Der eine hat "Die Lizenz zum Töten", der andere zum Komponieren. Der eine ist James Bond, Superheld, der die Welt rettet. Der andere kein Geringerer als Ludwig van Beethoven.

Der großartige Komponist und Musiker, der heuer seinen 250. Geburtstag hätte, steuerte - sozusagen posthum - die Anfangsmelodie zum Actionfilm bei. Aus dem Werk "Für Elise" stammt sie, 1810 vom Meister komponiert. Auch in vielen anderen Melodien und Stücken tauchen immer wieder Sequenzen des in Bonn geborenen und in Wien verstorbenen Musikgenies auf.

Ta ta ta taaaa - Boogie Woogie, Rock 'n' Roll und die "Ode an die Freude", die nicht zuletzt als Europahymne Millionen Menschen auf Anhieb in den Sinn kommt: Es ist diese neunte Sinfonie - genauso unvergessen wie der löwenmähnige Künstler mit dem Gehörproblem selbst.

Vom Ragen verschont

Es waren erstaunliche Geschichten,  die rund 100 Besucher des Fränkischen Theatersommers am Donnerstagabend im Kurpark zu hören bekamen. "Die Frage ist nicht, hält das Wetter, sondern reichen die Stühle?", grinste Jan Burdinski, Intendant. Auf der WetterApp hatte er gesehen, dass der angekündigte Regen einen Bogen um Bad Staffelstein machen würde.  Gut für Künstler und Ensemble, die ein gut zweistündiges Musiktheater unter freiem Himmel angekündigt hatten.

Mit leichter Jacke, teils auch mit Sitzkissen "bewaffnet", strömten Kulturliebhaber aus allen Regionen in den Park. Siglinde aus Erlangen ist spontan hergefahren. Telefonisch hatte sie sich erkundigt, ob die Veranstaltung stattfindet. Die junge Frau kennt die meisten Spielorte der mobilen Landesbühne, war auch schon in Burgkunstadt und Gut Kutzenberg mit dabei.

Mehr Beinfreiheit

Auch Brigitte aus Lichtenfels kam wetterbedingt spontan. "Unter freiem Himmel spielen - das find ich klasse!" Besonders gut gefällt ihr - kein Scherz - die Bestuhlung. Corona-bedingt standen die Stühle mit größerem Abstand zueinander: "Es sitzt einem niemand im Weg", lobt sie und schwärmt von der Nähe zu den Künstlern, zur Bühne. Eine konzertmäßige Bestuhlung, wie etwa auf der Seebühne, passe da nicht so gut.

Bei angenehmen 22 Grad, leicht bedecktem Himmel und lauem Sommerabendlüftchen konnten sich es die Gäste mit ihrem Stuhl auf der grünen Wiese gemütlich machen. Eine Dame holte eine Zigarillo heraus, eine andere hatte einen Piccolo dabei. Roll on, Beethoven!

Der Musiker und Komponist Florian Kaplick hatte ein wunderbar unterhaltsames und erstaunlich abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Immer wieder verknüpfte er Vergangenheit - Beethoven wurde 1770 geboren - mit der Gegenwart. Nicht umsonst sei die Größe jeder aktuellen CD so, wie sie jetzt ist. Genau 74 Minuten Spielzeit hatte sie nämlich, als die erste CD als neues Medium 1982 auf den Markt kam. 74 Minuten - das ist exakt die Länge von Beethovens Neunter Sinfonie. "Roll Over Beethoven" ist der Titel eines im Jahr 1956 von Chuck Berry komponierten und aufgenommenen Evergreens.

Auch Heinz Erhardt inspiriert

Die Beatles ließen sich von der "Mondschein-Sonate" inspirieren. Heinz Erhardt baute den Altmeister der Klassik in seine Gedichte ein und Friedrich Dürrenmatts schwarze Komödie "Die Physiker" beginnt mit einem Mord und Beethovens "Kreutzersonate", opus 47.

Nicht nur Birgit aus Weismain und Sandra aus Buch am Forst sind begeistert. Die beiden Stammgäste des Fränkischen Theatersommers sitzen in der ersten Reihe, hatten ihre Ticket schon lange zuvor im Vorverkauf gesichert. "Das ist total spannend ... Beethoven hatte ich noch nie so auf dem Schirm",  schwärmt Sandra.   "Roll on, Beethoven, es ist noch lange nicht vorbei!", augenzwinkernde Schlussworte von Pianist Florian Kaplick - vom begeisterten Publikum aber erst nach zwei groovigen Zugaben gestattet. Denn auch so etwas komponierte Beethoven.