Die Zinsen auf Erspartes sind niedrig. Die Zinsen auf Kredite für den Hausbau sind es auch. Wirken sich günstige Finanzierungen auch auf die Bautätigkeit im Landkreis Lichtenfels aus?
Die Zahl der genehmigten Neubauten ist von 2002 bis 2009 von 186 auf ein Drittel (62) gesunken. In den vergangenen drei Jahren steigt die Zahl langsam wieder, 2012 auf knapp 100 Genehmigungen im gesamten Landkreis.
"Ende 2011 hat der Markt unheimlich angezogen", sagt Matthias Staßburger, Immobilienmakler in Bad Staffelstein. Er führt das auf die Erschütterungen im Euroraum, zum Beispiel die Finanzkrisen in Griechenland und Spanien, zurück. "Die Leute haben gemerkt, dass ihr Geld auch ganz schnell verbrennen kann."

Gleichzeitig ermöglichen die niedrigen Zinsen für Baugeld, sich den Wunsch nach einem eigenen Haus zu erfüllen - und dabei monatlich nicht mehr Geld zahlen zu müssen, als bislang für die Miete ausgegeben wurde. "Die Menschen haben wieder mehr Mut. Auch bei einem Arbeitsplatzwechsel - oder im schlimmsten Fall einem Arbeitsplatz verlust - wissen sie, dass sie ihr Haus oder ihre Wohnung gegebenenfalls auch vermieten können", sagt Straßburger. Er nennt das den Blick auf den zweiten Markt. Gerade in Bad Staffelstein sei durch die Therme dieser Markt gefestigt. Das spiegelt sich aber auch in den Preisen für Neubauten wieder. Für einen Quadratmeter Wohnfläche einer neuen Eigentumswohnung im Zentrum rechnet der Makler zwischen 2600 und 2800 Euro. Gebrauchte Wohnungen mit einem Baujahr um 1990 seien bereits zwischen 1300 und 1500 Euro zu haben.
Klar, dass bei diesen Preisunterschieden viele zunächst nach gebrauchten Immobilien schauen. "Die Energiesparverordnung hat die Neubauten auch teurer gemacht", sagt Straßburger. Überall im Landkreis sei die Nachfrage nach attraktivem und bezahlbarem Wohnraum höher als die Nachfrage, sagt der Makler aus seiner Perspektive. In Bad Staffelstein sei der Unterschied zwischen dem Angebot und der Nachfrage besonders groß. "Hier in Staffelstein kaufen auch Leute von außerhalb gerne. Sie vermieten die Wohnung dann - und ziehen später, wenn sie in Rente sind, vielleicht selbst hierher."

Das sind Menschen, die das Bad, die Kultur und die ärztliche Versorgung in Bad Staffelstein schätzen. Sie kommen oft als Urlauber - und bleiben dann.
"Ich Lichtenfels kaufen eher Familien, deren Kinder dort zur Schule gehen, und Menschen, die ihren Arbeitsplatz auch in der Kreisstadt haben", beobachtet Straßburger. Manche haben auch bereits das Studium ihrer Kinder im Blick und entscheiden sich für Lichtenfels, weil die Kinder dann in Coburg studieren können.
In Michelau oder Redwitz prägen die örtlichen Arbeitgeber den Markt. Wer dort eine sichere Stelle hat, der kauft sich auch vor Ort eine Wohnung oder ein Haus. "Ich sehe zunehmend auch junge Leute mit Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig, die vielleicht schon ein oder zwei Kinder haben und sich nach einem Haus umsehen", sagt der Makler. Für ihn ist das Beleg entgegen dem Trend. Die Jungen verlassen mitnichten Oberfranken oder den Landkreis Lichtenfels. Sie brauchen hier berufliche Perspektiven, dann bleiben sie auch hier.

Die Aussichten auf eigene Wohnungen sind - so sieht es Straßburger - mit den Insolvenzen der großen Baufirmen im Landkreis kleiner geworden. Sowohl die Firma Michael Och aus Lichtenfels, wie auch die Firma Heinrich Schramm aus Bad Staffelstein hatten vor ihrer Insolvenz selbst Projekte entwickelt. Das heißt, sie haben Mehrfamilienhäuser geplant, gebaut und in Eigentumswohnungen gestückelt wieder verkauft. "Zusammen sind so vielleicht jedes Jahr 30 Wohnungen entstanden, die jetzt fehlen", sagt Straßburger. "Im ersten Jahr merkt man das noch nicht, nach drei, vier Jahren aber schon."

Die letzte große Insolvenz war 2005 von der Firma Heinrich Schramm. Seitdem sind sieben Jahre vergangen. Und so lässt sich der Rückgang der Neubauten erklären. Weniger Angebot bei steigender Nachfrage führt zu höheren Preisen. Während im Landkreis in abgelegenen Orten der Quadratmeter Bauland noch für 30 Euro zu haben ist, kostet er im Staffelsteiner Ortsteil Unterzettlitz bereits über 100 Euro.

Die Handwerksbetriebe in Oberfranken profitieren von den Investitionen ins eigene Haus. Ganz egal ob neu gebaut wird, oder modernisiert wird, brauchen die Bauherren Handwerker. Die Handwerkskammer für Oberfranken spricht gerade für Umbauten für altersgerechtes Wohnen von einem Zukunftsmarkt.
Das bestätigt auch Matthias Straßburger: "Wer heute baut, denkt immer daran, zumindest einen Teil barrierefrei zu gestalten."