Altenkunstadt
Unterwelt

Im Prügeler Gewölbekeller droht eine fatale Kettenreaktion

Die Gewölbe unter der Prügeler Ortsdurchfahrt bröckeln. Gesucht wir ein langfristiges Sanierungskonzept.
Von der Decke des Prügeler Gewölbekellers haben sich Steine gelöst, wie der Bauausschuss bei einer Besichtigung feststellen musste. Um den Keller wieder zu stabilisieren, könnte ein Gewölbe aus Klinker eingezogen werden. Zunächst einmal wird für den Ortsteil eine Tonnagebeschränkung auf zwölf Tonnen erlassen und die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt.  Foto: Stephan Stöckel
Von der Decke des Prügeler Gewölbekellers haben sich Steine gelöst, wie der Bauausschuss bei einer Besichtigung feststellen musste. Um den Keller wieder zu stabilisieren, könnte ein Gewölbe aus Klinker eingezogen werden. Zunächst einmal wird für den Ortsteil eine Tonnagebeschränkung auf zwölf Tonnen erlassen und die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt. Foto: Stephan Stöckel
Bei mit Zement verfüllten Gewölbekellern verhält es sich ähnlich wie in einem Bad. Nach dem Duschen sollte man lüften, andernfalls droht Schimmelbildung. Bei einem unterirdischen Hohlraum führt mangelnde Luftzirkulation dazu, dass die Feuchtigkeit in den Gesteinskörper eindringt und sich festsetzt.


Häuser stehen direkt auf den Kellern


Mit fatalen Folgen, die Bernhard Häck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege am Dienstagabend den Mitgliedern des Altenkunstadter Bauausschusses vor Augen führte: "Es kommt zu einer Kettenreaktion. Die Bindemittel im Burgsandstein, sogenannte chemische Klebstoffe, lösen sich auf und es kommt zum Einsturz."
Diesen möchte man im Falle der Gewölbekeller von Prügel, in denen sich an einigen Stellen bereits die Decke löst, verhindern.
Und zwar aus gutem Grund, befinden sich doch darüber die Ortsstraße und einige Häuser. Die Ausschussmitglieder beherzigten die Warnung des Experten vor einer kompletten Verfüllung der Keller. Sie entschieden sich zunächst einmal für eine andere Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen.

Mit überwältigender Mehrheit wurde der Antrag von Thorsten J. Schmidtke von den Jungen Bürgern angenommen, der auf Empfehlungen Häcks basiert. Es wird eine Tonnagebeschränkung von zwölf Tonnen für Prügel erlassen, außerdem wird die Geschwindigkeit auf der Durchfahrtsstraße auf 30 Stundenkilometer reduziert.
Außerdem sollen die Keller in einem Abstand von 14 Tagen von Mitarbeitern des Bauhofes untersucht werden.


Künftig wird regelmäßig geprüft


Häck riet, an den Decken schwarze Tücher aufzuspannen, um damit Verbruchzonen zu erkennen. Zugleich betonte der Experte, dass es mit den verkehrsrechtlichen Anordnungen und der regelmäßigen Überprüfung nicht getan sei. "Der Keller wird die nächsten Jahre und Jahrzehnte halten. Aber es gibt Teilbereiche, die hochgefährdet sind. An drei bis vier Stellen befinden sich massive Schäden. Das führt aber nicht unweigerlich zu einer Komplettverfüllung. Wir müssen vielmehr in Teilbereichen kostengünstig eine Lösung finden." So könnten Gewölbe aus Klinker eingezogen werden, um eine Stabilisierung zu erreichen.

Das primäre Ziel Häcks ist es, zeitnah die Schäden zu lokalisieren und Feuchtigkeitsmessungen durchzuführen. Anschließend soll ein Sicherungskonzept erarbeitet werden, das längerfristig tragbar ist. Für den im Gewölbekeller vorgefunden Pfeiler hatte er eine logische Erklärung: "Er wurde errichtet, um die darüber verlaufende Ortsstraße vor einem Einbruch zu schützen. Der Pfeiler trägt zur Stabilität bei."


Ein Bündel von Ursachen


Häck hatte in seinem fundierten Vortrag, in dem er immer wieder zum Schmunzeln anregende Vergleiche zwischen dem Alltagsleben und der Unterwelt zog, ein Bündel von Ursachen für die vorgefunden Schäden in dem Prügeler Keller ausgemacht: Die fehlende Durchlüftung, das Eindringen von Hang- und Oberflächenwasser, Salz und Öl sowie die Erschütterung durch den Straßenverkehr. "Zudem saugen die Lehmeinschlüsse im Sandstein wie ein Schwamm das Wasser auf, das sich im Keller sammelt. Damit vergrößern sie sich und sprengen ein Stück des Steins weg. Im Extremfall kann es dazu führen, dass Gebäude einstürzen oder die Straße einbricht", erläuterte der Fachmann.

Mit Nein stimmte Jan Riedl von den Freien Bürgern der Ortsteile. Er hatte für eine Tonnagebeschränkung von acht Tonnen gestimmt. "Solange wir keine Erfahrungswerte haben, sollten wir so weit wie möglich mit der Beschränkung heruntergehen. Höherstufen können wir später immer noch."

Die anderen Ausschussmitglieder indes hielten 16 Tonnen für ausreichend. Riedl hatte auch die eigentumsrechtliche Frage angesprochen. Gerd Hofmann von der Bauverwaltung erklärte, dass beim Grundbuchamt keine Kellerrechte vorhanden seien. In einem solchen Fall, klinkte sich Häck ein, sei der Eigentümer des Grundstückes, auf dem sich der Kellereingang befindet, auch der Kellereigentümer. Hümmer musste zur Schadenfreude der Bürger, die man bislang als Eigentümer in Verdacht hatte, einräumen, dass sich der Eingang auf gemeindlichen Grund befindet.


Chamignonzucht oder Führungen


Auch der Gedanke einer touristischen Vermarktung der Keller wurde nicht außer Acht gelassen. Geschäftsstellenleiter Alexander Pfaff hatte unlängst an einer Führung durch die Unterwelt von Heinersreuth bei Bayreuth teilgenommen. Schmidtke schlug vor, solche Führungen auch in Prügel durchzuführen. Den Anbau von Champignons hielt der Redner ebenfalls für denkbar. Konkrete Beschlüsse diesbezüglich wurden nicht gefällt.