Der Mythos von Sisi ist ungebrochen. Die beliebte, aber auch exzentrische Kaiserin fasziniert die Menschen und bleibt weit über ihren gewaltsamen Tod (1898) hinaus im kollektiven Gedächtnis. Durch die Sisi-Filme mit Romy Schneider ist die Monarchin nahezu unsterblich. Ihr Vater, Herzog Maximilian in Bayern (im Film von Gustav Knuth als warmherziger Mann dargestellt), hat sich eine gewisse Berühmtheit erworben - vielleicht durch sein geistreiches und charmantes Wesen oder seine Leidenschaft, Zither zu spielen.

Sisi wuchs in Possenhofen auf. Doch war sie auch in Banz, das ihrem Vater, Herzog Max in Bayern, gehörte? Nach der Säkularisation hatte Herzog Wilhelm in Bayern das Kloster erworben, das fortan die Bezeichnung Schloss Banz trug. Herzog Max, der 1808 in der Bamberger Residenz geboren ist, war schon als Kind gern in Banz. In dem eben erschienenen Bildband "Sisis Vater" schreibt Bernhard Graf: "So freute sich Maximilian besonders, wenn er den tristen Alltag in Bamberg hinter sich lassen konnte und seine Ferien in Banz verbringen durfte."

Das änderte sich auch später nicht, Herzog Max verbrachte viel Zeit in Banz. Dorthin ließ er schließlich auch die Kunstschätze schaffen, die er von seiner Orientreise 1838 mitbrachte. Noch heute bilden sie als Orientalische Sammlung einen wichtigen Teil des Klostermuseums.


Max erbte Banz vom Großvater

Banz war vor allem Sommer- und Jagdsitz der Herzöge in Bayern. Ab 1814 war es das erste Eigentum und eine wirkliche Heimat der ehemaligen Wittelsbacher-Linie, der Pfalzgrafen von Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen, denn Landshut, Düsseldorf (Benrath) und Bamberg waren ihnen von Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern bzw. von König Max I. Joseph von Bayern nur zur Verfügung gestellt worden. 1834 wurde Herzog Max von seinem Großvater Wilhelm zum Universalerben eingesetzt - und erhielt unter anderem Banz. Herzog Max verbrachte seine Herbstvakanzen gern hier. Bernhard Graf: "Wie eng verwurzelt die Herzogsfamilie mit dieser Region nach wie vor ist, geht daraus hervor, dass - soweit ich weiß - Ihre Durchlaucht, die Erbprinzessin Sophie Elisabeth Marie Gabrielle von und zu Liechtenstein (geb. 1967), als älteste Tochter Seiner Königlichen Hoheit Max Emanuel in Bayern (geb. 1937) nach wie vor zu den Eigentümern im Banzer Forst zählt."

Bamberg, Banz und Burgellern nehmen in dem Buch von Bernhard Graf breiten Raum ein. "An diesem Bildband arbeitete ich als Drehbuchautor, Filmemacher, Historiker, Kunsthistoriker und Germanist seit mehr als drei Jahren", sagt der 54-Jährige. Zahlreiche Archive - darunter schwer zugängliche Privatarchive - sowie Kunstauktionen, Gemälde- und Grafiksammlungen habe er besucht, um zu recherchieren. Natürlich reiste er an die Orte, über die er schrieb.


Vom Film zum Buch

Zunächst flossen die Erkenntnisse in seinem gleichnamigen BR-Film "Sisis Vater, Herzog Maximilian in Bayern" ein. Dies ist auch der Grund, warum ein Großteil des Bildmaterials nun erstmals in einem Buch veröffentlicht ist. "Mehrmals besuchte ich Banz, Bamberg, Burgellern und Bayreuth, um an diesen oberfränkischen Orten über Herzog Maximilian in Bayern und seine Vorfahren zu recherchieren, zu fotografieren und zu filmen."

Seit 35 Jahren ist Bernhard Graf mit dieser Region sehr eng verbunden und betrachtet Bamberg als seine Lieblingsstadt und Banz mit seiner beeindruckenden Landschaft als seine zweite Heimat, denn seine engsten Verwandten leben in unmittelbarer Nähe, nämlich in Bamberg, Forchheim und Kronach. "Da es zu Herzog Maximilian in Bayern noch nie einen Bildband gegeben hat, hat mich Wolfgang Preuss, der Leiter der BR-Redaktion Wir in Bayern, motiviert, diese Publikation anzugehen, als er meine zahlreichen neuen Erkenntnisse und vor allem die unbenannten Gemälde - auch zu Banz -, Graphiken, Bücher und Archivalien gesehen hatte", sagt Graf.
Zudem sei ihm durch einen Vortrag in Pöcking - das Schloss Possenhofen gehört zu dieser Marktgemeinde - vor einem großen Publikum deutlich geworden, wie interessiert die Zuhörer an der Visualisierung dieser Geschichte sind. Dies habe den Ausschlag gegeben, sich nach einem passenden Verlag umzusehen.


Des Herzogs Wunderkammer

"Außerordentlich wichtig ist es für mich, dass die Hanns-Seidel-Stiftung als politische Organisation das Kloster Banz bewahrt und das Klostermuseum finanziert", ergänzt er. Denn sowohl bei der Orientalischen Kunst- und Wunderkammer von Herzog Maximilian in Bayern als auch bei der Petrefaktensammlung des Pfarrers Augustin Geyer und des herzoglichen Kanzleirats Carl Theodori unter Herzog Wilhelm und Herzog Maximilian handle es sich um international bedeutende Schätze.

Bernhard Graf: "Als Mineraliensammler und Interessent der Paläontologie bin ich davon mehr als begeistert. Da ich seit vielen Jahren auf der Munich Show, der weltweit größten Mineralienmesse dieser Art mit mehr als 45 000 Besuchern an drei Ausstellungstagen, als Kurator Sonderschauen realisiere, habe ich auf die Banzer Sammlungen ein besonderes Auge geworfen und möchte auf deren grandiose Bedeutung in einer der nächsten Sonderausstellungen hinweisen."

Ob er einen Lieblingsplatz in Banz hat? Bernhard Graf antwortet: "Selbstverständlich habe ich dort einen Lieblingsplatz, nämlich wenn ich durch das Hauptgebäude hindurchschreite und auf die Terrasse nach Osten hinaustrete und von dort aus den überwältigenden Blick zu den umliegenden Wäldern, zum mäandrierenden Main genieße."

Aber war Sisi nun in Banz oder nicht? Für Bernhard Graf ist das sonnenklar: "Laut der Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck steht Sisi im Gästebuch des Schlosses Banz, so dass ihre Anwesenheit dort gesichert ist."






Infos rund ums Buch

Neuerscheinung "Sisis Vater" ist im Allitera-Verlag erschienen. Es hat 176 Seiten, ist mit 135 Abbildungen versehen und kostet 29,90 Euro (ISBN 978-3-86906-868-8).

Autor Bernhard Graf ist 1962 in Landshut geboren. Er studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik. Der Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und Dozent an den Universitäten München und Darmstadt ist durch zahlreiche Publikationen und Features bekannt.

Fernsehen Der Film "Sisis Vater - Herzog Maximilian in Bayern" von Bernhard Graf ist in der ARD-Mediathek bis Ende des Jahres zu finden. Zudem wird am Neujahrstag um 15.15 Uhr im Festtagsprogramm des Bayerischen Fernsehens sein neuer, bislang noch nicht ausgestrahlter Film "Sisis berühmte Geschwister" ausgestrahlt.