Die Ware war noch feucht und frisch, als die Beamten knapp 200 Gramm der Droge Crystal Meth in der Wohnung der Angeklagten entdeckten. Unter dem Sofa der Arbeitslosen fand die Polizei auch Bargeld. Ein bisschen mehr als 4000 Euro. Seit diesem Tag im Herbst 2014 saß die 33-Jährige aus Neumarkt in Untersuchungshaft. Und schwieg zunächst beharrlich gegenüber der Polizei. Trotz der erdrückenden Beweislast.

Schnell fanden die Beamten heraus, dass die 33-Jährige in der Nacht zuvor eine Reise nach Tschechien unternommen hatte. Irgendwo in Cheb hatte sie sich mit den Dealern verabredet. Dann wechselten 4000 Euro und knapp 200 Gramm der gefährlichen Modedroge nach dem Motto "Geld gegen Droge" den Besitzer. Anschließend hatte die Frau per Handy ein Taxi gerufen und war mit dem herbeigerufenen Chauffeur aus dem Nachbarland zurück über die Grenze nach Neumarkt gefahren.
Im Gepäck die frische Ware.

Bei der Verhandlung vor dem Landgericht Nürnberg sollte die Angeklagte später die gegen sie erhobenen Vorwürfe einräumen. Doch der Reihe nach. Zunächst verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift. Die Droge sei von "sehr guter Qualität mit einem Wirkstoffgehalt von 60 Prozent" gewesen. Danach unterbricht der Richter die Verhandlung. Hinter verschlossenen Türen wolle man sich unterhalten, ob man sich nicht auf ein Strafmaß einigen könne. Die Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre, die Verteidigung plädiert für eine Haftstrafe in Höhe von vier Jahren.

Eine halbe Stunde später hockt der Richter in der Kantine. Irgendwo im Verborgenen berät sich jetzt die Strafverteidigerin Veronika Huber mit ihrer Mandantin. Nach der kurzen Kaffeepause geht es weiter im Gerichtssaal 228. Der Richter verkündet, man habe sich hinter verschlossenen Türen auf ein Strafmaß zwischen vier und viereinhalb Jahren einigen können. Vorausgesetzt die Angeklagte räume die Vorwürfe ein und sei mit diesem Deal einverstanden. Die Frau mit den schulterlangen, zu einem Pferdeschwanz geflochtenen Haaren und der Hornbrille nickt mehrmals schüchtern aber deutlich mit dem Kopf. "Wollen Sie der Verständigung beitreten?", fragt der Richter die Frau in schönstem Juristendeutsch. Die nickt wiederum heftig und sagt: "Ja".

Dann schickt der Richter alle Zeugen nach Hause. Nur ein Polizeihauptkommissar wird gebeten, die eingangs geschilderte Durchsuchung der Wohnung kurz nochmal zu erzählen. Die Angeklagte bestätigt die nächtliche Taxi-Fahrt über die Grenze mit den Drogen im Gepäck. 20 Gramm habe sie für sich behalten wollen. Den Rest habe sie verkaufen wollen. An wen? Diese Frage wird erst gar nicht gestellt. Wahrscheinlich wäre sie auch zwecklos gewesen. Ein Blick in die Vita der Frau spricht Bände.


Drogenhistorie

Vor drei Jahren wird die 33-Jährige zum ersten Mal mit Drogen erwischt. Sie bekommt knapp über drei Jahre auf Bewährung aufgebrummt. Zwei Jahre später wandert sie zum ersten Mal in den Knast, weil sie Drogen spendiert hatte. Schon wieder geht es um Crystal. Nicht viel diesmal. Ein paar Nasen, ein paar Lines. Aber das reicht für drei Monate hinter Gittern. In dieser Zeit muss die Droge langsam Besitz von ihr ergriffen haben. Denn kurze Zeit später fährt sie - ohne Führerschein, den musste sie zwischenzeitlich bereits abgeben - mit 2000 Euro im Geldbeutel nach Tschechien. Wieder trifft sie die Dealer in Cheb, diesmal vor einer Spielothek. 50 Gramm bekommt sie für das Geld. Allein ist sie auf dieser Fahrt nicht. Die Polizei nimmt offensichtlich gleich mehrere Leute hoch, die etwas mit der gefährlichen Droge zu tun haben.

Dann verkündet der Richter das Urteil. Vier Jahre muss die 33-Jährige ins Gefängnis. Außerdem wird die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Veronika Huber, die Rechtsanwältin aus Regensburg, kennt solche Urteile. "Die Zahl der Fälle, bei denen Crystal Meth eine Rolle spielt, nimmt in allen bayerischen Städten in der Nähe der tschechischen Grenze weiter zu", sagt Huber. Ungewiss ist derzeit noch, ob das Angebot oder die Nachfrage nach der "Teufelsdroge" steigt. Oder ob die Polizei einfach mehr Schmuggler der Modedroge schnappen kann. Im Frühjahr will das Bundeskriminalamt die neusten Zahlen und Statistiken zu Crystal Meth veröffentlichen.