Drei neckische Herren in gesetzterem Alter, eine Bühne von wohl zwölf Quadratmetern und eine gewisse Anzahl von Wiederkehrern im Publikum. Das sind alljährliche Eindrücke der Konzerte, zu denen Other Roads im Geldnersaal gastieren. Und da ist so eine gewisse atmosphärische Dichte aus aufmerksamem Zuhören noch gar nicht erwähnt. Am Freitagabend stellte sich genau das wieder ein.

Irgendwann in der Pause findet sich Gelegenheit zu einem Plausch. Und so darf der Gitarrist und Songschreiber Dave Walmisley auf die Frage antworten, ob er, wenn er daheim bei sich in Großbritannien auf den Ort Loffeld angesprochen würde, ihn bei all den vielen seiner Konzerte und Auftritte noch zuordnen könnte. Dazu fällt ihm spontan der "Spirit of Community" ein, der Geist der hier versammelten Zuhörer also, und ja, auch die Besonderheit des Saales selbst und all diejenigen, die dafür Sorge tragen, dass man schon seit Jahren regelmäßig dort auftritt. Dave Walmisley, Gregor Borland und Pete Abbott sind Stammkünstler hier, drei als hochgeschätzt gehandelte Musiker der britischen Folk-Szene.

Melancholie und Witz

Ihre Songs handeln von Erinnerungen, bieten Skizzen zu Erlebtem oder Symbolischem, greifen die einschneidenden Stationen des Lebens auf. So wie die Abbotts in Windy Harbour, wenn er von dem 1963 erteilten väterlichen Rat erzählt, die Möglichkeiten des Lebens über Grenzen hinweg auszukosten. Es war einer dieser Songs, der zeigte, dass wohl jeder im Trio mehr als nur ein Instrument blendend zu spielen versteht. Besonders Borland, der neben der "Fiddle" die Liebe zum Bass pflegt, aber auch gepflegt Mandoline spielt.

Ähnlich beschlagen ist Walmisley. Auch er bot eine rührende Eigenkomposition, sich an seine Kindheit in Simbabwe erinnernd und an den dortigen Garten seiner Mutter.

Es gibt diese melancholischen Momente während des Konzerts. Sie stellen sich ein, weil Borland genau diese Töne auf der Geige trifft, weil Abbott und Walmisley gute Gitarristen sind und auch originelle, stille Melodien zu spielen verstehen. Dann sind Moment und Gelegenheit da, den Blick ziellos schweifen zu lassen. Dabei erkennt man dann Menschen, die es Jahr für Jahr immer wieder hierher zu Other Roads zieht. So wie Ronald Pettrich. Den Zahntechniker hat es vor einem Jahr von Altenkunstadt ins Allgäu verschlagen, jetzt sitzt er wieder hier. Eigens für das Konzert, so der Mann, sei er hergefahren beziehungsweise habe er einen familiären Termin mit dem Konzerttermin unter einen Hut gebracht. Wie Other Roads vor allem mit ihrem Gesang gute Musik machen, schätzte er.

Damit lag der Mann richtig, denn im Harmoniegesang bringen die drei Musiker Annehmlichkeiten zuwege. Humoriges auch, denn das Trio wird an diesem Abend immer wieder die Gelegenheit ergreifen, auf witzige Weise seinem Publikum mit der neuen CD in den Ohren zu liegen.

Pete Abbott hingegen hatte das Privileg, eigene Leistungen an der Gitarre entschieden in Abrede zu stellen. "Ich bin nicht gut bei Gitarren-Soli", sagte er in seiner Sprache und bewies dann passabel genug das Gegenteil, auch wenn er dabei dreinblickte, als ob er sein Solo erst seit gestern kannte. Szenenapplaus, nicht nur einmal an diesem Abend.

2020 vermutlich wieder da

Nächstes Jahr werden die drei Herren vermutlich wieder da sein, ein klein wenig gesetzter als 2019. Das wird auch für viele im Publikum gelten.