Es sind zwölf Männer und zwei Frauen. Sie stammen aus den Landkreisen Lichtenfels, Coburg, Bamberg und Haßberge, und sie sind bereits ausgebildete Landwirte. Was sie an diesem Nachmittag zu den Versuchsflächen nahe der Autobahn-Ausfahrt Kösten der A 73 führte, war die Besichtigung des Zwischenfruchtversuches im Rahmen ihres Studiums an der Landwirtschaftlichen Fachschule. Mit dabei waren der Gewässerschutzberater des Landwirtschaftsamtes, Toni Körber, Landwirtschaftsmeister Norbert Hofmann und der Direktor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Fachlehrer Anton Weig. Zweck des Treffens war, den jungen Studierenden am Praxisbeispiel die Bedeutung von Zwischenfrüchten für die Bodenfruchtbarkeit zu ermitteln.

Zwischenfrüchte sind Früchte, die zwischen zwei Hauptkulturen angebaut werden, erklärte Fachlehrer Weig. Das bringe viele Vorteile: Der Pflanzenbewuchs schütze Boden und Bodenleben vor negativen Witterungseinflüssen. Hier nannte er vor allem Starkregen und zu starke Erwärmung. Die Wurzeln der Zwischenfrüchte und ihre oberflächliche Pflanzenmasse halten - auch wenn es gefroren hat - den Boden fest, stabilisieren die Bodenkrümel und schützen so den Boden vor Erosion. Die Pflanzen nehmen beim Wachstum den im Boden vorhandenen Stickstoff auf und binden ihn. So ergibt sich eine deutliche Reduzierung der Stickstoffauswaschung (in Form von Nitrat) in das Grundwasser. Dadurch sei es sogar möglich, Gülle oder Mist umweltverträglicher zu verwerten.

Beitrag zur Humusbildung

Anders als bei der bisher oft angewandten Gründüngung werden diese Pflanzen aber nicht mehr umgepflügt und somit der aufgenommene Stickstoff wieder in den Kreislauf gebracht. Hier bleiben sie stehen, erfrieren und bilden letztlich durch die Witterung im Winter eine leicht abbaubare organische Substanz, die sogar einen Beitrag zur Humusbildung liefert. Einige der Pflanzenarten, sogenannte Leguminosen, können auch Luftstickstoff binden.

Natürlich geht das nicht von alleine. Der Landwirt muss erst einmal Geld investieren, um die Zwischenfruchtmischungen zu kaufen. Er braucht Zeit, um mittels Sämaschine oder Düngerstreuer die Saaten auszubringen. Er weiß im Voraus nicht, wie sich die Witterung nach der Aussaat entwickelt und ob ihm die immer mehr zunehmende Trockenheit die Samen überhaupt aufgehen lässt.

Heuer hat es gut geklappt. Die rund vier Hektar großen Versuchsflächen stehen gut da, die verschiedensten Pflanzen sind aufgegangen, wachsen im Bereich von bodennah bis über einen Meter Höhe.

Sie bestehen aus sechs verschiedenen Saatgutmischungen, sind mittels verschiedener Methoden ausgebracht worden und man hat sie mit verschieden hohem Einsatz von Milchviehgülle bis zu Null-Düngung wachsen lassen. Die Parzellenbreite beträgt jeweils zwölf Meter.

Anton Weig holt einen Spaten aus dem Wagen. Er möchte, dass die Studenten eine Blick unter die Pflanzen werfen: auf die Wurzeln, die Bodenschichten und vor allem auf die Bodenlebewesen. Darunter seien sichtbare Lebewesen wie Regenwürmer, Laufkäfer, Springschwänze oder Tausendfüßler. Der weitaus größere Teil sei mit bloßem Auge allerdings nicht erkennbar: Bakterien. Und genau die brauche es, damit Stoffkreisläufe funktionieren und Schadstoffe abgebaut werden.

Weig lässt die jungen Leute am Boden riechen. Guter Boden riecht gut, nach Erde, schlechter, verdichteter, ausgewaschener Boden riecht nach nichts, eher sogar nach Klärschlamm.

Das mögen die Regenwürmer auf Weigs Spaten wohl nicht hören - sie verziehen sich wieder in ihre kleinen, selbst gegrabenen Löcher.

Starkregen simuliert

Anton Weig macht den nächsten Versuch: Mit einem Ring in bestimmter Größe und einer bestimmten Menge Wasser, die er in gewisser Zeit durch den Ring auf den Erdboden schüttet, will er Starkregen simulieren. Weig und Gewässerschutzberater Toni Körber stoppen dabei die Zeit. Erstaunliches Ergebnis: In weniger als zwei Minuten versickern 35 Liter Wasser auf einem Quadratmeter Fläche, wenn diese, wie hier, nicht brachliegt. Das würde sie aber ohne dieses Projekt von der Ernte im August/September bis zur Frühjahrssaat im März bis Mai tun. Mehr als ein halbes Jahr würde der Boden brachliegen und im wahrsten Sinn des Wortes schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert sein. Bei diesen vier Hektar Flächen wäre es ein Zeitraum von der Dinkel-Ernte im Juli 2020 bis zur Mais Aussaat im Mai 2021 - neun Monate!

Demonstrationsbetrieb besuchen

"Sie können den Demonstrationsbetrieb gerne besuchen und sich informieren", bietet der Besitzer der Fläche, Norbert Hofmann, interessierten Besuchern an. Auch auf den schon von weitem sichtbaren weiß-grünen Schildern findet man weitere Informationen zum Projekt: mit Zwischenfrüchten Gewässer schützen, Erosion reduzieren, Humus aufbauen, Nährstoffe effizient einsetzen und "Unkraut" unterdrücken.