Mit diesem Besucheransturm hatte niemand gerechnet. Am allerwenigsten Jutta Löbling, die Bezirksgruppenleiterin für Burgkunstadt/Altenkunstadt des Geschichtsvereins CHW. Geschätzte 200 Besucher waren in die ehemalige Synagoge gekommen, um etwas über die Freimaurerei im hiesigen Raum zu erfahren.

"Freimaurer waren immer gut für Verschwörungstheorien", erklärt Thomas Schwämmlein, Leiter der Bezirksgruppe Sonneberg/Neustadt. Als Mitglied der Loge Sonneberg bemühte sich der Referent, etwas Licht in die Welt dieser Mythen und Sagen zu bringen.

Die Freimaurer haben ihren Ursprung in den Steinmetzbruderschaften der Dombauhütten des Mittelalters. Ein Beleg dafür findet sich in der Symbolik von Winkelmaß und Zirkel. Mit Loge wurde der Raum bezeichnet, der den Steinmetzen als Werkstatt, Aufenthalts- und Versammlungsraum diente. Die Geheimnisse ihrer Baukunst wurden sorgsam gehütet.

Heute jedoch geht es nicht mehr um die Geheimnisse der Baukunst, sondern um ein höheres Ideal. Der Mensch ist aufgefordert, sich von einem rauen Stein in einen glatten Stein zu verwandeln. Oder anders ausgedrückt: Der Mensch soll an sich arbeiten, um zu einer besseren Gesellschaft beizutragen.

Im Jahr 1717 schlossen sich in London vier Freimaurerlogen zur ersten Großloge der Welt zusammen. Das System der Strikten Observanz wurde 1751 durch den Reichsfreiherrn Carl Gotthelf von Hund in Deutschland initiiert und als Hochgradsystem etabliert. Grundgedanke war dabei ein Bezug zu den Tempelrittern.

Berühmter Vertreter: Baur

Mit Adolf Gottlieb von Eyben holte sich Charlotte Amalie von Sachsen-Coburg-Meiningen eine Freimaurerloge ins Meininger Oberland. Am 9. Oktober 1904 gründete sich die Johannisloge "Zur aufgehenden Sonne" in Sonneberg. Das Logenhaus in der Bismarckstraße, fertiggestellt im Oktober 1913, bestand bis zur Zwangsenteignung durch die Nationalsozialisten 1935. Nach dessen Rückübertragung an die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland konnte nach einer umfassenden Renovierung das Haus 2001 offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

Berühmtester Freimaurer aus dem Landkreis Lichtenfels war Friedrich Baur. Der 1965 verstorbene Unternehmer und Gründer des Baur-Versands wurde 1922 in die Loge "Friedrich zur Frankentreue" in Kulmbach aufgenommen.

Erbitterter Gegner der Freimaurer-Bewegung war Erich Ludendorff (1865-1937), der 1927 sogar ein Buch verfasste, welches sich mit der "Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" befasste. Auch das Verhältnis zwischen Freimaurerei und Religion war häufig angespannt, wie ein Besucher in der anschließenden Diskussion anmerkte. "Wie wird man ein Freimaurer?", lautete die Frage eines Teilnehmers. Anders als bei den Service-Clubs nicht durch Empfehlung, sondern durch Eigeninitiative: "Da müssen Sie sich schon selbst bemühen", erklärte der Referent.

Bei den Freimaurern werden Frauen übrigens nicht ausgeschlossen - es gibt auch Frauenlogen.