Die Polizeimeldungen der vergangenen Wochen sind wie jedes Jahr von einer bestimmten Deliktart dominiert: den Wohnungseinbrüchen. Die Tatorte sind über ganz Franken verteilt.

Gleich zweimal etwa brachen vergangene Woche Unbekannte in Wohnhäuser im Raum Lichtenfels ein. Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken sagt auf Anfrage von inFranken.de: "Im Oktober wurden oberfrankenweit gut 30 Wohnungseinbruchdiebstähle polizeilich aufgenommen. Im November 2016 waren es gut 60. Im Vorjahr, 2015, waren es im Oktober 40, im November gut 50 Einbruchdiebstähle."


Stärkere Überwachung

In bestimmten Regionen Frankens gab es vor allem im Jahr 2014 eine enorme Zunahme bei diesen Delikten - zum Teil um bis zu 30 Prozent. 2015 kam es zu einer leichten Entspannung. Weniger Wohnungseinbrüche wurden in Mittelfranken verübt - die Zahl sank um 81 Fälle auf 1264. Grund dafür sei unter anderem die stärkere Überwachung durch die Polizei, so Polizeipräsident Johann Rast. Aktuell bewegen sich die Fallzahlen bislang ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres, meint Polizei-Pressesprecher Robert Sandmann. Der räumliche Schwerpunkt liegt im Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und Ansbach.

Entgegen dem Trend war im vergangenen Jahr in Oberfranken die Zahl der Wohnungseinbrüche um 24 auf 406 Fälle gestiegen. Die Aufklärungsquote konnte jedoch deutlich gesteigert werden, um sieben Prozentpunkte auf 29,8 Prozent.


Polizei in Oberfranken erfolgreich

Im Vergleich zur Aufklärungsquote in Bayern mit 15,9 Prozent konnte in Oberfranken nahezu die doppelte Quote erzielt werden. Anscheinend ist hier die Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft höher, was Hinweise auf verdächtige Personen erleichtert.

In Unterfranken sind die Zahlen für den Wohnungseinbruchdiebstahl 2015 zurückgegangen. Insgesamt wurden im Regierungsbezirk 603 Fälle registriert. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 60 Straftaten weniger. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote im Bereich des Polizeipräsidiums Unterfranken von 12,1 auf 17,9 Prozent gestiegen.


Bundesländer kooperieren

Die Tätergruppen sind sehr gut organisiert, setzen auf Schnelligkeit - und sie verschwinden in der Dunkelheit. Was kann die Polizei tun, um eine weitere Zunahme zu stoppen? Höfer erklärt: "In Oberfranken wird konzeptionell gearbeitet, mit einem zielorientierten Zusammenwirken aller Dienststellen und operativer Analysestellen regional und überregional." Das beinhaltet, so Höfer weiter, unter anderem "eine Professionalisierung im Bereich der Tatort- und Spurenarbeit sowie einen ganzheitlichen Kontrollansatz im engen Zusammenspiel mit anlassunabhängiger Fahndung".

Darüber hinaus gibt es auch eine enge Zusammenarbeit der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Regelmäßig treffen sich Kripo-Beamte und stimmen sich ab. So wie zu Beginn der Woche im mittelfränkischen Ansbach.
Brennpunkt sind vor allem Ortschaften und Gemeinden, die entlang der Autobahn A 6 liegen - sowohl auf der Seite von Mittelfranken wie auch auf dem Gebiet von Baden-Württemberg. "Diese Fernstraße ist der rote Faden, auf dem Einbrechergruppen unterwegs sind", so Ansbachs Kripo-Chef Hermann Lennert.

Aufgrund des Anstiegs der Wohnungseinbrüche wurden dort die Kontrollmaßnahmen verstärkt. Doch der große Erfolg lässt auf sich warten. Was hilft der Polizei also bei der Ermittlung? Aufmerksame Bürger, sagt Björn Schmitt vom Polizeipräsidium Unterfranken: "Für Einbrecher attraktive Wohnhäuser werden oft von den Tätern ausgekundschaftet. Halten Sie Ihre Augen offen und achten Sie in Ihrer Wohngegend auf verdächtige Personen."


Das sind die Täter - und so arbeiten sie

Bei vielen Einbrechern handelt es sich um gut organisierte Gruppen. Zumeist aus Ländern wie Georgien, Weißrussland, Litauen, Rumänien oder Ungarn. Laut dem Ansbacher Kripo-Chef Hermann Lennert seien oftmals auch Asylbewerber unter den Tätern: "Diese werden in Georgien für die Taten angeworben. Es wird ihnen geraten, als Flüchtling nach Deutschland einzureisen." Um solche Banden abzuschrecken, überlegt die Bundesregierung, die Haftstrafen für Einbruchsdelikte zu erhöhen. Bereits jetzt reagiert die Justiz und verschärft ihre Urteile. Allein in Mittelfranken gab es in den vergangenen zweieinhalb Jahren 29 Verfahren gegen Einbrecherbanden.

Die Täter scheuen jegliches Risiko, wollen immer so rasch wie möglich ihren Bruch vollenden. Hermann Lennert: "Wenn sie merken, dass sie nicht innerhalb von fünf Minuten zum Erfolg kommen, dann lassen sie von der Tat ab. Sie wollen schnell rein, schnell Beute machen und schnell weg sein."
Einbrecher, die Menschen oder Hausbesitzer verletzen, seien die absolute Ausnahme. Zumeist passiert das dann, wenn Täter im Haus überrascht werden. Beliebteste Beutestücke sind Schmuck und Bargeld. Im Gegensatz zu früher, als auch Elektrogeräte wie Musikanlagen oder Fernsehgeräte gestohlen wurden.


Hier liegen die Schwerpunkte

Weil Einbrecher auf eine rasche Flucht aus sind, bevorzugen sie Ziele an Autobahnen und Bundesstraßen. "In Westmittelfranken sind Lichtenau und Sachsen bei Ansbach enorm betroffen", nennt Hermann Lennert ein Beispiel. Im Oktober 2016 waren die Einbrüche in Oberfranken fast gleichmäßig verteilt. Im November waren im Bereich Bayreuth die meisten Delikte zu verzeichnen - rund um Coburg die wenigsten.