Viele Islinger haben frei genommen, ein bis zwei Wochen. Urlaub, um im Ort zu helfen und zu feiern. An Pfingsten sind vier Tage Beach-Soccer, am kommenden Wochenende feiert dann der Obst- und Gartenbauverein, der vor 50 Jahren gegründet wurde. Seit 2009 ist Manuela Weiß-Lauer die Vorsitzende des Ortsvereins. Noch nie hat sie solch ein großes Fest organisiert. "Das geht nur, wenn alle mitmachen - und alle, die ich gefragt habe, haben zugesagt", erzählt sie.

"Wenn das Festzelt sowieso schon steht, dann nutzen wir es einfach weiter." Mit dieser Entscheidung war auch der Termin festgelegt. Der Festausschuss konnte mit seiner Arbeit beginnen. Immer vorne dran Manuela Weiß-Lauer. Von den Vereinen in Isling gibt es einen 127-Punkte-Plan, wie Feste zu organisieren sind. Von Abwasser bis Versicherung sind alle wichtigen Themen aufgelistet. Die Zettel sehen mitgenommen aus. Auf jeder Sitzung waren sie Weiß-Lauers Begleiter. Immer wieder sind die Mitglieder des Festausschusses die Punkte durchgegangen, haben Namen hinter die Aufgaben geschrieben.

Jetzt steht alles. Der Plan und auch das Zelt. Weiß-Lauer hat einen großen Wunsch: "Einfach nur gutes Wetter." Den Rest haben die Islinger im Griff. Und wenn sie noch so viel Arbeit verteilt hat, an der Vorsitzenden bleibt doch eine Menge hängen. "Gerade eben habe ich ein Cabrio organisiert, damit unsere Gründungsmitglieder, die nicht mehr so gut laufen können, beim Festumzug dabei sein können."

42 Vereine haben sich bereits angemeldet und wollen am Sonntag mit laufen. Verdursten werden sie nicht. Insgesamt 180 ehrenamtliche Helfer sind für den Schankdienst an den Festtagen vom Beach-Soccer und den Obst- und Gartenbauern eingeteilt. Weiß-Lauer hilft beim Beach-Soccer ganz selbstverständlich mit. Auch sie hat Zettel von der Kuchenchefin im Dorf bekommen. Welcher Kuchen um wieviel Uhr von wem an welchem Ort abzugeben ist, steht darauf. Insgesamt 150 solcher Zettel hängen in den Islinger Küchen.

Am Anfang wollten sie gar nichts machen. Was ist das schon für ein Jubiläum, 50 Jahre? Da gibt es ältere Vereine im Kreis. Und die Abschreckung hat eine Rolle gespielt. "Auf einem Ehrungsabend waren wir eingeladen, das war einfach schrecklich", sagt Weiß-Lauer.

Bei einem anderen Jubiläum kamen die Islinger in Tracht - und waren die einzigen. Und dann war da noch eine dritte Feier, auf der der Vorsitzende zwei Stunden lang redete, bis die Leute von alleine gingen. "Uns war nach diesen Erlebnissen klar: Entweder wir machen was G´scheites - oder gar nichts", sagt die Vorsitzende.

Die Entscheidung ist jetzt gefallen. Die Islinger haben sich neue Dirndl gekauft, es gibt sogar eine Festschrift. "Die wollte ich am Anfang gar nicht, weil es so viel Arbeit macht", sagt Weiß-Lauer. Doch dann hat Roland Lowig die Werbung übernommen und Richard Mahr das Layout. Damit war klar: Es gibt eine Festschrift. Sie ist gerade aus der Druckerei gekommen. Die Kartons stehen bei Manuela Weiß-Lauer. Hier bei ihr am Küchentisch im ersten Stock laufen die Fäden zusammen.

Unten im Hausflur stehen die Kleinigkeiten, die sie nebenbei vorbereitet hat: 100 gerahmte Ehrungsurkunden, Weinflaschen für die Ehrenmitglieder und ein großes, selbst gebasteltes Schild und ein Geschenk für das jüngste Mitglied.

Schreiben ander ersten Rede

Andere Dinge beschäftigen sie noch mehr: Zum Beispiel, dass sie noch nie eine Rede gehalten hat. Daran schreibt sie gerade. Doch auch ihr Beginn an der Spitze des Vereins war ein Sprung ins kalte Wasser. Als ihre beiden Kinder dann gesagt haben: "Mama, mach' das, wir helfen dir", war klar, sie tritt an. Damals, vor vier Jahren, hatte sie auch Sorgen, ob sie das denn alles könne. Ob die Leute zuhören, wenn sie bei einer Versammlung spricht. "Ich war total überrascht, sogar die Männer haben zugehört."

Aber jetzt muss sie noch Blumen bestellen. Auf dem 127-Punkte-Plan hat sie sich selbst nicht geschont.