Da lief es den altgedienten Reservisten eiskalt den Rücken runter beim Anblick der Überreste von Piloten, die im Zweiten Weltkrieg abgeschossen wurden. Die beiden Soldaten- und Reservistenkameradschaften aus Ebensfeld hatten zum Vortrag "Vermisstenforschung Zweiter Weltkrieg - Bergung von alliierten Flugzeugwracks mit deren Besatzung" am vergangenen Freitag in den Saal der Gastwirtschaft "Zum Hirschen" eingeladen.
Uwe Benkel aus Heltersberg, einer Gemeinde im Landkreis Südwestpfalz, hat sich zur Aufgabe gemacht, vermissten Fliegern der kriegsführenden Nationen ihren Namen zurückzugeben und für eine ordentliche Grabstätte zu sorgen. Er berichtete über Grabungen der letzten 26 Jahre, in denen 140 Flugzeuge mit den sterblichen Überresten von 50 Besatzungsmitgliedern geborgen wurden. Zu den Unterstützern gehört auch der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, dessen Vater am 18. Juli 1944 aus einem Sturzkampfbomber mit dem Fallschirm abspringe musste. Der Pilot der abgeschossenen Maschine kam ums Leben. Benkel hatte Wrackteile der abgestürzten Maschine bei Rheindürkheim, ein Ortsteil on Worms, geborgen.
"Die Suche ist meine Lebensaufgabe", sagte der 57-Jährige, der Angestellter einer Krankenkasse ist. Die Angehörigen hätten ein großes Interesse, ihre Toten bestatten zu können und brauchten ein Ort der Trauer, fährt er fort.
Eindrücklich schilderte er das Schicksal von Oberfeldwebel Georg Fröhlich, der Ende 1944 mit seiner Messerschmitt bei Rudolstadt abgeschossen wurde. Fünf Meter tief habe sich das deutsche Kampfflugzeug in die Wiese gebohrt.


Ganz woanders gefunden

Gehörigen Ärger bekam Benkel mit der englischen Regierung, als er eine vermisste Bomberbesatzung bei Laumersheim im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim barg. Die Briten hatten nämlich die Besatzung als vermisst gemeldet, die Maschine sei über der Nordsee abgestürzt. Die sterblichen Überreste der Besatzung seien dann aber von der Garde der Königin Elisabeth nach England überführt und dort auf einem Soldatenfriedhof beerdigt worden. Teile des Flugzeugs würden jetzt im Heimatmuseum von Lancaster ausgestellt, von wo aus die Maschine gestartet war.
Uwe Benkel betonte, dass ihm stets die Angehörigen für seine Vermisstensuche dankten. "Viele hatten Tränen in den Augen, als ich ihnen die letzten Habseligkeiten der Gefallenen überreichte", sagte er. Seine Tätigkeit wurde mit zahlreichen Ehrungen und Verdienstmedaillen ausgezeichnet. Er erhielt die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz und der Stadt Kaiserslautern, des Central Identification Labaratory auf Hawaii und Anfang 2016 die amerikanische George-S.-Patton-Medaille.
Die Kritik von hauptberuflichen Archäologen, die unsachgemäße Ausgrabungen bemängeln und dabei gewisse Regeln nicht beachteten, trat Uwe Benkel entgegen. "Warum soll ich die Hinterbliebenen vor den Kopf stoßen?", fragte er. Alle Grabungen würden genehmigt und überwacht. Das gelte insbesondere für Waffen und Munition.


"Seine Arbeit imponiert mir"

Der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft 1874 Ebensfeld, Wolfgang Stötzel, erinnerte daran, dass Daniela Schmidt das Treffen organisiert hatte und den Referenten gewinnen konnte. "Ich habe schon längere Zeit Kontakt mit Uwe Benkel. Seine Arbeit imponiert mir", sagte sie unserer Zeitung.
Der Vorsitzende der Reservisten-Kameradschaft Ebensfeld, Rudolf Mager, sagte, dies sei ein Vortag gewesen, der emotional und sehr interessant war. Alle Anwesenden seien mit diesem Thema in irgendeiner Weise verbunden. "Das Andenken an die Soldaten wird von uns wachgehalten und hinausgetragen."
Einige Fundstücke hatte Uwe Benkel mitgebracht. Zum Beispiel Motorenteile, Armaturen, Blechverkleidungen oder eine Sauerstoffflasche des amerikanischen Jagdflugzeugs Mustang, das am 21. November 1944 nördlich von Erfurt abgestürzt war. An reich bebilderten Stellwänden wurden die Bergungen der Flugzeuge dokumentiert.