Am Montagnachmittag saßen noch immer 25 Leute im Hof des Vorsitzenden Norbert Böhmer. "Um Viertelacht haben sie mich geweckt und bei mit weitergefeiert", schildert Böhmer die Euphorie beim TSV Ebensfeld, der am Sonntagabend mit dem Sieg bei der SpVgg Stegaurach nach Elfmeterschießen in die Fußball-Landesliga aufgestiegen ist. "Ein großer Tag für den Verein", sagt Böhmer.

Dorfverein mit großem Zusammenhalt

Das Bild aus dem Hof des Vorsitzenden spiegelt die Situation des Dorfvereins aus dem Landkreis Lichtenfels wider. "Der Zusammenhalt im Team war ein Erfolgsfaktor der Saison", weiß Böhmer. Ein weiterer kam vor der nun abgelaufenen Spielzeit und heißt Klaus Gunreben. Der 65-jährige Trainer sorgte beim TSV, der in der Saison zuvor als Tabellen-15. den Ligaverbleib erst in der Relegation geschafft hatte, vor allem für Disziplin und Ordnung auf dem Platz, was sich besonders auf die Stabilität der Abwehr auswirkte. "Wir haben im Vergleich zur Vorsaison 30 Tore weniger kassiert, und das, obwohl wir bis auf zwei Spieler die gleiche Mannschaft hatten", lobt der Vorsitzende seinen Trainer, der schon vor dieser Runde die Qualitäten seiner Truppe erkannt hatte.

Gunreben mit Seher-Qualitäten

Gunreben fragte vor der Vertragsunterzeichnung die Verantwortlichen, ob sie sich im Fall der Fälle gegen einen Aufstieg sträuben würden. "Wir haben über den Gedanken innerlich gelacht", erzählt Böhmer nun ein Jahr später, dachte er doch eher wieder an einen Kampf gegen den Abstieg als einen Aufstieg. "Der Trainer hat an den richtigen Schräubchen gedreht, konnte die Truppe auf jede Mannschaft optimal einstellen und hat die richtigen Leute gegen den entsprechenden Gegenspieler eingesetzt. Damit hat er alle Mann im Kader mitgenommen, da er stets begründete, warum nun dieser Spieler auf dem Feld stand und nicht ein anderer - ein Vorbild an Menschenführung", sagt Böhmer. So saßen am Sonntag in Stegaurach auch alle einsatzfähigen Ersatzspieler auf der Bank.

Angriff war schon immer gut

Die Offensive sei in Ebensfeld noch nie das Problem gewesen, so Böhmer, "wir haben oft unbeschwert nach vorn gespielt und entsprechend auch Gegentore kassiert. In diesem Jahr haben wir auch Partien über die Abwehr gewonnen, weil wir zu Null gespielt haben."
So behauptete sich der TSV Ebensfeld in der Bezirksliga vor Gunrebens Ex-Verein, der SpVgg Ebing, und dem FC Lichtenfels bis zum Schluss auf Rang 2. Entscheidend war die Siegesserie von sechs Spielen vor der Winterpause und das Doppelspielwochenende im April, als der TSV beim Meister FC Coburg einen Punkt holte und zwei Tage später den FC Lichtenfels besiegte.

Vollgas bis zum Schluss

Bis zum Schluss der Runde mussten die Spieler Vollgas geben. In der ersten Runde der Relegation reichte die Kraft gerade noch, um die - so Böhmer - "eigentlich bessere SpVgg Erlangen" glücklich im Elfmeterschießen aus dem Rennen zu werfen. Gegen die SpVgg Stegaurach waren die Spieler dann völlig am Ende. "Vier Spiele innerhalb so kurzer Zeit sind einfach zu viel", kritisiert der Vereinsvorsitzende den Relegationsmodus mit Hin- und Rückspielen in zwei Runden. Ein Ebensfelder Spieler ist am vergangenen Mittwoch, nachdem er acht Stunden auf dem Bau gearbeitet hatte, 90 Minuten auf dem Platz gestanden. "Da gehen Amateure aufs Feld. Die Spieler verletzen sich oder müssen angeschlagen spielen. Die kommen sich vor wie Zirkuspferde. Das sieht man beim BFV nicht."
Seine Eindrücke vom Rückspiel gegen Stegaurch schildert Böhmer folgendermaßen: "Die Stegauracher waren zwar spielerisch nicht besser, aber die haben gekämpft wie die Ochsen. Die zweite Partie war ein K.o.-Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Vor dem Elfmeterschießen hatte ich ein schlechtes Gefühl, aber das haben die Jungs nervenstark gelöst."

Nur 37 Tage bis Saisonbeginn

Nun beginnen in Ebensfeld die Vorbereitungen auf die in fünfeinhalb Wochen, am 18. Juli, beginnende Landesliga-Saison. Die vielen Vorgaben des BFV wie Plastikbecher bei der Getränkeausgabe, Stadionordner, Videoverbot und so weiter sind zu beachten.

Mannschaft bleibt zusammen

Bei der Mannschaft ändert sich nicht viel. "Alle haben für die nächste Saison zugesagt. Keiner will gehen, doch warte ich erst einmal das Ende der Wechselfrist ab", äußert sich Böhmer vorsichtig. Ein Neuzugang stehe schon fest. Auf finanzielle Abenteuer werde man sich nicht einlassen. "In Ebensfeld wird auch in Zukunft kein Geld an die Spieler gezahlt", sagt der Vorsitzende.

Derbys fehlen in der Landesliga

Wirtschaftlich reizvoll ist die Landesliga sicher nicht. Derbys gegen Ebing oder Lichtenfels fallen weg. Die Freundschaften, die man mit Bezirksligavereinen wie mit Mitwitz oder Ludwigsstadt geschlossen habe, ruhen, so Böhmer. Dass sich die Zuschauer bei Misserfolgen abwenden könnten, glaubt der Vorsitzende nicht. "Ich bin mir sicher, dass unsere treuen Fans auch kommen werden, wenn wir mehr Spiele verlieren." Über 250 kamen im Schnitt zu den 17 Heimspielen während der Bezirksliga-Runde.