Am Wochenende verwandelt sich Zell am See zum Triathlon-Mekka, wenn es im Salzburgerland um die Weltmeisterschaft über die Ironman-Halbdistanz 70.3 geht. Die Athleten müssen einen 1,9 km langen Schwimmkurs im Zeller See überwinden, gefolgt von einem 90 km Radkurs durch die österreichischen Alpen. Abschließend führt die 21 km lange Laufstrecke zur Ziellinie mitten in der Altstadt von Zell am See. Zusammen sind das 70,3 Meilen, wodurch sich die Bezeichnung Ironman 70.3 erklärt.
Erstmals wird die WM nicht in Nordamerika ausgetragen. Über die Hälfte der Teilnehmer kommt auch aus Europa. Titelverteidiger ist der Spanier Javier Gomez. Sein Vorgänger ist Sebastian Kienle aus Mühlacker, der sich 70.3-Weltmeister 2012 und 2013 nennen darf und im vergangenen Jahr auf Hawaii den WM-Langdistanztitel gewonnen hat. Aber auch etliche andere deutsche Favoriten sind am Start.
Jan Frodeno, Andreas Böcherer, Michael und Andreas Raelert, Nils Frommhold und der Michelauer Andreas Dreitz.


Deutsches Podium möglich

Beim Männerrennen ist ein rein deutsch besetztes Podium durchaus möglich. "Gomez und Frodo erwarte ich ganz vorne", sagt Dreitz, wobei der den Deutschen als stärker einschätzt. Aber auch den Neuseeländer Terenzo Bozzone hat der Franke auf der Rechnung. Der 30-jährige "Kiwi" hat erst am vergangenen Wochenende das 70.3-Rennen in Budapest souverän gewonnen. "Mir wäre aufgrund der Wichtigkeit des WM-Rennens eine Woche später der zeitliche Abstand zu gering. Doch er ist alt genug und weiß, was er kann", sagt Dreitz zu dieser Art der Vorbereitung.


"Stiller, netter Junge von nebenan"

In Fachkreisen zählt der 26-jährige Oberfranke vom Team Erdinger-alkoholfrei zu den Medaillenkandidaten. Solide schwimmen, hart Rad fahren und beim Laufen den erarbeiteten Vorsprung verwalten. So lautete bisher das Rezept von Dreitz, das vor ihm auch Sebastian Kienle an die Weltspitze geführt hatte. Das Fachmagazin Triathlon bezeichnete ihn vor kurzem als Prototypen des stillen, netten Jungen von nebenan. Doch auf der Rennstrecke hat der Oberfranke gelernt, gnadenlos zu sein - und reiht auf der Mitteldistanz mittlerweile einen Sieg an den anderen. Heuer verteidigte der für den Bayreuther Schwimmverein startende Michelauer seinen Titel beim 70.3-Rennen auf Mallorca, gewann auf der gleichen Distanz in Raleigh (North Carolina/USA), wurde Dritter beim City-Triathlon in Heilbronn und Siebter bei der 70.3-Europameisterschaft in Wiesbaden.


Zu Jahresbeginnt lahmgelegt

Dabei begann das Jahr 2015 für den 26-Jährigen überhaupt nicht gut. Während der Vorbereitung auf die Challenge Dubai erkrankte Dreitz am Pfeifferschen Drüsenfieber. Damit verpasste der Oberfranke nicht nur vier Wochen an Vorbereitungszeit auf die Saison, sondern auch ein mögliches lukratives Preisgeld, das die Scheichs aus dem Emirat ausgelobt hatten.
Eine ordentliche Prämie gibt es auch in Zell am See zu gewinnen, 45 000 US-Dollar gibt es für den Sieger 4500 noch für Platz 10. Doch der Titel wäre mit Geld nicht aufzuwiegen.


Generalprobe misslungen

Bei der Generalprobe in Wiesbaden vor drei Wochen verlor der Michelauer das Rennen beim Schwimmen, das er mit einer schwachen Leistung absolvierte. "Das war einfach nicht mein Tag. Schon in der unmittelbaren Vorbereitung hat es ein, zwei Dinge gegeben, die schief gelaufen sind", erzählt Dreitz. Da konnte der 26-Jährige, der auf der 90-Kilometer-Radstrecke die Weltbestzeit bei einem 70.3-Rennen hält, selbst in seiner Paradedisziplin den Rückstand nicht mehr aufholen, denn inzwischen haben die Konkurrenten sich auf dem Rad verbessert. "Meine gute Leistung aus Heilbronn im Juni, als ich Dritter wurde, gibt mir Motivation für die WM", sagte Dreitz vor einigen Wochen. Ob es am Sonntag in Zell am See für einen Podiumsplatz reicht?


Nichts dem Zufall überlassen

"Schau'n mer mal", hält es der Profi vom Team Erdinger-alkoholfrei nach dem Beckenbauer-Motto. Jedenfalls hat Dreitz nichts dem Zufall überlassen, fuhr die Radstrecke schon vor zwei Wochen ab und weiß, wo er attackieren kann. "Wenn wir die WM schon mal vor der Haustür haben, dann will ich den Heimvorteil auch nutzen", so der "Man in Blue". Am Filzensattel (1280 m) wird sich eventuell die Spreu vom Weizen trennen. "Ich trete jedenfalls nicht an, um Zehnter zu werden, auch wenn Platz 10 in einem solch starken Feld aller Ehren wert wäre", sagt der Michelauer. "Der Radkurs hat nur eine, wenn auch lange Steigung. Mir wäre es etwas bergiger lieber gewesen, schließlich sind wir in den Alpen", so das Rad-Ass. Dreitz weiß aber auch: "Wer gewinnen will, muss auch etwas riskieren. Ich will ganz vorne landen, will mich auf der Radstrecke durchsetzen." Beim Schwimmen sieht sich der 26-Jährige noch nicht in der Lage zu agieren. Er will seinen Trumpf auf der Radstrecke ausspielen.


Laufstrecke inspiziert

Auch die Laufstrecke hat Dreitz bereits inspiziert. Überwiegend flach am See und im Ort dann etwas verwinkelt, gab er im Gespräch mit unserer Zeitung an. "Nur bei einer Unterführung müssen die Großgewachsenen aufpassen, denn die ist nur etwa zwei Meter hoch", weiß der 1,84 m große Franke.
Am Mittwochabend fuhr Dreitz erneut den zweiten Teil der Strecke ab. "Das war aufgrund des Verkehrs gar nicht so einfach." Mit seinem Trainer Rainer Skutschik, seinem Schwimmtrainingspartner, einem Physiotherpeuten und einigen Daumendrückern aus der Heimat will er dann am Sonntag ab 10.45 Uhr den großen Coup landen.


Livestream

Das Rennen der 70.3-Weltmeisterschaft in Zell am See kann im Internet unter www.ironman.com im Livestream verfolgt werden.