"Therapiehunde werden auf Leckerli fixiert, die erkennen oft nicht mehr das Herz eines Menschen", versuchte Ingrid Wintergerst am Samstagnachmittag ein faszinierende Phänomen zu erklären. Die Hunde, die sie nämlich mit sich führte, waren keineswegs Therapiehunde, sondern stammten allesamt aus deutschen oder ausländischen Tierheimen und hatten nun einen Platz gefunden über den Bamberger Verein "Tiere helfen Menschen".

Beim Besuch im Pflegeheim für chronisch psychisch erkrankte Menschen in Kutzenberg verhielten sich ihre Tiere dann auch ganz anders: sie suchten von sich aus den Kontakt zu den Bewohnern, schmiegten sich bei ihnen an, forderten sie geradezu heraus zu langen Streicheleinheiten. "Der Hund hat eine ganz natürliche Liebe zum Menschen, es ist ja praktisch sein Ur-Partner", erklärte die Vereinssprecherin Ingrid Wintergerst.

Hunde fragten nicht nach Schönheit oder sozialem Status, Gesundheitszustand oder Alter: sie seien einfach da und schenkten ihr Vertrauen. Genau das ist der Grund, warum die Besuche der Tiere bei den Bewohnern von Haus 7, 8 und 1 so beliebt sind.

Mit Hundekuchen-Backen und Basteln von Holzblumen für die Herrchen und Frauchen hatten sich die rund 50 Bewohner schon auf den tierischen Besuch vorbereitet. Leider machte das Wetter an diesem Samstag nicht ganz so mit, und so mussten die Tiere die Patienten anstatt im großen Garten in den Aufenthaltsräumen und Speisesälen besuchen.

21 Hunde der verschiedensten Rassen und Mischungen erfreuten das Herz der Bewohner: Patienten, die zuerst eher teilnahmslos auf ihrem Platz oder in ihrem Rollstuhl saßen, begannen, sich zuerst zaghaft, dann richtig neugierig für ihre Besuch zu interessieren. Ein Blick aus den treuen Augen von Dackeldame "Trude", ein Stubs mit der feuchten Nase vom schwarzen Labrador-Mischling Bella und ein schmusebedürftiger Fledermauspinscher "Trixi" zauberten ein Lächeln in die Gesichter. Als der Regen später etwas nachlies, wagten sich einige Bewohner zum Spaziergang mit "ihrem" Hund ins Freie.

Nicht nur Christian Oßmann, Stationsleiter im Haus 7, hatte hinterher eine "Jack-Wolfskin-Hose" an - die, mit der Tatze... "Macht nix, dann habe ich auch ein Andenken", lachte er . Auch im nächsten Jahr kommen die Tierfreunde wieder ehrenamtlich vorbei und verbringen ein paar abwechslungsreiche Stunden mit ihren Kutzenbergern.