Sie existieren von der Corona-Pandemie seltsam unberührt, verursachen Schmerzen und wachsen ohne entsprechende Behandlung: Die Rede ist von den Zahnerkrankungen Karies und Parodontitis. Gerade deshalb sollten Patienten den Zahnarztbesuch in diesen Tagen des Lockdowns nicht aufschieben. Denn: Die Hygienekonzepte in den Zahnarztpraxen sind ohnehin seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. "Fast klinikähnlich", verrät Dr. Heike Schöttl, die zusammen mit ihrem Mann in Lichtenfels eine Praxis führt und sich für ein Gespräch bereiterklärt hatte.

"Alle Kollegen haben ihre Konzepte nochmals hochgeschraubt, wir befinden uns aber bereits in einer hohen Qualitätsklasse, was allgemein die Hygiene und insbesondere die Instrumentenaufbereitung betrifft." Diese werden etwa mit einem Thermodesinfektor regelmäßig vorgereinigt und danach selbstverständlich noch sterilisiert. "Das ist wie eine Geschirrspülmaschine bei 90 Grad", verrät Heike Schöttl.

"Karies und Parodontitis machen keine Pandemie-Pause!"

Die Desinfektionsrate ist in der zahnärztlichen Praxis hoch, zudem wurden hier noch kleine Luftwäschegeräte angeschafft, die die Sauberkeit der Luft unterstützen können. Alle Patienten müssen vorab einen Termin vereinbaren und tragen vom Betreten der Räumlichkeiten an eine Mund-Nasen-Bedeckung. Im Wartezimmer sind zwischen den Sitzplätzen großzügige Abstände geschaffen worden. Vor der Behandlung spült jeder Patient seinen Mund mit einer antibakteriellen und antiviralen Spülung. Einen kleinen Sicherheitsbonus nennt die Zahnärztin dies. Sie selbst trägt, wie alle Kollegen, seit Beginn der Corona-Pandemie beinahe durchgehend eine FFP2-Maske. Nur, wenn sie alleine in ihrem Büro ist, nimmt sie diese kurz ab. Auch ein Schutzschild gehört mittlerweile zur ihrer Ausrüstung. Mit Blick auf diese umfassenden Hygienemaßnahmen habe sie keine Angst vor einer Covid-19-Infektion in ihrer Praxis. Ihre Mitarbeiterinnen fragen zudem vorab das Risiko einer Infektion mit Covid-19 bei den Patienten ab. Diese Anzeigepflicht heute sei wertvoll, erzählt Heike Schöttl. "Ich bin seit 35 Jahren niedergelassene Zahnärztin und habe in dieser Zeit schon viele Erkrankungen, die sich ausbreiten, miterlebt. Zum Beispiel Hepatitis B, C oder Aids." Auch heute sei sie dazu verpflichtet, Patienten, die Schmerzen haben, zu behandeln - auch wenn diese etwa an Hepatitis C erkrankt sind, natürlich mit den notwendigen Schutzmaßnahmen.

Dagegen ist bei den Patienten der Zahnarztpraxen im Landkreis eine größere Unsicherheit zu spüren. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 haben einige ihre notwendigen zahnärztlichen Behandlungen aufgeschoben. Das zog jedoch in den meisten Fällen größere Behandlungen nach sich, da die Bedürftigkeit im Laufe der Monate gestiegen sei.

Ähnliches kann auch Dr. Louise Harksel in der Praxis Dr. Axel Christiansen beobachten und rät den Patienten, notwendige Behandlungen nicht aufzuschieben. "Karies und Parodontitis machen keine Pandemie-Pause!" Auch für sie, ihre Kollegen und die Mitarbeitenden der Praxis habe sich aufgrund des hohen Hygienestandards wenig verändert. "Vielleicht haben wir die Termine noch ein wenig versetzter vereinbart. Für manchen Patienten geht es möglicherweise nun etwas schneller, das ist aber keine Garantie", sagt die junge Zahnärztin. Schon immer mit Sprühnebel und möglichen Infektionen der Patienten in Berührung verspürt sie selbst kein höheres Infektionsrisiko als in anderen Lebensbereichen. Einen Rückgang der Behandlungszahlen konnte die Praxis Dr. Andreas Mulatsch in Bad Staffelstein dagegen nur zu Zeiten des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr feststellen. Seitdem seien die Patientenzahlen aber wieder gestiegen.

Gesunde Zähne sind Schutzschild gegen Corona

Was sich dagegen verändert habe, ist der Mehraufwand an Verwaltung und Dokumentation für die Praxen. Viele Besprechungen mit den Mitarbeitenden und die absolute Offenlegung der Arbeitsabläufe benötigen mehr Zeit als vor der Pandemie. Das sind oftmals zwei oder mehr Stunden in der Woche. "Und ich befürchte, einige dieser Anweisungen werden nach der Pandemie auch nicht mehr zurückgenommen", so Heike Schöttl.

Ein weiterer Faktor, der die Zahnärzte der Region belastet, seien die Kosten für den Infektionsschutz. "Die Kosten für Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel und so weiter sind explodiert", berichtet Louise Harksel. Der Vorsitzende der Zahnärztegemeinschaft Kronach-Coburg-Lichtenfels und Delegierte in der Vollversammlung der Bayerischen Zahnärztekammer Dr. Elmar Palauneck spricht gar von einer Verachtzehnfachung der Kosten. "Von den privaten Krankenkassen haben wir zwar eine Corona-Pauschale bekommen, die dann halbiert wurde. Von den gesetzlichen Kassen gibt es aber keine Unterstützung oder einen Zuschuss." Dennoch möchten die Zahnärzte im Landkreis die hohen Hygienestandards - und ihre Patienten - halten. Mit Verweis auf diese und dem Ausbleiben jeglichen Infektionsgeschehens, das auf Zahnarztpraxen zurückgeführt werden könne, appellieren sie an ihre Patienten, Vertrauen in die Arbeit der Praxen zu haben.

Ein kleines Argument hat Heike Schöttl noch als "Trumpf" behalten: Es gibt bereits Studienergebnisse, wonach ein gesunder Mundraum das Risiko einer Corona-Infektion senken kann. Deshalb sind gesunde Zähne und gesunde Zahnfleischverhältnisse ein Schutzschild, das jeder mit Hilfe seines Zahnarztes erreichen kann.