Neue Besen kehren gut: Ein Tastenzauberer sorgt jetzt bei der im Landkreis Lichtenfels beliebten Oldieband "Living In The Past" für einen facettenreicheren Sound. Sein Name: Hilmar Bauerfeind. Am Samstag, 23. April, feiert der Kronacher Keyboarder seine Live-Premiere im "TECnet Zentrum" des Burgkunstadter Kleinkunstvereins "TECnet Obermain" in Burkersdorf.

"Wir haben jetzt mehr Ausdrucksmöglichkeiten", erklärt Gitarrist Herbert Schlinger aus Kronach. Dass die Tastentöne beim Bob-Marley-Klassiker "No Woman, no Cry", der vom warmen Orgelsound lebt, erklingen werden, war klar wie Kloßbrühe, wie der Franke sagen würde. Dass bei "Hey Joe" das Instrument ebenfalls zum Einsatz kommt, überrascht. Aber bekanntlich werden Musiker ja von der Muse geküsst.
So sieht es auch Schlinger: "Mit seinem ausdrucksvollen Spiel verleiht er der weltberühmten Mörderballade noch mehr Spannung."

Der Kronacher Musiker, der seit fast einem halben Jahrhundert musiziert, weiß viel zu erzählen aus der Zeit, als die Rockmusik in Oberfranken noch in den Kinderschuhen steckte. Schlinger war damals Lehrling bei der Sparkasse in Naila. "Zu jener Zeit wurden Kontoauszüge noch ausgetragen und Zinsen mit dem Kopf ausgerechnet", schweifen seine Gedanken in längst vergangene Zeiten. Damals hieß der Rock noch Beat und Schlinger spielte in einer Band namens "Scream". Während andernorts die neue Musik als "schreckliche Hottentotten-Musik" von den Älteren abgekanzelt wurde, herrschte in Naila, wo Schlinger seine Jugend verbracht hatte, ein liberaleres Klima.

"Wir probten damals mit unserer Schülerband ,Scream' in einer Reihenhaussiedlung. Wenn wir den Nachbarn unsere Proben ankündigten, dann sagten sie: "Macht nur. Wenn es zu laut wird, beschweren wir uns schon." Doch beschwert hat sich niemand", erzählt der heute 62-Jährige. Sogar in der Kirche habe man das Lied "Sylvia" der niederländischen Rockgruppe "Focus" spielen dürfen.

Damals hatte der Lehrling in der Bank seine erste Begegnung mit Bassist Wolfgang Lowak aus Naila, mit dem er Jahrzehnte später die Oldieformation "Living In The Past" gründen sollte. "In unserer Freizeit jammten wir auf unseren Instrumenten herum, wie es in der Szenesprache so schön heißt. Eine richtige Kapelle entwickelte sich damals daraus nicht." Die beiden verloren sich aus den Augen, ehe sie sich 1998 wiedertrafen und Nägel mit Köpfen machten. Die Geburtsstunde von "Living In The Past" hatte geschlagen.


Jugenderinnerungen

Heute gehören neben Schlinger, Lowak und Bauerfeind folgende Musiker der Band an: Schlagzeuger Reinhard Söll aus Naila, Gitarrist Volker Funk aus Lichtenberg sowie Sänger und Gitarrist Peter Milde aus Bad Steben. Sie alle eint die Liebe zur Musik aus den 60er und 70er Jahren. Welche Gefühle löst die Musik und das Musizieren in ihm aus? "Mit den handgemachten Klängen aus längst vergangenen Tagen verbinden wir zahlreiche Jugenderinnerungen. Und was kann es Schöneres geben, als in die glänzenden Augen tanzender Fans zu blicken? Musik trägt dich durch die Höhen und Tiefen des Lebens."

Die Musiker spielen im Unterschied zu manch anderer Oldieband nicht nur unverwüstliche Gassenhauer, wie "Nowhere Man" von den Beatles, sondern auch Stücke, die man nicht so oft hört, wie "Catch The Wind" von Donovan. "Wenn wir letztere spielen, bekommen wir von unseren Fans oft zu hören: ,Wie schön, dass ich das noch einmal erleben darf'". Ebenso wie ihre Anhänger, sind auch die Musiker in die Jahre gekommen. "Das ist keine Ente, wir rocken bis zur Rockerrente", sangen einst die legendären Puhdys, die seit 47 Jahren dem Rock 'n' Roll frönen. Wie lange wollen "Living In The Past" noch abrocken? "Solange Finger, Füße und Stimme mitmachen, bleiben wir den Fans erhalten", verspricht Schlinger.