Tony Spinner signierte seine Alben im altehrwürdigen Lichtenfelser Stadtschloss mit einem flott dahin geschriebenen "Howdy!" - einem "Hallo!", wie man es aus der Western- und Trucker-Szene kennt.

Der Musiker aus Missouri ist ein bodenständiger und legerer Typ. Und obendrein auch noch ein leidenschaftliche Musiker, der seine Kunst nicht so wichtig nimmt, auch wenn er sie meisterhaft beherrscht.

Den Beweis dafür lieferte er am Donnerstagabend bei seinem mehr als zweistündigen Gastspiel in der Korbstadt ab, das die St.-Georgs-Pfadfinder Lichtenfels und die Stadt Lichtenfels auf die Beine gestellt hatten.


Kein Radiosound

Wie schon vor zwei Jahren trumpfte der ehemalige Toto-Gitarrist mit einem erstklassigen Programm auf, das zwischen feurigem Funk, rustikalem Blues und aufpeitschendem Rock hin- und herpendelte.


Im Unterschied zu seiner Live-Premiere, die 170 Besucher verfolgt hatten, waren es diesmal rund 100 Besucher weniger gewesen. Verdient hatte er es nicht, war sein Gastspiel doch wieder aus einem erstklassigen kreativen Holz geschnitzt. "Earth Music For Aliens - irdische Musik für Außerirdische", so heißt sein aktuelles Album. "Mein Sound ist Lichtjahre entfernt von der glattpolierten Rock- und Popmusik, die man gegenwärtig auf vielen Radiosendern hören kann", sagte der Künstler in der Pause. Das Publikum folgte dem sympathischen Musiker von Beginn an bereitwillig. Es schien vom Planeten der Denker zu kommen, um in der Sprache Spinners zu bleiben.


Doppelte Unterstützung

Denn mitunter geht es bei ihm unorthodox zu. Die kraftvollen, markanten Akkordfolgen des Beatles-Klassikers "Come Together" bildeten nur den Rahmen für die Improvisationslust, die Tony Spinner (Gesang und Gitarre) und seinen beiden musikalischen Begleiter, der Niederländer Michel Mulder und der Deutsch-Usbeke Alex Steier bei ihrem Gastspiel in Lichtenfels an den Tag legten.

Letztere sorgten für ein erstklassiges Rhythmusfundament, auf dem sich Spinners extrovertiertes Gitarrenspiel voll entfalten konnte. Meisterhaft brachte Spinner mit einem "Flaschenhals" an seinem Ringfinger die Gitarre zum Weinen oder ließ sie Freudentänze vollführen. Vom kreativen Hafer gestochen, konnten sich die drei Akteure, die perfekt miteinander harmonierten, schon einmal auf ausufernde Pfade begeben. Wie schön, dass er anschließend den Evergreen "Maybelline" aus seinem musikalischen Hut zauberte, der nach dem angestrengten Zuhören einer Labsal - einer Erfrischung für die Ohren - gleichkam, die gute Laune in die Herzen der Zuhörer zauberte.


Sterben muss jeder

Auch der Schalk saß Tony Spinner mehr als einmal im Nacken. Für den Kult, der um tote Rock- und Popstars gemacht wird, hatte er nur eine müdes Lächeln und jede Menge Hohn und Spott übrig. "Denn Sterben müssen wir alle einmal", so sein Fazit. Quietschfidel ging es aber an dem Abend in Lichtenfels zu. So schenkten die drei sich nichts in ihrem temporeichen, abendfüllenden Programm.