Die Zukunft der Rettungswache in Burgkunstadt ist mehr als ungewiss. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, das die beiden Landräte Christian Meißner (CSU, Lichtenfels) und Oswald Marr (CSU, Kronach) sowie der Coburger Landrat Michael Busch (SPD) als Vorsitzender des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung vergangene Woche in München geführt haben. Dabei ging es um die künftige Situation im Rettungsdienst in den drei Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels.

Besonders im Landkreis Lichtenfels schlug das bereits im Jahr 2010 vorgestellte "Trust"-Gutachten zur Struktur der Rettungsdienste hohe Wellen. In diesem Gutachten wurde unter anderem vorgeschlagen, die derzeit in Burgkunstadt angesiedelte Rettungswache aufzulösen und stattdessen neben Lichtenfels zwei weitere Rettungswachen in Weismain und Zettlitz zu errichten. Dagegen protestierte (nicht nur) Landrat Meißner.


Er schlug im April bei einer Sitzung des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung vor, die Burgkunstadter Rettungswache zu erhalten und mit zwei tagsüber besetzten Stellplätzen in Weismain und Zettlitz zu ergänzen. Dies stieß jedoch nicht auf Gegenliebe bei den Krankenkassen, die die Kosten des Rettungsdienstes tragen. "Sie haben durchblicken lassen, dass auch ein einjähriger Probebetrieb in Zettlitz nichts an ihrer Meinung ändern wird", erklärte Michael Busch gestern in Coburg.

Nichtsdestotrotz wollen Christian Meißner und sein Kronacher Kollege Oswald Marr noch einmal "nachverhandeln". Doch die Zeit drängt: Am 19. November trifft sich der Rettungsdienst-Zweckverband zu seiner nächsten Sitzung - und da soll eigentlich die Entscheidung über die Strukturen im Rettungsdienst fallen. Michael Busch wird dabei als Vorsitzender vorschlagen, den Anregungen aus dem "Trust"-Gutachten zu folgen und die Burgkunstadter Rettungswache aufzulösen. "Objektiv gesehen ist es die beste Versorgung, die man herausholen kann", sagte der Coburger Landrat.

Der Meißner-Kompromissvorschlag mit einem Stellplatz in Weismain berge laut Busch für die Menschen im südöstlichen Landkreis Lichtenfels nachts große Risiken. Gerade auf den Jura-Höhenzügen sei das Ziel, einen Rettungswagen während der Hilfsfrist von zwölf Minuten zum Notfallpatienten zu bringen, dann nicht mehr erreichbar.

Der Einschätzung des "Trust"-Gutachtens steht indes der ausdrückliche Wunsch des Lichtenfelser Kreistages gegenüber, die Burgkunstadter Rettungswache zu erhalten. Sollten sich die Lichtenfelser Kreisräte im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr-Alarmierung geschlossen gegen die neue Rettungswache Zettlitz aussprechen, droht bei der Zweckverbandssitzung im November eine Kampfabstimmung.

"Das beste Szenario"

Michael Busch räumte deshalb ein, sich als Coburger Landrat momentan mit dem "Trust"-Gutachten "ein bisschen leichter" als sein Lichtenfelser Kollege Meißner zu tun. Sollten sich die Lichtenfelser partout nicht mit den neuen Strukturen anfreunden wollen, werde er den Beschluss zu "Trust" auch nicht mit aller Gewalt durchdrücken, sagte Busch. Auch stehe er gerne bereit, als Vorsitzender des Zweckverbandes dem Lichtenfelser Kreistag die Vorteile der neuen Struktur zu erläutern.

Doch mehr als nur eine Verzögerung durch den Gang vor ein neutrales Schiedsgericht dürfte der Widerstand gegen die Vorschläge der Kostenträger nicht bringen. Davon zeigte sich auch Wolfgang Simon, der Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, überzeugt: "Die Ergebnisse des Gutachtens liefern das beste Szenario mit den besten Ergebnissen." Den Ergebnissen des "Trust"-Gutachtens (das vom "Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement" an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität erstellt wurde) ein eigenes Gutachten gegenüberzustellen, schloss Michael Busch gestern kategorisch aus: "Dafür sehe ich im Zweckverband auch keine Mehrheit."

Vor allem aus dem Raum Burgkunstadt haben sich bereits vor dem Gespräch in München viele Fürsprecher der dortigen Rettungswache Gehör verschaftt. Daraufhin hatten sich die Kreisräte wie dargelegt positioniert: die Burgkunstadter Rettungswache erhalten und zunächst einen Probebetrieb in Zettlitz/Redwitz aufnehmen.
Unter den nun deutlicher gewordenen Vorzeichen will Landrat Christian Meißner das weitere Vorgehen eng mit den Kreisräten abstimmen, wie er auf Nachfrage wissen ließ.