Die blaue Kapuze tief im Gesicht schreit Günter Dippold die Geschichten der Lichtenfelser Juden über den Markt. Der Bezirksheimatpfleger brüllt gegen das Prasseln auf den Regenschirmen an, gegen das kalte Knistern des Windes. Vielleicht auch ein wenig gegen das Vergessen. Die Lichtenfelser Juden, Oppenheimers und Brülls, Zenners und Gutmanns, Zinns und Pausons - sie sind Geschichte. 75 Jahre nach dem Novemberpogrom gibt es in Lichtenfels und Altenkunstadt eine ganze Gedenkveranstaltungs reihe. Die Stadtführung bildet den Auftakt. An die 70 Zuhörer stapfen mit Dippold durch den Regen in die Vergangenheit.

Die 14-jährige Marie-Luise schreibt akribisch mit, weil sie fürs Meranier-Gymnasium ein Referat vorbereiten muss. "Die Geschichte des Dritten Reichs ist bedrückend", sagt sie.