"Im vergangenen Jahr hat sich der Mitgliederrückgang im Bezirk Oberfranken stark abgeschwächt", sagte Bezirksschützenmeister Volker Gottfried bei einem Gespräch mit unserer Zeitung am Bezirksschützentag in Lichtenfels. Habe der Bezirksverband im Jahr 2011 noch rund 700 Mitglieder verloren, so seien es 2012 nur vier gewesen. Besonders erfreulich sei, dass der Anteil der Schüler und Jugendlichen mit 2577 Mitgliedern bei 7,6 Prozent liege. Damit, so Gottfried, habe der Bayerische Sportschützen-Bund (BSSB) in Oberfranken im Nachwuchsbereich seit langem wieder ein leichtes Plus erzielt.

Den Mitglieder-Rückgang sah Gottfried unter anderem im fehlenden Nachwuchs begründet. Am Leistungssport könnten Jugendliche erst ab zwölf Jahren teilnehmen, und dann nur mit Luftdruckwaffen in Anwesenheit einer qualifizierten Standaufsicht und nur mit einer Einverständniserklärung der Eltern.
"In dem Alter sind die meisten Jungen schon bei anderen Vereinen gelandet."

Gottfried verschwieg auch nicht, dass in Schulen der Schießsport oft in Misskredit gebracht werde. Die verbrecherischen Einzeltaten von Amokschützen würden dort den jungen Menschen manchmal nicht mit der gebotenen Objektivität erklärt. Waffen seien dort ein Tabuthema. Einzige Ausnahme sei das Bogenschießen. Diese Trendsportart sei auch darauf zurückzuführen. Rund 40 Vereine in Oberfranken übten diese Disziplin aus.
Dem demografischen Wandel in Oberfranken, der sich am deutlichsten im Bevölkerungsrückgang zeige, müssten die Sportschützen mit attraktiven, innovativen Angeboten begegnen. Ansatzpunkte gebe es im Jugendbereich, wo Schützenvereine Sport, gesellschaftliches Engagement und sinnvolle Freizeitaktivitäten miteinander verknüpfen könnten, im Seniorenbereich, wo das Auflageschießen einen steilen Aufschwung nehme, oder in der Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise beim bundesweiten "Tag der Schützenvereine". In Oberfranken hatten sich im Oktober vergangenen Jahres 146 Vereine daran beteiligt. Eine Wiederholung in diesem Jahr sei vorgesehen.

Gegen zentrale Waffen-Lagerung

Kritisch beurteilte der Bezirksschützenmeister Stimmen, die eine Verschärfung des Waffenrechts fordern. "Die Gesetze sind völlig ausreichend", sagte er. Als Schwachsinn bezeichnete Gottfried die Forderung, Waffen im Schützenhaus aufzubewahren: Wenn Waffen zentral gelagert werden, sei das Potenzial der Gefährdung bedeutend höher. Es sei denn, man baue einbruchsichere Safes, die von Wachpersonal, wie bei der Bundeswehr, rund um die Uhr beaufsichtigt werden.

Volker Gottfried wünschte sich von der Politik, Fördermittel für Vereine nicht zu kürzen. Im Regierungsbezirk liege der Antragsstau für Bauprojekte von Schützenvereinen noch immer bei acht Jahren, oder rund 250 000 Euro für neun Schützenvereine. Die Aufstockung der Gelder im bayerischen Doppelhaushalt 2013/2014, für die der BSSB-Bezirksverband dankbar sei, lasse hoffen, dass der Antragsstau abgebaut werden kann.