Spontane Antwort von Klaus Kasper, dem Kreisvorsitzenden der Freien Wähler: "Viele Nerven!" In der Hauptphase des Kommunalwahlkampfs, seit Anfang Februar, sei er jeden zweiten Abend bei einer Veranstaltung seiner Partei im Kreis unterwegs gewesen, sagt der 39-jährige Studienrat, der für den Lichtenfelser Kreistag kandidiert. Diese abendlichen Verpflichtungen kosten vor allem Zeit - Zeit, die seinen beiden kleinen Kindern abgeht, die bereits schlafen, wenn er nach den Wahlkampfveranstaltungen heimkommt.

Die finanzielle Seite sei vom FW-Kreisverband und den Ortsverbänden gut organisiert, so dass für die Kandidaten ein relativ geringer Aufwand entstehe. Die Fahrtkosten müsse jeder selbst aufbringen, und was die Kleidung betrifft, sei er ganz gut ausstaffiert.
Der Kreisverband der Freien Wähler bringe für den Kommunalwahlkampf etwa 6000 Euro auf; das Geld werde vor allem für Prospekte und deren Verteilung gebraucht, denn plakatiert werde nicht.

Der Wahlkampf koste vor allem Zeit, sagt auch Landrat Christian Meißner (CSU), der selbst zwar nicht zur Wahl steht, aber als CSU-Kreisvorsitzender seine Parteifreunde unterstützt. Abendtermine nehme in dieser Zeit jeder in Kauf, doch "das macht ja auch Freude". Er selbst sei inzwischen bei Wahlkampfveranstaltungen in allen elf Kommunen des Landkreises gewesen. Das sei gut investierte Zeit: "Die Resonanz rechtfertigt den Aufwand."

"Finanziell sind wir für Stadtrats- und Bürgermeisterwahlen bei einem Betrag, der das Vierstellige übersteigt", sagt Andreas Hügerich (SPD), der das Amt des Lichtenfelser Bürgermeisters anstrebt. "Natürlich habe ich mir ein paar Hemden zugelegt", fährt der 30-Jährige fort, "als Standesbeamter verfüge ich aber über ein Repertoire an Kleidung, das es mir leicht macht."

In den vergangenen Wochen kostete der Wahlkampf ihn also kaum Geld, aber viel Zeit, resümiert Andreas Hügerich. Familie und Freunde hätten in dieser Zeit oft das Nachsehen gehabt.

"Es macht aber auch Spaß, diese Zeit zu investieren, weil man mit vielen Menschen in Kontakt kommt." Unterm Strich überwiegen die positiven Eindrücke. Er sei dankbar, die Erfahrung dieses Wahlkampfs nun zu haben, denn dadurch habe er viel dazugelernt - sowohl über die Stadt als auch über sich selbst. Und bei all der zeitlichen Belastung habe er immer Zeit gefunden für seine Freundin und für sein Hobby, den Laufsport.

Mit vielen Menschen im Gespräch

"Erstmal Zeit und Nerven", beantwortet der Bäckermeister Mathias Söllner, der für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen um das Lichtenfelser Bürgermeisteramt geht, unsere Frage. "Aber es ist auch eine tolle Lebenserfahrung, mit vielen Leuten zu sprechen, auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist", sagt er.

Finanziell habe ihn der Wahlkampf fast nichts gekostet, sieht man von den paar Kilometern ab, die er zu den Veranstaltungen im Stadtgebiet gefahren ist. "Ich hab' mir keine neuen Klamotten gekauft, ich bin ja kein Dressman", antwortet Mathias Söllner auf die Frage nach seiner Garderobe. "Wir haben auch relativ wenig plakatiert - man muss ja nicht an jeder Ecke hängen", fügt er an.

"Ich musste keinen Rhetorikkurs machen und keine Anzüge kaufen", sagt Günter Dippold, der als Parteiloser für die CSU den Chefsessel im Lichtenfelser Rathaus anstrebt. In erster Linie habe ihn der Wahlkampf Zeit gekostet. Zeit, um Veranstaltungen vorzubereiten, und für Hintergrundarbeit: "Man muss sich schlau machen, muss wissen, wovon man redet", sagt der Historiker und Bezirksheimatpfleger, für den manches, was er im Wahlkampf auf dem Gebiet der Kommunalverwaltung kennenlernt, neu ist.

Wahlkampf geht an die Substanz

Wenn der Wahlkampf vorüber sein wird, werde er ungefähr 50 Veranstaltungen bestritten haben, fährt Günter Dippold fort: "Das ist eine Menge, das spürst du schon." Jeden Lichtenfelser Stadtteil habe er zweimal aufgesucht, sagt er über die größte Flächengemeinde Oberfrankens. Diese Besuche in all den Dörfern und Stadtteilen seien aber in erster Linie mit vielen positiven Erlebnissen verbunden: "Am Ende fühle ich mich durch den Wahlkampf an Erfahrungen und Begegnungen bereichert."
Die Zeit, die er in die Gespräche investierte, habe ihm viele Erkenntnisse darüber gebracht, was die Leute wollen. Vieles decke sich mit dem, was er vermutete, "aber es gibt auch wahnsinnig viele positive Überraschungen".
Müsste Günter Dippold sich noch einmal entscheiden, ob er den Wahlkampf auf sich nehmen wolle, würde er sich nicht anders entscheiden: "Ja, ich tät's wieder machen."