Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten enorme Veränderungen erlebt. Die Betriebe sind inzwischen meist wesentlich größer und von moderner Technik geprägt. Um diesen Wandel zu verdeutlichen und das heutige Berufsbild des Landwirts in der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat der Bauernverband kürzlich eine Imagekampagne gestartet. In der ersten Etappe stehen Milchbauern im Vordergrund. "Frauenversteher" und "Sahneschnitten" sind die Slogans, mit denen geworben wird.

"Wir wollen mit der Kampagne auch Missverständnisse ausräumen", sagt Kreisbäuerin Marion Warmuth. "Der Tierschutz spielt beispielsweise eine große Rolle auf den Höfen, das wissen viele nicht." Auch anderen Zweifeln möchte man entgegen wirken. Schließlich, so Warmuth, sorgen unter anderem Kontrollen dafür, dass Landwirte auf ihren Höfen hochwertige Nahrungsmittel produzieren.

Milch wird streng kontrolliert


Das gelte auch für die Milch. Die Zusammensetzung der Milch wird regelmäßig überprüft - unangemeldet, so dass der Bauer nichts manipulieren kann. Bei bestimmten Stoffen, die in der Milch vorkommen, beispielsweise Keime, gibt es eine Toleranzgrenze, die nicht überschritten werden darf. Sollte das doch einmal der Fall sein, wird der Landwirt umgehend vom Milchhof benachrichtigt und kann sofort reagieren.

Vom Bauernhof bis zum Supermarkt ist die Milch durchgehend in einer Kühlkette. So lässt sich vermeiden, dass die Milch auf dem Weg zum Verbraucher verdirbt. Die Kontrollen empfinden die Landwirte indes nicht als Behinderung. "Es ist vielmehr eine Rückmeldung, dass bei uns alles in Ordnung ist", sagt Stefan Bramann, der einen Milchhof im Lichtenfelser Ortsteil Weingarten betreibt.

"Das Kapital eines Bauern sind seine Tiere", sagt Warmuth. Der Landwirt müsse schon ein echter Frauenversteher sein, denn die Kühe haben schließlich auch Gefühle - "so wie Menschen", wie Warmuth sagt. Nur eine gesunde Kuh bringe ein gesundes Kalb und damit auch gesunde Milch. Deshalb sei auch die wichtigste Aufgabe, gesunde Tiere zu halten.

Entscheidend für die Qualität der Milch ist unter anderem die Qualität des Grundfutters. Erst vor wenigen Tagen hat Bramann damit begonnen eine Silage herzustellen. Vom Mähen bis zum Abdecken des Silos dauert es etwa drei Tage, "ideal wären 24 Stunden", so Bramann. Das sei aber nur schwer zu schaffen.
Zunächst wird das Gras gemäht, so dass es in Bahnen auf der Wiese liegt. Nach etwa einer Stunde muss es der Bauer wenden. Es folgt das Schwaden. Dabei recht eine Maschine die breiten Bahnen zu schmaleren Streifen zusammen. Das ist wichtig, denn nur so passt das gemähte Gras durch die drei Meter breite Front des Häckslers. Letzterer kürzt die Halme. Das dient dazu, dass im Silo eine möglichst große Dichte entsteht. Dadurch wird der Gärprozess optimiert.

Silage muss dicht sein


"Das ist wie beim Sauerkraut einmachen", ergänzt Irmgard Bramann, Seniorchefin auf dem Hof. Vor dem Einlagern walzt Stefan Bramann das gehäckselte Gras mit dem Radlader platt: "Wegen des Gewichts, damit alles schön dicht ist." Anschließend deckt er das Gras mit luftdichten Folien ab, beschwert das Ganze mit Sandsäcken und schützt es mit Netzen vor den spitzen Schnäbeln der Vögel. Ein Loch wäre verheerend für die Silage: "Wenn Luft oder Wasser eindringt, dann würde es schimmeln. Für den Bauern hieße das, er könnte es nicht mehr an die Tiere verfüttern und müsste alles entsorgen", erklärt Warmuth.

Für die nächsten vier bis sechs Wochen bleibt das Gras jetzt unter der Folie. Milchsäurebakterien vergären es und machen es dadurch haltbar. Dann ist das Basisfutter fertig. Bevor es jedoch an die Kühe verfüttert wird, mischt Bramann noch Mais, Kraftfutter, Heu und Stroh und Mineralstoffe nach einem festen Rezept hinzu.
Die nächste Station des Futters ist dann einer der Mägen der hungrigen Kuh.

90 Kühe


Früher war das Melken von Hand üblich und bei sechs bis zehn Kühen auch kein Problem. Für Bramann wäre das allerdings unmöglich - bei 90 Kühen auf seinem Hof. Deshalb verfügt er über einen Melkstand, auf dem die Tiere maschinell gemolken werden. "Milch ist das Grundprodukt für vieles was man im Supermarkt kaufen kann. Das kommt alles vom Bauern", sagt Warmuth. Natürlich auch die Sahne für Sahneschnitten. Die hat Seniorchefin Irmgard Bramann vorbereitet, schließlich seien die Landfrauen bekannt für ihren leckeren Kuchen.
Für Kreisbäuerin Marion Warmuth ist wichtig, dass der ganze Prozess nachvollziehbar und transparent ist. Diese Transparenz werde auch bei den Tagen des offenen Hofes vermittelt. "Wir haben nichts zu verbergen. Jeder kann vorbei kommen und sich ansehen, wie der Bauer vor Ort arbeitet", sagt Warmuth.