Vom Chat zur Sucht soll dabei nach Ansicht von Richter Stefan Jäger eine Entwicklung in Gang gesetzt worden sein. Eben diese Sucht wird der Weismainer nun auch angehen müssen.
"Ich habe mir mal Gedanken gemacht, was ich mit einem Menschen machen würde, der mit Kindern macht [...], der würde nicht heil rauskommen", so der Mittdreißiger in seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung. Einsichtig bzw. kooperativ zeigte sich der Mann aber nicht nur während der letzten Verhandlungsminuten, sondern das ganze Verfahren über. Allerdings musste er sich auch die richterliche Frage gefallen lassen, warum er bei so viel Einsicht keine Bilddateien auf seinem Computer gelöscht hatte. Dateien, die Kinder und dabei vorwiegend Mädchen dabei zeigten, wie sie Oral-, Anal- und Vaginalverkehr zu erdulden hatten. Vorbestraft war der Beschuldigte nicht, kein Eintrag im Bundeszentralregister.
Wie konnte er in die pädophile Neigung oder zumindest in ihre Nähe geraten? "Der erste Kontakt war im Chat. Zuerst hat man sich noch ganz normal unterhalten [...] irgendwann auch Skype-Adressen ausgetauscht", so der Mann zu seinen Internet-Aktionen im Frühling 2016. "Da hast du mal was bekommen, dann mal was zurückgeschickt", erklärte er in harmlos wirkenden Worten das Anfangsstadium.
Irgendwann aber wurde die Staatsanwaltschaft Hannover auf den Weismainer aufmerksam, weil sie gegen eine andere Person ermittelte und eine Spur in den Landkreis Lichtenfels führte. Es folgte die Beschlagnahme und Auswertung seines PC sowie der Festplatte. Um mehr Klarheit in das Dickicht zu bekommen, unterbreitete Jäger dem Beschuldigten eine Art Angebot: "Das wäre sehr positiv für Sie, wenn Sie da mitwirken könnten", so der Richter in Bezug auf Aufklärungshilfe seitens des Angeklagten. Der aber gab an, mangels Kenntnisse auch kaum helfen zu können.
Dann zeichnete Anwalt Roland-Stephan Lehnert ein Bild von der Person seines Mandanten. Es gibt ein psychologisches Gutachten, das dem Weismainer eine verminderte psychologische Belastbarkeit attestiert, zudem Depressionen. "Gravierende Probleme", wie Lehnert ausführte. Tatsächlich machte der Angeklagte vor Gericht den Eindruck, als sei er eher nach und nach zur Kinderpornografie abgerutscht. "Ich verstehe es auch nicht, ich habe keine solchen Neigungen", so der 35-Jährige selbst. Aber genau das zweifelte Staatsanwältin Franziska Winkler an. Sie hielt es vielmehr für möglich, dass eine Neigung bei dem Manne "noch nicht ins eigene Bewusstsein durchgedrungen ist". Eben darum betonte sie auch, wie schwierig es sei, eine günstige Sozialprognose zu entwerfen. Immerhin pflege der Angeklagte kaum familiäre Kontakte, sei arbeitslos, habe allenfalls eine Fernbeziehung und "gesundheitliche Baustellen". Allerdings, so Winkler, habe sie auch das Gefühl, dass er sich diesen ersten Prozess in seinem Leben als Warnung dienen lasse. "Mit dem kinderpornografischen Quatsch" müsse er aber aufhören, darum plädierte sie neben einer 20-monatigen Haftstrafe zur Bewährung auch für die Beistellung eines Bewährungshelfers auf die Dauer von zwei Jahren sowie 80 Arbeitsstunden.
Lehnert, der auch Angst- und Panikattacken nebst massiven Schlafstörungen seines Mandanten ins Feld führte, plädierte auf einem Jahr Haft zur Bewährung. Verhängt wurde eine 16-monatige Freiheitsstrafe zur Bewährung, allerdings mit einer Menge an Auflagen: drei Jahre Bewährungszeit, zwei Jahre Aufsicht durch einen Bewährungshelfer, Teilnahme an psychologischen Gesprächen und 60 Arbeitsstunden. Dabei setzte Jäger dem Verurteilten eindringlich auseinander, dass den Kindern durch den Konsum der von ihnen gemachten Aufnahmen etwas rettungslos weggenommen wird: "ihre Kindheit".