Ambitionierte Seubelsdorfer gegen verhaltene Michelauer - so könnte man das Derby zwischen den Schachnachbarn aus Lichtenfels und Michelau vom vergangenen Spieltag in der Schach-Bezirksoberliga zusammenfassen. Im Kampf zweier nominell gleich starker Mannschaften, sollte diesmal das Seubelsdorfer Team mit 5:3 schlagkräftiger sein.


Seubelsdorfer favorisiert

Es ging um nicht weniger als eine Richtungsbestimmung in der Bezirksoberliga. Die mit einem Erstrundensieg im Rücken angetretenen Seubelsdorfer wollen aufsteigen, der SK Michelau hingegen musste bei seinem Auftakt schon eine bittere Pille schlucken. Verlieren wollte man nicht erneut, trotzdem fiel die Begrüßung durch Mannschaftskapitän Andreas Schüpferling klar bewertend aus: "Wir begrüßen den Meisterschaftsfavoriten aus Seubelsdorf." Würde der so erklärte Favorit seiner Rolle gerecht werden? Und wenn ja, in welcher Höhe?
Einen ersten kleinen Dämpfer mussten die Michelauer am letzten Brett hinnehmen. Alfons Schüpferling kam gegen Kilian Mager nicht über ein Unentschieden hinaus. Beide Spieler sahen sich nach der Eröffnung in der Ausgangslage, auf den jeweils anderen König loszustürmen. Doch es folgte ein Abtausch nach dem anderen, immer mögliche Einbruchsfelder für Leichtfiguren im Blick. Daraus sollte für keinen der beiden etwas werden.
Eng an die Strategie ihrer Eröffnung hielten sich der Michelauer Edgar Schaller und der Seubelsdorfer Matthias Bergmann. Eben das ließ die beiden Widersacher in einer Kurzpartie die Läuferpaare behalten und die Remisbreite nicht verlassen.


Gebhardt kämpft Grüner nieder

Kampfgeist deutete hingegen Christian Gebhardt an. Der Seubelsdorfer hob mit den schwarzen Steinen schon in der Eröffnung das Gleichgewicht auf, indem er den Verlust eines Einzelbauern für Mobilität in Kauf nahm. Im Mittelspiel half Gert Grüner dazu etwas nach, als er seinen Springer in den Kampf gegen das Läuferpaar sandte, und in sich auf dem Damenflügel vergaloppierte. Gegen eine ersatzlose Eroberung half nur ein Bauernverlust samt Zersplitterung der eigenen Bauernstruktur. Nun aber waren die Figuren Gebhardts bald so ausgerichtet, dass ein Mattangriff auf den König wahrscheinlich schien und unter Zutun Grüners durchschlagen konnte.
Das Signal für den Mannschaftssieg schien damit gegeben worden zu sein, denn nun sollten auch Markus Häggberg und Andreas Schüpferling ihre Partien verlieren. Aus der Eröffnung heraus womöglich einen Hauch besser stehend, verließ sich Häggberg gegen Marco Hofmann auf eine nur scheinbar gute Entwicklungsfortsetzung und erfuhr einen starken Bauernkonter im Zentrum. Die Folge war eine höhere Beweglichkeit der feindlichen Figuren, verbunden mit letztlich unparierbaren Drohungen.
Hoffnung keimte bei den Michelauern auf, als Benjamin Zerr den Seubelsdorfer Uwe Voigt durch seine seltene Eröffnung Zerr aufs Glatteis führte. Die Gelegenheit zu einer taktischen Finte nutzte Zerr sofort aus. Der daraus resultierende Qualitätsgewinn sollte zum Gewinn reichen.


Bauer auf f6 als Sargnagel

Dann aber ein neuer Aufwind für Seubelsdorf durch Ivan Adamovic, der in Schüpferlings Paradeeröffnung landete. Der Bauer, der auf dem Feld f6 zum berühmten Sargnagel wird, sollte zum Sieg beitragen. Die langschrittigen Läufer gegen Schüpferlings Königsflügel samt einsam stehenden Monarchen ausgerichtet, während dessen Kräfte auf dem falschen Flügel gebündelt standen, hätte Adamovic seinen taktischen Überfall sogar noch ein paar Züge früher vollenden können.
Einen Anschlusstreffer für Michelau erzielte Bernd Stammberger, da Hans-Jürgen Drechsel nach zunächst gutem Spiel lax wurde, eine Schwächung der Bauernstruktur zuließ und im schlecht behandelten Turmendspiel gar einen Freibauern passieren lassen musste. Auch Seubelsdorfs Spitzenspieler Michal Michalek landete einen vollen Punkt, wenngleich sehr weit im Endspiel nach über 70 Zügen und bei völlig reduziertem Material. Letztlich sollte sich das geduldige Manövrieren bei der Durchsetzung eines Mehrbauern bezahlt machen.
Die letztendlichen Fahrpläne für die beiden Teams sind noch nicht geschrieben, aber die Richtungen sind weit voneinander entfernt. MH