachhaltigkeit zu achten. Dafür sollte man unbedingt auf ein paar Lebensmittel verzichten.