Geht nicht, gibt"s nicht: Das dachte sich auch Nicole Oberhofer aus Titting im Landkreis Eichstätt und hat aus der Not eine neue Idee geboren. "Ich habe ein Schuh- und Fußmessgerät für Kinder erfunden, mit dem man zum ersten Mal die Größe der Füße mit den Kinderschuhen vergleichen kann."

Unter dem Titel "Clevermess" präsentiert die 30-Jährige auf der Erfindermesse in Nürnberg ihre Produktinnovation. Die Idee: Eltern sollen mit ihrer Erfindung endlich überprüfen können, ob das Schuhwerk für den Nachwuchs tatsächlich passt. "Kinder spüren nicht, ob ein Schuh drückt. Auf Dauer kann falsches Schuhwerk den Fuß schädigen", wirbt die Erfinderin in Nürnberg für ihr neues Produkt. Auch mit der "klassischen Daumenkontrolle" sei das Problem nicht zu lösen.
"Technisch betrachtet, misst das Gerät digital die Breite und Länge von Schuhen und Füßen", erklärt Oberhofer. Der Clou dabei: "Clevermess" misst Schuh- und Fußgrößen von Größe 21 bis 41. "Die Herausforderung war, die ganze Technik in ein handliches Gerät zu verpacken."

Der Kinderfuß muss regelmäßig kontrolliert werden

Da der Kinderfuß unaufhaltsam wächst, sei eine regelmäßige Kontrolle der Füße und Schuhe notwendig, um die Gesundheit der Kinder nicht zu gefährden. Mit dem Problem würden Eltern bislang alleine gelassen, ärgert sich die Erfinderin. Als Mutter einer Tochter sei genervt gewesen, sich schon beim Verlassen des Schuhgeschäftes zu fragen: Wie lange passen die Kinderschuhe noch? Deshalb ist sie auf die Idee mit dem praktischen Messgerät gekommen. "Als ich gemerkt habe, dass ich nicht die Einzige bin, die das ärgert, habe ich mir gesagt: Ok. Das packe ich jetzt an und setze das um. Aber von der Idee bis zur Umsetzung war es ein langer Weg."

Der Weg von der zündenden Idee bis zum wirtschaftlichen Erfolg ist meistens lang und erfordert viel Durchhaltevermögen. Gerade finanziell steht ein Erfinder nicht selten vor großen Herausforderungen. Jemanden zu finden, der an den Markterfolg einer Erfindung glaubt, ist nicht immer leicht. Diese Erfahrung musste auch Oberhofer machen. "Mit Banken tut man sich als Erfinder schwer. Ich hatte das Glück, einen privaten Investor zu finden."

Der Gang zum Patentamt war richtig teuer

Nach zwei Jahren war der Prototyp ausgereift. Nun folgte der nächste Schritt auf dem Weg zum geschäftlichen Erfolg: der Gang zum Patentamt. "Das ist richtig teuer. Ich habe insgesamt rund 10 000 Euro dafür bezahlt. Aber nun habe ich ein angemeldetes Patent in Deutschland, Europa und den USA", freut sich Oberhofer. "Der größte Teil der Kosten geht an den Patentanwalt. Die Anmeldegebühren sind gar nicht so hoch", erklärt Petra Knüfermann vom Deutschen Patent- und Markenamt in München. Erfinder könnten ein Patent auch alleine anmelden. "Das kostet aber sehr viel Zeit", warnt Knüfermann vor dem großen Rechercheaufwand, ob eine Anmeldung überhaupt Erfolgschancen hat. "Man braucht schon Erfahrung, denn eine Patentanmeldung kann nachher nicht mehr verbessert werden", sagt die Expertin von Patent- und Markenamt.

Oberhofer kann sich noch an den Tag erinnern, als sie das Patent in den Händen halten durfte. "Man bekommt es schwarz auf weiß, dass man eine Weltneuheit erfunden hat." Im nächsten Jahr will die Erfinderin aus Titting mit der Produktion anfangen. "Eine Kunststoff-Unternehmen aus dem Fränkischen Seeland wird das Gerät bauen. Wir kommen dann komplett aus Bayern - von der Entwicklung bis zur Produktion", freut sich Oberhofer.
Insgesamt werden auf der noch bis Sonntag dauernden Messe in Nürnberg über 700 Erfindungen aus 30 Ländern gezeigt: von der skurrilen Idee bis zur praktischen Erfindung. "Eine pfiffige Idee zur Erleichterung des Alltags setzt sich eher durch als eine skurrile Ideen, die nur auf den ersten Blick überzeugen kann", weiß Petra Knüfermann vom Deutschen Patent- und Markenamt in München und verweist auf die Erfolgsstory des "Spätzle-Shaker", der vor vier Jahren auf der Erfindermesse in Nürnberg zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. "Heute können die Erfinder von ihrer Idee leben", freut sich die Expertin vom Patentamt.

Einzelerfinder bilden freilich die Ausnahme: "Die meisten Patentanmeldungen kommt aus der Industrie. Nur acht Prozent unserer Anmeldungen sind Einzelerfinder", sagt Knüfermann. Die aktivsten Unternehmen im Jahr 2013 waren die Firmen Bosch und Schaeffler auf den ersten beiden Plätzen.