Thomas Kneipp (CSU) hat selbst ein Jahr lang überlegt. "Der damalige Zweite Bürgermeister hat mich gefragt, ob ich nicht für den Gemeinderat kandidieren möchte", erinnert sich Kneipp. Das hat ihm imponiert, dass ausgerechnet er gefragt wurde. Dann ließ er sich das lange durch den Kopf gehen, besuchte Gemeinderatssitzungen als Zuschauer und hat sich dann entschieden: Ja, ich versuche das mal. Der Versuch war ein Erfolg. "Als ich dann noch von Listenplatz 8 auf Platz 2 vorgewählt wurde - das war einfach sensationell und hat mich noch mehr motiviert."


Ich bin jetzt 55 und bereit, noch mal sechs Jahre für die Gemeinde zu arbeiten.

Thomas Kneipp (CSU)
Bürgermeister in Hochstadt

 



Am 16. März 2014 wird wieder gewählt. Kneipp will zum vierten Mal als Bürgermeister antreten. "Ich bin jetzt 55 und bereit, noch mal sechs Jahre für die Gemeinde zu arbeiten." Wenn er gewählt wird, geht er davon aus, dass er zumindest den Baubeginn der Umgehung der Bundesstraße noch erlebt.
Die nicht enden wollende Geschichte der Umgehung von Trieb und Hochstadt könnte einem Ende entgegen gehen. Noch in diesem Jahr soll das Anhörungsverfahren stattfinden, und dann gehen die Unterlagen nach Brüssel. Wenn sie wiederkommen, rechnet Kneipp, besteht Baurecht.

"Es sei denn, der neue Gemeinderat entschließt sich, dagegen zu klagen." Ein Bürgerentscheid aus dem Jahr 2009 forderte den Gemeinderat auf, gegen die jetzt geplante Süd-Trasse zu klagen. An dieses Votum war der Gemeinderat ein Jahr gebunden. Kneipp sieht den Erfolg einer Klage skeptisch: "Wir haben inzwischen von mehreren Anwälten bestätigt bekommen, dass wir mit der Klage höchstwahrscheinlich scheitern werden." Die neuen Gemeinderäte werden diese Entscheidung treffen müssen. Und es werden tatsächlich etliche neue dabei sein. "Ich weiß aus der Fraktion der CSU, dass mindestens drei Gemeinderäte aus Altersgründen nicht mehr kandidieren."

Kneipp beobachtet, dass in Musikverein, Theatergruppe und bei der Spielvereinigung Obersdorf inzwischen junge Frauen und Männer in der Vereinsleitung engagiert sind. "Alle Parteien und Gruppierungen wären gut beraten, wenn sie auf solche Leute zugehen, und versuchen, sie in den Gemeinderat hinein zu bekommen."


Hoffnung auf gute Mischung
Im Augenblick sitzen zwölf Männer im Gemeinderat. Kneipp hofft, dass der nächste Gemeinderat gut gemischt sein wird. Männer und Frauen, Junge und Ältere, aber auch Alteingesessene und Neubürger. "Es lohnt sich doch, sich für das eigene Umfeld einzusetzen. Und der Aufwand ist machbar. Das sind zwei bis drei Termine im Monat", sagt Kneipp.

Für noch mehr Neubürger möchte er auch ein neues Baugebiet ausweisen. Im Augenblick laufen dafür Grundstücksverhandlungen. Es liegt derzeit noch an der Bundesstraße, aus Richtung Trieb kommend, links vor der Ortseinfahrt nach Hochstadt. "Wasserschapfen" ist ein Steckenpferd des Bürgermeisters. Am liebsten möchte er hier eine Siedlung nach ökologischen Gesichtspunkten, verbunden mit altersgerechtem Wohnen, oder Betreuung für Senioren, errichten. Auch das wird eine Aufgabe des neuen Bürgermeisters und des neuen Gemeinderats.

"Das macht die Politik in der Gemeinde schnell spürbar. Wenn wir ein Baugebiet ausweisen, haben wir nach zwei Jahren neue Bürger, die zu uns ziehen. Das ist der Unterschied zur großen Politik, die oft sehr langsam ist", sagt Kneipp.

Bis zur Wahl baut Hochstadt noch ein wenig spektakuläres Regenrückhaltebecken neben der Kläranlage. Eine Pflichtaufgabe, die viel Geld kostet. 430 000 Euro muss die Gemeinde dafür ausgeben. Dagegen ist der Vorbau an Rathaus und Kindergarten vergleichsweise günstig: Hier will die Gemeinde 220 000 Euro investieren.
Teuer wird es dann erst im kommenden Jahr. Dann will die Gemeinde den Hauptkanal für Abwasser zwischen Katzogelhalle und Kläranlage erneuern. "Das kostet eine Million Euro, auch, weil wir unter der Bahn durch müssen", sagt Kneipp. Auch solche Entscheidungen trifft der Gemeinderat - meist einvernehmlich. "Wenn ein Fremder zu uns in die Sitzung käme, er würde nicht erkennen, wer zu welcher Gruppierung gehört", schätzt der Bürgermeister. Und so wünscht er sich auch den Wahlkampf: Für Hochstadt, für Personen, ohne persönliche Angriffe. "Die vergangenen beiden Wahlen waren absolut fair. Da hatte ich keine Nacht, in der ich nicht schlafen konnte."