Alle Jahre wieder wird auf dem Hauptmarkt gehämmert, geklopft und gebaut. "Wir werkeln hier schon seit fünf Tagen an den Buden herum", sagt einer der Bauarbeiter und klettert flink auf eine bereitstehende Leiter, um pittoresque Schilder aus Holz an den halb fertigen Rohbau zu montieren. In schnörkeligen Lettern steht "Bratwurst" auf der einen, "Glühwein" auf der anderen Tafel. "Alle Buden werden von der Stadt gestellt", sagt Thomas Meiler und zeigt von einer Terrasse auf das darunter liegende Meer aus Bretterbuden.

Jedes Jahr um die gleiche Zeit kramt die Stadt die Hütten hervor und karrt sie zum Hauptmarkt. "Teilweise sind die Häuschen schon 100 Jahre alt", erzählt Meiler, der bei der Stadt so etwas wie der Weihnachtsmarkt-Experte ist, weiter. "Alle Hütten bekommen auch das gleiche Dach.
Natürlich in rot-weiß, den Farben der Stadt." Der ganze Aufwand sei nötig, damit die Hüttensiedlung später in einem einheitlichen Bild erstrahlt. "Am Ende stehen hier fast 200 von diesen Hütten", sagt Meiler und zeigt zur Frauenkirche, an deren Seite man bereits einen stattlichen Tannenbaum senkrecht in die Höhe postiert hat.

"Dort neben dem Baum wird die Bühne stehen für die vielen Musikgruppen und Chöre aus der Region", erzählt Meiler während der Mann mit dem Hammer von der Leiter steigt. Mit einem Blick auf die Uhr wehrt er weitere Fragen entschieden ab: "Wir müssen jetzt wirklich weitermachen. In der nächsten Woche müssen wir fertig sein", sagt der Mann und zieht mit der Leiter unter dem Arm zur nächsten Baustelle, die gleich nebenan auf ihn wartet.

Thomas Meiler lächelt milde und verständnisvoll. Er kennt das schon. Vor dem Tag X stehen alle rund um den Hauptmarkt unter Strom. Hier werden Lichterketten entfleddert, dort werden die Kochtöpfe für den Glühwein vorbereitet. "In zwei Wochen muss alles fertig sein", sagt Meiler. Am 28. November wird die berühmte Stadt aus Tuch und Holz schließlich eröffnet. Nicht mit einem profanen Startschuss. Zur Eröffnung rechnen die Kinder fest mit dem Erscheinen des Christkindes, dass von der Empore der Frauenkirche pünktlich um halb sechs die folgenden Worte sprechen wird: "Ihr Herrn und Frau"n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut" wieder, freut Euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein."

Im letzten Jahr sind fast 2,5 Millionen Menschen dem Ruf des Christkinds gefolgt. Als Christkind gehört man in der Nürnberg zu den Top-Promis. Alle zwei Jahre wird mit Spannung die Wahl verfolgt. Heuer steht Teresa Treuheit erneut auf dem Balkon. "Mit dem Prolog haben wir schon ein super Alleinstellungsmerkmal in Nürnberg", findet Thomas Meiler. Kein anderer Weihnachtsmarkt bekommt zur besten Sendezeit im Fernsehen mehr kostenlose Werbung. "Die Eröffnung des Christkindlesmarkt läuft sogar immer in der Tagesschau", sagt Meiler stolz und begründet die bundesweite Aufmerksamkeit mit der großen Tradition des Marktes im Schatten der Kaiserburg. "Der Christkindlesmarkt wurde im Jahr 1628 erstmals urkundlich erwähnt", sagt Meiler. Vermutlich sei der Markt aber noch älter. 1530 schätzt der "Weihnachtsmarkt-Experte".

Um den Charme der romantischen Budenstadt ins 21. Jahrhundert zu retten, haben sich die Nürnberger neben der Sache mit den einheitlichen Häuschen noch ein paar andere Vorschriften einfallen lassen. "Die Buden müssen mit frischem Tannengrün geschmückt werden", sagt Meiler. Plastikartikel seien auch verboten. Da kenne die Stadt keinen Spaß und lasse - Weihnachten hin oder her - keine Gnade vor Recht gelten. Schließlich ist der Markt auch ein großer Wirtschaftsfaktor für das Pfefferkuchenstädtchen, dass sich im Winter von seiner romantischsten Seite zeigt. Dann rauchen die Schlote über den engen Gassen, überall riecht es nach "Drei im Weckla" und wenn man Glück hat, sind die spitzen Dächer der Altstadt mit Schnee bedeckt. Dann treffen sich die Nürnberger zu jeder Tageszeit am liebsten auf einen Glühwein am Hauptmarkt.Und essen einen "g´scheiten Lebkuchn" dazu. Thomas Meiler kann einen Besuch jedem nur wärmstens empfehlen. Nur an dicke Schuhe und warme Socken solle man unbedingt denken.