Home-Office, Kinderbetreuung, Haushalt und möglicherweise das Home-Schooling älterer Geschwisterkinder: Wie lange schaffen Eltern wohl die Balance zwischen all diesen Aufgaben? "Das ist ein großer Spagat", hört Julia Förtsch, Leiterin der Kreuzberg-Kindertagesstätte Altenkunstadt, oft.

"Viele können zum Glück auf die Großeltern zurückgreifen, aber nicht alle. Manche müssen auch schon die Kinderkrankentage in Anspruch nehmen." Die Zahl der Kindergartenkinder, die die Einrichtung besuchen, betrage derzeit rund ein Fünftel der Gesamtkapazität. Im Krippenbereich ist derzeit rund die Hälfte der Kinder anwesend. "Ich denke aber, dass die Zahlen steigen werden."

Auch in der Katholischen Kindertagesstätte St. Anna in Bad Staffelstein besuchen rund zehn bis 15 Prozent der Kinder die Notbetreuung. Das sei überschaubar, aber noch nicht das Ende vom Lied, verrät eine der beiden Leitungen in Stellvertretung, Monique Gernert. "Jetzt geht es erst richtig los!" Die Atmosphäre in der Kindertagesstätte sei geprägt von Ungewissheit: Wie geht es weiter? Was kommt noch?

Leiser als gewöhnlich

Tagesstrukturen wie im Regelbetrieb und Rituale geben den Kindern Halt, weiß Julia Förtsch. In der Kreuzberg-Kindertagesstätte herrscht ausgelassenes Toben. Eine Gruppe ist gerade mit dem Morgensport beschäftigt, eine andere bastelt gerade. Dennoch ist es leiser als gewöhnlich. Die anwesenden Kinder verteilen sich auf alle vier Gruppen der Einrichtung. Weil diese voneinander getrennt sind, so dass es möglichst wenig Berührungspunkte zwischen ihnen gibt, sind derzeit auch nahezu alle Mitarbeitenden im Dienst. Dennoch beschäftigt die ungewisse Zukunft mit dem Coronavirus auch sie: "Die Kinder stecken das meist gut weg. Natürlich schimpft schon mal jemand ,Ich möchte, dass das Corona endlich weg ist!‘ Aber ich glaube, die Unsicherheit bei uns Erwachsenen ist oft größer", so Julia Förtsch.

Infektionsrisiko

Ähnliches ist in der Katholischen Kindertagesstätte St. Anna in Bad Staffelstein zu spüren: "Dabei spielt auch nicht selten die Frage eine Rolle, wie die Mitarbeitenden selbst die Koordination von Beruf, eigener Familie und anderen Verpflichtungen organisieren können", beobachtet Monique Gernert. Außerdem befinden sich Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger, Erzieherinnen und Erzieher stets näher am möglichen Infektionsgeschehen als viele andere Berufsgruppen - da Vorsichtsmaßnahmen nicht immer eingehalten werden können. Kinder brauchen Zuwendung, Trost und auch Nähe, weiß Julia Förtsch. Da sei etwa das Abstandsgebot nicht immer einzuhalten. Auch das Tragen der FFP2-Masken sei für die Erzieherinnen nicht dauerhaft geeignet. "Wir reden ja den ganzen Tag. Da sind diese Masken wenig gängig", berichtet Kathy Wendler, Leiterin der Katholischen Kindertagesstätte St. Michael Marktzeuln, die derzeit etwa zu 20 Prozent besucht ist. "Wir sitzen an der Basis des Geschehens. Aber dadurch, dass weniger Kinder da sind, ist es etwas übersichtlicher." Auch sie musste noch keine Mitarbeitenden in gefürchtete Arbeitsverhältnisse wie die Kurzarbeit schicken.

Kurzarbeit unbedingt vermeiden

Auch die anderen Kindertagesstätten der Region können darauf noch verzichten. Viele der Mitarbeitenden nutzen die Zeit für ausführliche Entwicklungsberichte oder Einzelfallbesprechungen oder bereiten auch von zu Hause aus Spiel- und Lernmaterialien für die Kinder vor - letzteres auch in den Kindertagesstätten "Vogelnest" und "Körbla" in Lichtenfels. Gesamtleiterin Christina Babucke möchte Kurzarbeit auf jeden Fall vermeiden.

Die Gebühren für die Kindertagesstätten sind vorerst auch für den Fall, dass die Notbetreuung nicht in Anspruch genommen wird, von den Eltern zu tragen. In vielen Verträgen ist die Bezahlung zumindest für einen weiteren Monat, auch ohne Betrieb, vereinbart. Sollte der Lockdown länger andauern, ist dies sicherlich ein Diskussionsthema. Denn: "Sollte niemand die Kindergartengebühren mehr zahlen, dann können wir nicht bestehen", bringt es Christina Babucke auf den Punkt.

Anmerkung: statistische Daten auf dem Stand von Montag 11. Januar.