Die Pläne sind in der Schublade, entschieden ist noch nichts: Ein externes Planungsbüro hat im Auftrag des Bezirks Oberfranken die Effektivität der einzelnen Kliniken des Bezirksklinikums Obermain untersucht. Das Gutachten liegt den Mitgliedern des Ausschusses Kommunalunternehmen des Bezirkstags vor und soll in nichtöffentlichen Sitzung am 2. März besprochen werden. Unter anderem wird intern darüber diskutiert, ob die Thoraxchirurgie nach Bamberg verlegt werden könnte und die Orthopädie nach Scheßlitz.

"Der gesamte Standort wird untersucht", bestätigt Christian Porsch, der Pressesprecher des Bezirks. Der 2016 angekündigte Neubau eines Klinikgebäudes in Kutzenberg sei Fakt und habe oberste Priorität. Im Zuge dessen sei das Gutachten angefertigt worden. Die Kliniklandschaft am Obermain sei einem strukturellen Wandel unterzogen. Der Bezirk mache sich Gedanken, was und wie gebaut werden soll. Die Überlegungen seien ergebnisoffen, sagt Porsch.

In jedem Unternehmen dieser Größenordnung - das Bezirksklinikum mit Wohnheim hat derzeit rund 800 Mitarbeiter - seien strategische Überlegungen üblich. Ein kommunaler Träger, der mit öffentlichen Geldern wirtschafte, müsse prüfen, wie groß ein Neubau werden darf, um wirtschaftlich zu sein. Konkret gehe es darum, nur so groß zu bauen wie man's braucht.


Pläne werden diskutiert

Christian Porsch weist darauf hin, dass die Pläne am 2. März in einer Verwaltungsratssitzung vorgestellt werden. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, die sich aus dem Gutachten ergeben, doch beschlossen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts. Es sei vorgesehen, unmittelbar nach der Entscheidung zuerst die Mitarbeiter zu informieren, fuhr er fort. Das werde in einer Personalversammlung geschehen. Der Bezirk als Träger des Klinikums werde versuchen, die Arbeitsplätze zu erhalten.


Größter Arbeitgeber

Absolut nicht glücklich über die Pläne des Bezirks ist Bernhard Storath (CSU), der Bürgermeister der Marktgemeinde Ebensfeld, auf deren Gebiet Kutzenberg liegt. "Das Bezirksklinikum ist unser größter Arbeitgeber", sagt er. Dass die Bezirksräte hinter verschlossenen Türen beraten, ärgert ihn. Storath: "Ich kann doch nicht einfach einen Standort plattmachen!" Die Bezirksräte müssten Schaden für die Beschäftigten abwenden. Dass die Lokalpolitiker im Vorfeld nicht einbezogen werden, hat für ihn "schon einen Geschmack".

Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU), der dem Bezirkstag angehört, sagt über den Beratungstermin des Ausschusses Kommunalunternehmen am 2. März auf Anfrage dieser Zeitung: "Ich hab' eine Tagesordnung erhalten, die mich erschreckt." Etliche Dinge bezüglich der Neustrukturierung seien nicht ausdiskutiert und müssten kritisch beleuchtet werden. "Das ist noch lange nicht ausgegoren", beurteilt er den Sachstand.

Hermann Schilling, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft für das Gesundheitswesen in Bayern LBB (Landesverband Bayerischer Bezirks-Beschäftigter), kennt die Pläne bisher nur vom Hörensagen. "Man weiß ja noch gar nichts", sagt er auf Nachfrage dieser Zeitung. Er selbst sei lange in Kutzenberg beschäftigt gewesen und dort gut vernetzt. "Wir haben in Kutzenberg fast jeden Zweiten in unserer Gewerkschaft", insgesamt rund 350 Arbeitnehmer. Sollte es dazu kommen, dass etwas Nachteiliges für die Beschäftigten beschlossen wird, werde die LBB "auf jeden Fall eine Protestaktion machen".


Gewerkschaft ist kampfbereit

Nachteilig wären etwa Umsetzungen von Mitarbeitern nach Bamberg oder Scheßlitz, denn er fürchte, dass die Kutzenberger Angestellten dann möglicherweise zu schlechteren Konditionen arbeiten müssten. "Dagegen werden wir uns wehren", kündigt er an. Zudem müssten beim Umsetzen von Mitarbeitern Überleitungsverträge abgeschlossen werden, um sie nicht schlechter zu stellen. "Wenn die Sozialauswahl nicht passt, werden wir uns auf die Hinterbeine stellen", sagt Schilling.




Kommentar


Schutz der Arbeitnehmer nicht außer Acht lassen

Viele Kliniken in Deutschland stellen sich neu auf, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können. Das darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer geschehen. Sollte eine neue Struktur des Klinikums Obermain unvermeidbar sein, dann bitte auf keinen Fall zu Ungunsten der Beschäftigten! Der Bezirk hat die moralische Verpflichtung, seine Mitarbeiter zu schützen. Was mit diesen Menschen geschieht, müssen sich die Verantwortlichen überlegen, bevor sie einen Neubau planen, in dem möglicherweise weniger Menschen arbeiten.

Matthias Einwag