Die Gemeinde konnte zufrieden sein, die Käufer auch. In Ebensfeld gab es an diesem Samstag alles außer freie Parkplätze. Auf der gesamten Bamberger Straße, beim Rewe-Parkplatz, in den Seitenstraßen und bis hinter den Friedhof hatten Interessenten aus dem Lichtenfelser und den umliegenden Landkreisen ihre Autos abgestellt und eilten mit Körben und Taschen zum angekündigten Flohmarkt. 

"Einladung zum Neuner-Flohmarkt" stand zum Beispiel ganz groß auf der ersten Seite der Ebensfelder Nachrichten, den Bekanntmachungen der Marktgemeinde. Und weiter: "Aufgrund des bevorstehenden Abrisses von Gebäudeteilen verkauft der Markt Ebensfeld Artikel aus der ehemaligen Gastwirtschaft Neuner. Im Rahmen eines Flohmarktes werden unter anderem alte und urige Artikel wie Stühle, Gläser, Krüge, Kisten und vieles mehr angeboten".

Erwin Räder war einer der ersten Käufer. Schon lange vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr stand er mit zig anderen vor dem noch verschlossenen Tor, das zum hinteren Teil des Anwesens führt. Corona-geschuldet durften jeweils 20 Personen gleichzeitig im Innenhof und den Hallen sein.

Andenken geholt

Erwin Räder aus Lahm/Itzgrund ist schnell fündig geworden. Früher sei er hier oft zu Gast gewesen, erzählt er. An diesem Samstag holt er sich einige Andenken. Mit einem Maßkrug aus Steingut und einer großen Bürste für je einen Euro, sowie ein paar kleinen Weihnachtstischdecken geht er zum Ausgang. Jan Stark, Auszubildender der Marktgemeinde, sitzt an der Kasse. Der junge Mann nimmt Erwins Laufzettel entgegen, auf dem Einzel- und der Gesamtpreis vermerkt worden sind und kassiert. Der nächste darf das Areal betreten. Aschenbecher, weiße dreiteilige Essensteller aus schwerem Porzellan waren genauso begehrt, wie Glaskrüge und Ein-Liter Krüge mit dem blauen Schriftzug "Brauerei Neuner Ebensfeld".

"Was willst freiwillig geben?", scherzt Gerhard Elflein. Er hilft mit aus, sagt Preise an und schreibt die Laufzettel, mit denen man dann zur Kasse geht. Ist der Maßkrug noch ganz? Dann kostet er zehn Euro. Verkauft. Ein unscheinbarer Seidla-Krug aus Glas für einen Euro entpuppt als Rarität. Unter der Staubschicht kommt beim Eichstrich anstelle der "0,5 l" ein altertümliches "10/20 l" zum Vorschein.

Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) war auch vor Ort. "Ich schau immer Kunst und Krempel" sagt er, "Und ich habe mir ein altes Bild gekauft mit der Hoffnung, dass es viel wert ist. Schau mer mal". Er freut sich, dass sich alle an die Corona-Regeln gehalten haben. Dass aber so viel los ist, überrascht ihn dann doch. Bis weit auf den Gehsteig stehen mittlerweile die "Jäger nach alten Schätzen". Alles riecht ein bisschen, staubig ist es zudem. "Wenn ich sie spülen muss, werden sie teurer", grinst Gerhard Elflein und verkauft für zwei Euro zwei sehr staubige Gläser. Holzfass, Beistell-Ofen, Weihnachtsdeko, Porzellan, und vor allem Unmengen an Gläsern verlassen teils karton- und kistenweise die Stände, auf denen Mitarbeiter des Rathauses und des Bauhofes sie Freitagabend und Samstagfrüh aufgebaut und präsentiert hatten.

Kathrin Lienert packt weitere Kisten aus, stellt die Ware in die Regale. Die Geschäftsleitende Beamtin hat an diesem Tag viel zu tun, ebenso Standesbeamtin Christina Keller. Sie rollt eine meterlange rot-weiße Fahne auf: gut erhalten ist das fränkische Schätzchen. Für zehn Euro geht sie in den Lautergrund.

"Der Erlös wird für das Areal verwendet", so der Bürgermeister. Auch wenn gegen Schluss des Verkaufs um 16 Uhr noch einige Artikel in den Regalen und Karton übrig sind, war der Rathauschef nicht enttäuscht.