Die wesentliche Entscheidung eines von der Konzernmutter veranlassten Restrukturierungsprogramms lässt alle Verantwortlichen des Versandhändlers Baur in Burgkunstadt (Landkreis Lichtenfels) durchatmen. Baur behält innerhalb der Otto-Gruppe seine Eigenständigkeit. Und das nicht nur auf dem Papier. Trotz Synergiemaßnahmen bleiben wesentliche Tätigkeiten am Obermain, genauer gesagt an den drei Standorten Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain.

"Ganz am Anfang wurde tatsächlich in Hamburg die Frage gestellt: Ist es sinnvoll, dass es einen Baur-Versand noch gibt, und wenn ja, muss dieser eigenständig sein?", berichtete Baur-Geschäftsführer Albert Klein. Monatelang war um die Ausgestaltung des Programms "Fokus" gerungen worden. Hauptziel: Synergien zwischen den Marken Otto, Baur und Schwab - und damit den Standorten Hamburg, Weismain und Hanau.


Glücklicherweise stellte Firmenpatriarch Michael Otto laut Klein schnell klar, dass "in der deutschen Versandhandelslandschaft zwischen Otto und Witt Platz ist für Baur". Aber irgendeinen Platz haben und ausreichend Platz bekommen, sind zweierlei paar Stiefel. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass es außer bei Schuhen in Franken überhaupt keinen Einkauf mehr gibt, berichtete Aliz Tepfenhart, seit April neben Klein gleichberechtigte Baur-Geschäftsführerin.

Momentan nur noch 4200 Baur- Beschäftigte

Was jetzt beschlossen wurde, klingt im Vergleich dazu beinahe harmlos. 62 Vollzeitstellen muss Baur abbauen. Vor allem die Sortimente Möbel und Einrichten sind davon betroffen, denn der Einkauf hierfür wird künftig von Hamburg aus gemacht. Der Stellenabbau soll laut Klein "sehr sozialverträglich und sehr schnell" über die Bühne gehen. Eine Frist dafür gebe es aber nicht. Den betroffenen Mitarbeitern lägen Abfindungs- und Altersteilzeitangebote vor.

Noch zu Jahresbeginn war von bis zu 210 wegfallenden Stellen bei Baur die Rede gewesen. Aber durch Fluktuation hat sich in den vergangenen Monaten vieles auch von selbst erledigt. Gab das Unternehmen noch vor kurzem die Zahl seiner Mitarbeiter mit 4400 an, so spricht man inzwischen von rund 4200 Beschäftigten.

Betriebsratsvorsitzender Horst Bergmann zeigte sich erleichtert, dass fast alle in Frage gestellten Bereiche in Weismain verbleiben konnten. Über einen Zeitraum von 264 Tagen hinweg habe man mit den Konzernverantwortlichen verhandelt und zusammen mit der Baur-Geschäftsführung an einem Strang gezogen. Von einem vollen Erfolg wollte Bergmann dennoch nicht sprechen. "Dazu müsste beim Stellenabbau eine Null stehen", sagte er.

Trotz Stellenabbaus an einigen Stellen werden laut Klein in den nächsten zwei Jahren etwa 40 neue Arbeitsplätze aufgebaut. Verstärkt werden sollen die Baur-Abteilungen E-Commerce sowie Foto- und Werbeagentur.
Finanziell steht Baur sehr solide da. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen den höchsten Umsatz und Gewinn seit zehn Jahren erwirtschaftet.